Die Flagge der ehemaligen DDR
Wurden Psychiatrien in der DDR missbraucht? Bildrechte: dpa

Sachsen Psychiatrie-Missbrauch in der DDR: Erneute Aufarbeitung gefordert

Vor 25 Jahren nahm in Dresden eine Kommission die Arbeit auf, die den möglichen Missbrauch der Psychiatrie in Sachsen zu DDR-Zeiten untersuchen sollte. Es ging um die Rehabilitierung und Entschädigung Einzelner. Aber auch darum, ob die DDR systematisch und flächendeckend die Psychiatrie missbraucht hat, um etwa systemkritische Menschen mundtot zu machen. Was ist aus den Untersuchungen der Kommission geworden?

von Thomas Matsche, MDR AKTUELL

Die Flagge der ehemaligen DDR
Wurden Psychiatrien in der DDR missbraucht? Bildrechte: dpa

An einem März 1986 geht Brigitte Schneider zu einem Arzt. Sie will mit ihm über ihre Sehnenscheidenentzündung sprechen. Doch die heutige Leipzigerin erhält ein ganz andere Diagnose: Brigitte Schneider sei selbstmordgefährdet und müsse nun in eine Psychiatrie eingewiesen werden, erinnert sich die 72-Jährige. Sie beschwert sich beim Bezirksstaatsanwalt und wird nach einem Monat wieder aus der psychiatrischen Anstalt in Wermsdorf entlassen.

Fälle noch einmal aufarbeiten?

Eine Rentnerin schaut ernst in die Kamera. Sie hält ein Buch mit dem Titel "Abschlussbericht".
Brigitte Schneider wurde nicht rehabilitiert. Bildrechte: MDR/Thomas Matsche

Als sie rauskommt, sind ihre Kinder weg. Ein Gutachten der Psychiatrie habe Brigitte Schneider damals erziehungsunfähig geschrieben. Gegen dieses Gutachten klagte Schneider nach der Wende. Sie sei damals verleumdet worden. So schildert sie es einem Psychiater der sächsischen Untersuchungskommission für DDR-Psychiatriemissbrauch.

Diese Kommission aus Juristen, Ärzten, Landtagsabgeordneten und Betroffenenvertretern entschied damals bis 1996 über insgesamt 216 Anträge. Über Rehabilitierung und Entschädigung. Auch bei Brigitte Schneider: "In meinem Fall hat er das Gutachten des Diplommediziners als plausibel dargestellt und dann hat die ganze Kommission dort abgestimmt, dass das so in Ordnung sei."

Diese Entscheidung könne Brigitte Schneider bis heute nicht begreifen und akzeptieren. Deshalb fordere sie, auch im Namen anderer, dass die Fälle von damals noch einmal lückenlos aufgearbeitet werden sollten.

Menschen wurden "als Fall betrachtet"

Wie in der Kommission entschieden wurde, hat Rosi Haase hautnah erlebt. Sie hat damals als einzige Betroffenen-Vertreterin über die Fälle mitentschieden. Vier bis fünf waren das pro Treffen. Rosi Haase sagt: Entschieden wurde damals nach Lage des Gesetzes. Recht sei aber eben nicht immer Gerechtigkeit, kritisiert Rosi Haase heute.

Die traumatischen Schicksale, die die Menschen erlitten hatten, spielten keine Rolle. Die wurden halt als Fall betrachtet.

Rosi Haase, Betroffenen-Vertreterin der sächsischen Untersuchungskommission für DDR-Psychiatriemissbrauch

Sie hätte sich gewünscht, "dass Betroffene und Angehörige gleichberechtigt in solchen Gremien beteiligt werden." Dann hätten die Stimmen der Betroffenen vielleicht auch ein anderes Gewicht bekommen. Zu den allgemeinen Aussagen der Untersuchungskommission steht Rosi Haase aber heute noch.

Kein flächendeckender Psychiatrie-Missbrauch

Demnach habe es keinen flächendeckenden, von oben angeordneten Psychiatrie-Missbrauch gegeben – wie zum Beispiel in der damaligen Sowjetunion. Und die Stasi habe nur sehr vereinzelt ihre Hände im Spiel gehabt.

Die Arbeit des Untersuchungskommission wurde in einem Abschlussbericht dokumentiert. Dieser steht im Staatsarchiv in Dresden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. April 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2018, 05:00 Uhr

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14 Kommentare

28.04.2018 00:08 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 14

@ 13:
Zitat "Man dürfte auf solche Kommentare einfach nicht antworten. Das sollten alle tun, die nicht in den Keller gehen wollen, um Dein Niveau zu erreichen."

Danke für die Bestätigung!

27.04.2018 20:09 Diddy 13

Teil 2 -- Außerdem ist Dein Kommentar 11 an 9 einfach nur dumm, wie gesagt von nichts auch nur einen Hauch von Ahnung, einfach nur unwissendes dummes Geplapper. Du bist in allen Foren nur auf Provokation aus. Man dürfte auf solche Kommentare einfach nicht antworten. Das sollten alle tun, die nicht in den Keller gehen wollen, um Dein Niveau zu erreichen.

27.04.2018 15:57 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 12

@ 10:
Na, dann nenne doch mal ein paar 'positive Sachen' der Stasi...

Selbst eine einzige würde mich überraschen!

27.04.2018 15:36 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 11

@ 9:
Zitat "Ich habe dort gern gelebt und würde es auch heute noch."

Ja, ja, das 'Mitlaufen' erfordert die wenigste Anstrengung.
Glücklicherweise haben ein paar 'vernünftige Menschen' dazu beigetragen, daß dieses Unrechtsregime Geschichte ist.
Sonst wäre West-Berlin heute noch eingemauert...

27.04.2018 14:43 Diddy 10

Wenn sich da geistig verbohrte Personen, die überall nur nach den Schlechten suchen, mal etwas in sich gehen würden. Nicht wahr Herr Krause (8). Sucht nicht überall nach den Schlechten im Leben, sondern sucht auch mal nach positiven Sachen. Das Suchen nach negativen Zuständen ist für mache schon ein muss und geht schon in Richtung Wahnvorstellungen. Es gibt auch genug schlechtes in den alten Bundesländern, aber das tangiert mich überhaupt nicht. Wer ohne Schuld, der werfe den ersten Stein. Es gibt bestimmt genug, die mit „Steinen“ um sich werfen müssen, das soll wahrscheinlich andere von deren Problemen ablenken. So nach dem Motto, Angriff ist die beste Verteidigung. Den Kommentar von Werner (9) kann ich mich nur anschließen. In der DDR verlief das Leben ruhiger und stressfreier als heute.

26.04.2018 22:02 Werner 9

Gehört es mittlerweile zum guten Ton ständig und überall über die DDR zu hetzen? Ich habe dort gern gelebt und würde es auch heute noch.

26.04.2018 19:25 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 8

Zitat "Demnach habe es keinen flächendeckenden, von oben angeordneten Psychiatrie-Missbrauch gegeben – wie zum Beispiel in der damaligen Sowjetunion. Und die Stasi habe nur sehr vereinzelt ihre Hände im Spiel gehabt."

Diese Darstellung erscheint mir nicht ganz 'detailgetreu'.
Ich glaube nicht, daß es keinen 'flächendeckenden Psychatrie-Mißbrauch' gegeben hat, auch die 'nur sehr vereinzelten Nutzungen' durch die Stasi bezweifel ich.
Zustimmen würde ich der Aussage, daß diese Verdächtigungen 'nicht flächendeckend' oder eben 'nur sehr vereinzelt' nachzuweisen sind.

@ 1:
Wie Du an den KZ-Aufseher-Prozessen ersehen kannst, ist es auch fast 75 Jahre nach den Verbrechen durchaus möglich, Unrecht als Unrecht zu ahnden. Und 'zu spät' ist es dafür nie.

Oder siehst Du das anders?
Zitat #7 "Aber was hier übertrieben wird in der Negativberichterstattung hat meiner Meinung nach System und ist politisch offensichtlich gewollt." läßt ahnen, daß Du Dich 'politisch verfolgt' fühlst...

26.04.2018 14:56 W. Merseburger 7

Ich bin sehr erstaunt, dass mein Wutkommentar hier veröffentlicht wurde und dass es zu vernünftigen und durchdachten anderen Kommentaren dazu gekommen ist. Ich habe oben den Kommentar zum Thema Kindesmissbrauch in der DDR gar nicht mit einbezogen. Aber es hört heute auch nicht auf. Oben steht nun wieder ein Beitrag zum unsäglichen Karl Eduard von Schnitzler, dem Oberhetzer im DDR Fernsehen. Die Endlosschleife geht also weiter. Ich glaube nicht, dass ein "gelernter" DDR-Bürger diesen Staat der SED Rechthaber und Besserwisser und Eiferer glorifiziert. Aber was hier übertrieben wird in der Negativberichterstattung hat meiner Meinung nach System und ist politisch offensichtlich gewollt.

26.04.2018 14:12 Diddy 6

Mit der Aufarbeitung das ist so eine Sache, welchen Zweck das auch immer hat, wird nur nach dem Schlechten im Osten gesucht. Es wird langsam Zeit, das man auch mal das Schlechte vom Westen sucht.
Wenn man da sucht und so richtig im Dreck wühlt, wird man auch da genug finden. Da gibt es bestimmt auch genug um von wichtigeren Problemen abzulenken. Jeder sollte erst mal vor seiner eigenen Haustür kehren, da gibt’s genug zu tun. Wenn das so weiter geht wird es nie eine Einheit geben. Darüber sollte mal nachgedacht werden.
Kann es sein, das das der innere kalte Krieg ist? Langsam müsste mal Schluss sein mit dem ewigen-„ wer hat Schuld auf sich geladen“. Es muss immer wieder mit dem „Stock“ gegen den Bienenkorb geschlagen werden. Da muss man sich nicht wundern, wenn man gestochen wird.

26.04.2018 13:10 Harzer 5

zu @1Siehaben Recht, ich teile Ihre Meinung ! Es gab auch schöne Zeiten; Zusammenhalt, kein Ärzte Mangel, unsere Frauen und Kinder konnten zu jeder Zeit in Parkanlagen, Strassen ohne Angst zur Schule und zur Arbeit gehen. Was ist aus diesenLand geworden?