Ein BMW-C1-Fahrer überholt einen Fahrradfahrer auf einer Allee
Bildrechte: imago/ecomedia/robert fishman

Gefährlicher Straßenverkehr Warum gibt es nicht genügend Radwege im Landkreis Meißen?

Elberadweg, Harzvorlandweg oder die Gartenreichradtour Fürst-Franz, an Radwanderwegen scheint es in Mitteldeutschland nicht zu mangeln. Oder doch? Jenseits der touristischen Strecken sieht es nicht immer so gut aus. Diese Erfahrung macht auch Carena Raschke aus Niederau, die im Alltag oft als Radfahrerin auf der befahrenen Staatsstraße 177 zwischen Meißen und Radeburg unterwegs ist. Es sei viel Verkehr, sagt sie, es sei gefährlich. Doch warum sind Radwege in der Gegend so dünn gesät?

von Frank Ludwig, MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio

Ein BMW-C1-Fahrer überholt einen Fahrradfahrer auf einer Allee
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Im Landratsamt zu Meißen malt Pressesprecherin Dr. Kerstin Thöns ein deutlich freundlicheres Bild: "Wir haben hier das Radwegenetz im Landkreis Meißen, insgesamt 700 km. Das Radwegenetz teilt sich in einen touristischen Teil und in einen Alltagsteil. Wir sind, was das Radwegenetz betrifft, sehr gut aufgestellt." Dass dies, zumindest im touristischen Teil, so ist, hat der Landkreis vor allem wohl einem zu verdanken: Kreisradwegewart Hans-Jochen Gramann. Der fast 78-jährige pensionierte Sportlehrer ist bei Wind und Wetter auf seinem Rad unterwegs. 10.000 Kilometer im Jahr. Ehrenamtlich. Vieles von dem, was es mittlerweile im Landkreis Meißen an touristischen Radwanderrouten gibt, geht auf ihn zurück. Doch noch bleibe viel zu tun, weiß Gramann, vor allem eben für den Alltagsradverkehr wie im Fall unserer Hörerin. "Das heißt also, dass auch diejenigen, die Einkaufen fahren, die Wege erledigen müssen, die beruflich unterwegs sind, auch mit dem Fahrrad bequem und verkehrssicher fahren können. Hier muss noch sehr viel getan werden. Wir wissen, was wir zu tun haben und werden Schritt für Schritt diese Aufgabe lösen."

Landkreise und Kommunen müssen aktiv werden

Diese Einschätzung kann Konrad Krause, Geschäftsführer des Radfahrerinteressenverbandes ADFC in Sachsen nur dick unterstreichen. Der Landkreis Meißen sei dabei im Freistaat in Sachen Radwege keine Ausnahme: Längs von Bundes- und Staatsstraßen gäbe es in Sachsen mit Mühe gerade einmal halb so viele Radwege wie im Bundesdurchschnitt. Noch dazu ein Netz mit vielen Lücken. Ausnahmsweise läge das mal nicht am Geld. Denn die Staatsregierung, die sich tatsächlich einiges auf die Fahnen geschrieben habe in Sachen Radwegnetz im Land, hätte das Budget dafür deutlich aufgestockt - von zwei auf acht Millionen Euro. Woraus bis 2020 sogar stolze 25 Millionen werden könnten, wenn man das mit der möglichen EU-Förderung multipliziere. Nur, die Nachfrage aus Landkreisen und Kommunen nach diesen Fördergeldern hielte sich bislang in eher bescheidenen Grenzen, so Krause: "Das Hauptproblem ist, dass wir zu wenige Planer haben, die tatsächlich Radverkehrsplanung machen, auf Seiten des Ministeriums und in den Straßenbauämtern. Wir kriegen das Geld nicht verbaut, weil wir die Planungen nicht realisiert kriegen."

Lösung lässt aber auf sich warten

Im zuständigen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr in Dresden hat man das Problem inzwischen auf dem Radar und will es lösen. Staatssekretär Dr. Hartmut Mangold: "Dazu haben wir die Richtlinien vereinfacht und kommunenfreundlicher gemacht. Sie können bis zu 15 Prozent der Summe ihres Projekts für Planungsleistungen einsetzen, können sich also auch einen Planer von außerhalb einkaufen, wenn sie selber nicht genug Kapazitäten haben." Die Zahl der Förderanträge für den Radwegebau sei seit dieser Entscheidung schon deutlich gestiegen. Auch im Landkreis Meißen denkt man darüber nach, davon Gebrauch zu machen. Vielleicht, dass dann irgendwann einmal auch längs der Staatsstraße 177 Radwege entstehen. Bis das freilich so weit ist, kann man unserer Hörerin aber nur empfehlen, diese vergleichsweise schmale und radweglose Fernstraße mit ihrem dichten Autoverkehr möglichst zu meiden.

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 12:53 Uhr

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2 Kommentare

11.05.2016 22:34 Klaas aus Holland 2

in Kreis Borken gibt es viele schöne grensüberschreitende Farradwege. das kommt gut an. mit de 'Fietse' durch kreis Borken.

11.05.2016 13:51 Das ganze Gerede ist für die Katz' 1

Das Problem in so gut wie ganz Neufünfland liegt zwischen den Ohren. In Brandenburg gibt es wenigstens ein Radtourismus-Konzept (immerhin...) und dafür Verantwortliche mit einer anderen Sozialisation, als weiter in der Tiefe des Ex-DDR-Raumes. Niemand in den Ost-Kommunen findet den Radverkehr wichtig, meistens ist das Gegenteil der Fall und genau so sieht dann auch die konzeptionslose Frickelei aus. Sachsen-Anhalt ist in dieser Beziehung negatives Musterland Nr. 1: Soviel technische ud logistische Inkompetenz, Unfähigkeit, Kurzsichtigkeit und schlichte Borniertheit wie dort, findet sich nirgends sonst in Schland. Ein Blick auf die ökonomische Gesamtlage und die Statistiken der Krankenkassen zeigen, woher die "bewährten Rezepte" tatsächlich stammen (sollen?): Von Gestern und das ist bekanntlich vorbei.

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