Symbolbild - Mann in Kampfpose.
Kampfsport ist in der rechtsextremen Szene beliebt. Bildrechte: Colourbox.de

Thüringen Verfassungsschutz beobachtet rechtsextreme Kampfsport-Szene

Rechtsextremismus in Deutschland hat viele Facetten. Aufmärsche, Demonstrationen, Hetze in sozialen Netzwerken, Rechtsrock-Konzerte. Das sind die Dinge, über die auch regelmäßig berichtet wird. Weniger im Fokus steht die rechtsextreme Kampfsport-Szene. Völlig unbeobachtet ist aber auch sie nicht.

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Symbolbild - Mann in Kampfpose.
Kampfsport ist in der rechtsextremen Szene beliebt. Bildrechte: Colourbox.de

Eines der bekanntesten rechtsextremistischen Kampfsport-Events ist der sogenannte "Kampf der Nibelungen". Vergangenes Jahr fand die Veranstaltung im sächsischen Ostritz statt. 700 Menschen kamen. Seit 2015 nehmen auch Thüringer regelmäßig an dem Kampfsport-Event teil – als Zuschauer, aber auch als Kämpfer, schreibt der Thüringer Verfassungsschutz auf Anfrage von MDR AKTUELL:

Kampfsportveranstaltungen, vor allem der "Kampf der Nibelungen", dienen der – auch europaweiten – Vernetzung der rechtsextremistischen Szene insgesamt. Mit den Veranstaltungen, die mitunter mehrere Hundert Personen anziehen, werden nicht unerhebliche finanzielle Mittel akquiriert.

Thüringer Amt für Verfassungsschutz

Diese Mittel würden "der weiteren Professionalisierung der Events, aber eben auch der rechtsextremistischen Szene im Allgemeinen dienen". Das sei die eigentliche Gefahr, so der Verfassungsschutz. Die maßgeblichen Akteure seien größtenteils seit Längerem in der rechtsextremistischen Szene vernetzt. Die rechte Kampfsportszene bezeichnet der Thüringer Verfassungsschutz aber als "vergleichsweise neues Themenfeld".

Rechtsextreme vernetzen sich zunehmend

Der Kampfsport habe schon immer eine Anziehung auf die gewaltbereite neonazistische Szene gehabt, sagt Janine Patz vom Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration der Universität Jena: "Kampfsport passt in gewisser Weise zum ideologischen Männlichkeitsbild vom trainierten, definierten Körper – immer schlagfertig und kampfbereit." Zum anderen habe das Kämpfen-Lernen tatsächlich eine strategisch wichtige Bedeutung in solchen Szenen.

Schon in den 90er-Jahren hätten in Thüringen Kampfsport-Veranstaltungen stattgefunden, die von der neonazistischen Szene organisiert wurden – zum Beispiel Käfigkämpfe. "Neu sind die Strukturen und die Verbindungen zwischen den Szenen, die in den letzten Jahren sehr viel stärker zur Schau getragen werden", so Patz. Ein Beispiel seien neue Formate wie der bereits erwähnte "Kampf der Nibelungen", den es seit 2013 gibt. Hier werde der Kampfsport bewusst ideologisch aufgeladen und inszeniert. Wie bei Rechtsrock-Konzerten ginge es aber auch darum, sich international zu vernetzen und Geld zu verdienen.

Auch in Thüringen haben bereits rechtsextreme Kampfsport-Veranstaltungen stattgefunden, sagt Stefan Heerdegen von der Mobilen Beratung für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, kurz Mobit. "In Kirchheim im Ilm-Kreis hat das sogenannte 'Jugend im Sturm' stattgefunden. Da wurde das Gesamtpaket geboten: Da gab es Konzertanteile, politische Anteile und Kampfsport." Beliebt seien Kickboxen oder Mixed Martial Arts – Kampsportarten, die sich auch für den Straßenkampf eignen würden, sagt Heerdegen.

Verfassungsschutz beobachtet die Szene

Thüringens Innenminister Georg Maier überlegt bereits, was gegen rechtsextremistische Kampfsportveranstaltungen unternommen werden kann. Erstmal müsse man besser verstehen, was da gerade passiert, sagt Maier dem MDR:

Es findet oft in geschlossenen Räumen statt. Da gibt es ganz wenige Eingriffsmöglichkeiten, dagegen vorzugehen. Wir müssen das erstmal beobachten. Dafür braucht es den Verfassungsschutz. Und wenn es zu kriminellen Taten kommt, muss die Polizei hart eingreifen.

Geog Maier, Thüringens Innenminister

Der Thüringer Verfassungsschutz beobachtet nach eigenen Angaben die Aktivitäten mit erhöhter Aufmerksamkeit und stehe dazu im ständigen Austausch mit anderen Sicherheitsbehörden – insbesondere mit der Polizei und dem Bundesamt für Verfassungsschutz.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. März 2019 | 08:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 08:18 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

23 Kommentare

23.03.2019 13:20 Eulenspiegel 23

Hallo Auf zum letzten Gefecht! 18
Sie behaupten also das da Gruppen die für unsere freiheitlich, demokratische Grundordnung eine Gefahr darstellen könnten vom Verfassungsschutz nicht nicht Betracht kommen. Ich denke das sollten sie erst ein mal beweisen.

23.03.2019 13:03 Sonja 22

soetwas braucht man heut zu Tage dringend um uns selber vor die Schutzbedürftigen zu schützen , den wir haben keine gepanzerten autos und 8 0 0 Polizeier bei einer Veranst. die uns schützen !!

23.03.2019 08:54 Auf zum letzten Gefecht! 21

@Baldur von Ascanien 19

Danke, ich hätte es nicht besser zum Ausdruck bringen können
+1

Danke auch an den MDR das veröffentlicht zu haben.

23.03.2019 05:17 Harzer 20

zu@ 1 vollkommen richtig ihr Kommentar!

Mann vergisst immer das DE nach den Krieg, Nazi Generäle in die BW eingestellt hat,Richter usw.!!
Diese Regierung lenkt von ihren grossen Fehlern ab!

22.03.2019 22:33 Baldur von Ascanien 19

MDR auf 18 : [Lieber Nutzer, der Verfassungsschutz beobachtet auch andere, z. B. eine Bochumer Moschee, den "Flügel" der AfD und die Gruppe "Pro Chemnitz". Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]
Das hatte der Kommentator garnicht gemeint, seine Frage bezog sich auf die linken Gewaltbereiten. Schon seltsam ihre Reaktion, Stereotyp wie mit Textbausteinen, blos nicht die Linken in den Bezug zu Gewalt bringen. Was für ein toller Journalismus, Weltklasse!

22.03.2019 21:41 Auf zum letzten Gefecht! 18

wirklich nur diese Gruppe?

was ist mit Linken, Linke Antifa, Grünen, Nordafrikanische ..., Arabische ..., Albanische ..., ...,

die Liste für Deutschland wäre Endlos lang.

[Lieber Nutzer, der Verfassungsschutz beobachtet auch andere, z. B. eine Bochumer Moschee, den "Flügel" der AfD und die Gruppe "Pro Chemnitz". Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

22.03.2019 20:31 Dh 17

@15 Schmittler, entscheiden Sie jetzt wo jemand hin gehen soll wenn er eine Meinung hat, die Ihnen nicht genehm ist? Leute wie Sie scheinen die Weisheit für sich gepachtet zu haben. Was und wo eine Diktatur ist, kann man nämlich trefflich streiten. Zur Sache: Überwacht der Verfassungsschutz auch kriminelle Clans und Rockerbanden? Diese betreiben auch Kampfsport und besitzen illegale Waffen. Ich bin auch der Meinung, dass es in diesem Lande es bestimmt wichtigere Tendenzen gibt, die unter die Lupe genommen werden sollten. Zum Beispiel der Umgang von Politik, Medien und Staatsorganen mit Teilen der Bevölkerung die anderer politischer Meinung sind.

22.03.2019 18:50 Frank 16

Herr Innenminister Georg Maier, Warum organisieren Sie nicht sportliche Veranstaltungen?? solange es keine Alternativen gibt werden die Jugendlichen zu solchen Veranstaltungen gehen, ist doch logisch, solange es nichts anderes gibt, seinen Sie froh das es andere gibt die sowas organisieren, denn der Staat läßt seine Bürger ja im Regen stehen und kümmert sich nicht um sie, oder gibt es in Ihrem Bundesland gleichwertige Alternativen??? ..............

[Es gibt Sportvereine und Fanprojekte. Übrigens müssen viele gemeinnützige Vereine z. B. keine Gewerbesteuer bezüglich Einkünften, Umsätzen und Vermögen zahlen. Mit freundlichen Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

22.03.2019 17:50 Schmittler K. 15

@14, SH: "Ich dachte 1989, die DDR ist nicht zu toppen, aber falsch gedacht."

Dann gehen Sie doch einfach zurück in eine Diktatur Ihrer Wahl, wenn es hier angeblich so schlimm ist. Es gibt ja noch genug totalitäre Regime auf der Welt. Vielleicht reicht sogar schon ein Orban oder Erdogan. Die sind ihnen bestimmt lieber als unsere deutsche Gesellschaft??

22.03.2019 16:24 sh 14

Ich habe das Gefühl in diesem Land macht sich der Verfolgungswahn immer breiter, anders kann man das nicht beurteilen. Und dies ist nicht das einzige Beispiel. Hauptsache man lenkt von den wahren Problemen ab. Ich dachte 1989, die DDR ist nicht zu toppen, aber falsch gedacht.