Insgesamt 109 Schülerinnen und Schüler arbeiten im Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) an ihrem schriftlichen Abitur.
War das Mathe-Abitur zu schwer? Beim Bildungsministerium in Sachsen-Anhalt liegen mittlerweile zwei schriftliche Beschwerden wegen der Abiturprüfung. Bildrechte: dpa

Abschlussprüfungen am Gymnasium War das Mathe-Abitur in Sachsen-Anhalt zu schwer?

In Sachsen-Anhalt ist die Abiturprüfung in Mathe gerade erst vorbei. 1.600 Schüler haben die Klausur auf höherem Niveau geschrieben – das, was früher Leistungskurs hieß. Doch selbst für sie sollen die Aufgaben zu schwer gewesen sein, kritisieren nun Lehrer und Schüler.

von Constanze Müller, MDR AKTUELL

Insgesamt 109 Schülerinnen und Schüler arbeiten im Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) an ihrem schriftlichen Abitur.
War das Mathe-Abitur zu schwer? Beim Bildungsministerium in Sachsen-Anhalt liegen mittlerweile zwei schriftliche Beschwerden wegen der Abiturprüfung. Bildrechte: dpa

Prüfungsaufgaben hatten anderen Fokus als Unterrichtsstoff

Thomas Gaube sitzt in seinen Pfingstferien am Schreibtisch und ärgert sich. Er ist Schulleiter am Giebichenstein-Gymnasium "Thomas Müntzer" in Halle und korrigiert gerade Mathe-Abiturprüfungen.

Es ist – glaube ich – kein Mathematiklehrer begeistert, wenn er beim Korrigieren feststellt, dass seine Schüler im Schnitt um eine Note schlechter liegen als bei den bisherigen Halbjahresdurchschnitten oder im Vergleich zu den an den meisten Schulen einheitlich durchgeführten Vorprüfungsklausuren.

Thomas Gaube Schulleiter am Giebichenstein-Gymnasium "Thomas Müntzer" in Halle

Den Grund sieht Gaube allerdings nicht bei seinen Schülern. Entscheidende Aufgaben, die die Prüfungskommission zusammengestellt hat, hätten schlicht einen anderen Fokus als die, die im Unterricht vorgekommen sind. "Sie haben natürlich in ihrem Unterricht eine Schwerpunktsetzung und die ist immer noch häufig "löse mit einem ordentlichen, begründeten Lösungsweg und einer Lösung" und nicht zu 70, 80 Prozent, wie im Abitur "beschreibe, erläutere oder begründe"."

Schüler verstanden Aufgabenstellungen teilweise nicht

Diese Art Aufgaben waren Teil der Mathe-Klausur auf erhöhtem Anforderungsniveau. Wer die geschrieben hat, gehört zur Leistungsspitze. Alexander Dobert ist so ein Einser-Kandidat in Mathe. Er besucht das Geschwister-Scholl Gymnasium in Sangerhausen. In der Abiturprüfung, hatte auch er Verständnisschwierigkeiten.

Teilweise war nicht konkret dargestellt wie, beziehungsweise was getan werden soll. Es waren auch teilweise Abbildungen gegeben, aus denen man nicht ableiten konnte, dass diese für die Lösung der Aufgabe auch von Nöten ist.

Alexander Dobert Schüler

Bisher zwei schriftliche Beschwerden beim Bildungsministerium

Beim Bildungsministerium in Sachsen-Anhalt liegen mittlerweile zwei schriftliche Beschwerden wegen der Abiturprüfung. Eine davon ist von Thomas Gaube. Da er auch Vorsitzender des Philologen-Verbandes Sachsen-Anhalt ist, hat diese noch etwas mehr Gewicht.

Ministeriumssprecher Stefan Thurmann erklärt allerdings: Eine abweichende Fragestellung sei nicht ungewöhnlich und auch nicht unbedingt problematisch. "Wir haben gerade in den Kernfächern Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen seit zwei Jahren den bundesdeutschen Aufgabenpool, um die Vergleichbarkeit herzustellen. Deshalb sind die Rahmenlehrpläne relativ vage und geben nur noch die Kompetenzen vor, die am Ende des Abiturs erreicht werden sollen."

Dennoch würden die Aufgaben noch einmal genau überprüft. Ende der Woche will das Ministerium entscheiden,  ob der Bewertungsmaßstab angepasst werden muss. Das wäre sinnvoll, findet Thomas Gaube.  Zukünftig aber wünscht er sich einen Austausch zwischen Mathelehrern und Prüfungskommission im Voraus des Abiturs.  Bisher sind die Lehrer am Prüfungstag nämlich zuweilen genauso überrascht von den Aufgaben wie die Schüler.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Mai 2018 | 06:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 06:48 Uhr

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5 Kommentare

17.05.2018 18:30 Der Ossi im Westen 5

Ich habe die Abituraufgaben selbst gelesen und bin selbst Mathelehrer. Meines Erachtens nach waren die aufgaben angemessen und entsprechen den vorgaben, verschiedene Kompetenzen abzuprüfen. Es ist eine Frage, wie vorher unterrichtet wurde und auch, in welcher Form Klausuren geschrieben wurden. Ich kann Klausuren so verfassen, dass der Notendurchschnitt eben gut ist, weil ich meine Klasse ja kenne. Doch sollte man sich immer an den Beispielaufgaben aus dem Pool (Vergleichbarkeit und Aufgabensammlungder Länder) orientieren.

16.05.2018 13:04 ger 4

Das Kultusministerium will also die bundesweite Vergleichbarkeit des Abiturs erreichen, in dem es in den Rahmenrichtlinien keine konkreten Bildungsinhalte festlegt!
Das halte ich für einen gelungen Geniestreich!
Wenn jeder Lehrer unterrichten kann, was er will, ist die Vergleichbarkeit absolut gesichert!
"Wir haben gerade in den Kernfächern Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen seit zwei Jahren den bundesdeutschen Aufgabenpool, um die Vergleichbarkeit herzustellen. Deshalb sind die Rahmenlehrpläne relativ vage und geben nur noch die Kompetenzen vor, die am Ende des Abiturs erreicht werden sollen."

16.05.2018 08:56 Harry 3

"löse mit einem ordentlichen, begründeten Lösungsweg und einer Lösung" und nicht zu 70, 80 Prozent, wie im Abitur "beschreibe, erläutere oder begründe"."
Tut mir leid, das so sagen zu müssen, aber "ausrechnen" kann jeder. Abiturienten sollten schon in der Lage sein, eine Aufgabenstellung zu "diskutieren" oder einen "Beweis" zu führen. Falls nicht, ist es mit den vermittelten "Kompetenzen" nicht weit her.

16.05.2018 08:31 Opa 2

Wie dumm sollen unsere Kinder noch werden? Alles ist zu schwierig, aber auf der anderen Seite bilden sich viele Eltern ein, sie hätten ein Wunderkind. Dabei wird schlaue Sprüche klopfen mit Wissen verwechselt und das zieht sich bis zu den Berufseinsteigern hin.
Jeder ältere Lehrer beklagt, dass die Ansprüche immer weiter nach unten geschraubt werden. Selbst im Kindergarten sind viele Kinder nicht mehr in der Lage sich die einfachen Kinderlieder zu merken. Es interessiert aber auch keinen mehr
Bei meinem Letzen Klassentreffen sagte unser Klassenlehrer, unter den heutigen Bedingungen wäre der Klassendurchschnitt bedeutend besser als damals. Das ist schon bedenklich.

16.05.2018 07:40 optinator 1

Nicht der Mensch passt sich der Herausforderung an, es ist umgekehrt.
Kein Wunder wenn die Menschheit verblödet.