Maisfeld, das von der Dürre ausgetrocknet wurde.
Maisfeld, das von der Dürre ausgetrocknet wurde. Bildrechte: Colourbox.de

Mitteldeutschland Böden bis in die Tiefen ausgetrocknet

Verbrannter Rasen vor der Haustür, über dem Asphalt flimmert die Hitze und am Rande der Landstraßen verdörren die Weizenfelder. Dieser Sommer in Mitteldeutschland ist bisher vor allem eins: trocken.

von Johanne Bischoff, MDR AKTUELL

Maisfeld, das von der Dürre ausgetrocknet wurde.
Maisfeld, das von der Dürre ausgetrocknet wurde. Bildrechte: Colourbox.de

Der Dürremonitor zeigt das, was viele schon vermutet haben: Der überdurchschnittlich heiße und trockene Frühling hat seine Spuren hinterlassen. Die Böden sind trocken und lechtzen in diesen Sommertagen nach Wasser. Die Experten des Zentrums für Umweltforschung in Leipzig können anhand ihrer Datenlage belegen, wo die Dürre in Mitteldeutschland besonders zugeschlagen hat. Betroffen sind große Teile der Regionen Sächsische Schweiz/Osterzgebirge, Mittelsachsen, in Thüringen die Grenzgebiete zu Sachsen-Anhalt und Sachsen, große Gebiete im Süden Sachsen-Anhalts und ganz besonders die Region rund um Zerbst.

Aktueller Bodenfeuchtezustand in Mitteldeutschland im Gesamtboden bis 1,80 m.
Aktueller Bodenfeuchtezustand in Mitteldeutschland im Gesamtboden bis 1,80 m. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Böden der Region eigentlich gute Wasserspeicher

"Die Böden in Mitteldeutschland haben eigentlich gute Wasserkapazitäten, die können Niederschläge gut aufnehmen und speichern. Weil die Witterungslage aber schon seit einiger Zeit eine extreme ist, haben wir hier nun mit dieser Dürre zu kämpfen", bestätigt Jürgen Heinrich, Professor für Physische Geographie und landschaftsbezogene Umweltforschung an der Universität Leipzig. Für Pflanzen wird es in einigen Gebieten also inzwischen eng: Ihre Wurzeln reichen nicht mehr in feuchte Bodenschichten. Der fehlende Niederschlag hat in verschiedenen Regionen unterschiedlich heftige Auswirkungen. In Lössgebieten, also zum Beispiel in der Magdeburger Börde oder dem Leipziger Land können die Böden eigentlich gut Wasser speichern. Aber wo keins vom Himmel kommt, sind die Speicher irgendwann leer.

Edle Tropfen brauchen Sonne und Regen

Weinberg bei Freyburg unterhalb der Neuenburg Saale-Unstrut
Für die Qualität des Weins ist die intensive Sonne bis zu einem gewissen Grad sehr hilfreich. Bildrechte: IMAGO

So bekommen auch die Winzer im Saale-Unstrut-Gebiet die anhaltende Dürre zu spüren. Man habe begonnen Reben zu entlasten, also einen Teil der unreifen Trauben zu entfernen, erklärt Hans Albrecht Zieger von der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut: "Gerade an steilen Hängen, wo die Böden nicht sehr tief sind, müssen wir reagieren." Zwar seien so sonnenreiche Jahre gut für die Qualität der Weine, vor allem der roten, aber der Ertrag sinke durch die aktuellen Wetterverhältnisse. Bisher geht man in der Winzervereinigung von einem Ertragsdefizit von ungefähr 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Sollten die Niederschläge weiter ausbleiben, könne das aber noch deutlich höher ausfallen.

Das Extreme ist neu

Dürreperioden hat es in der Vergangenheit schon immer gegeben, aber es ist zu befürchten, dass sie im Zuge des Klimawandels extremer ausfallen, bestätigt auch Kai Uwe Totsche, Professor für Hydrogeologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena: "Die Atmosphäre wird tendenziell feuchter, die Böden werden trockener. Das führt auch dazu, dass das Grundwasser 'unter Druck' gerät."

Einen Ausweg, den Totsche sieht, ist der bessere Schutz der Böden vor extremer Austrocknung. Vor allem nackte Böden seien besonders gefährdet. Eine geschlossene Pflanzendecke wirkt dem entgegen. Auch die Landwirtschaft könne ihren Teil dazu beitragen, zum Beispiel durch Mulchen mit Ernterückständen. Gerade bei großen landwirtschaftlichen Flächen kann so der Schaden reduziert werden. "In anderen Regionen hat sich das schon etabliert, in Deutschland ist hier ein Umdenken erforderlich!", wünscht sich der Wissenschaftler.

Wasser - wertvolle Ressource

Ein Mädchen gießt im Garten mit einer Brause.
Um Wasser optimal zu nutzen, sollte der Garten in den kühleren Abendstunden gegossen werden. So geht weniger Wasser durch Verdunstung verloren. Bildrechte: Colourbox.de

Für jeden Gärtner, der seinen Ernteerfolg über die heißen Tage bringen möchten, heißt es: gießen, gießen, gießen. "Mit der einfachen 10-Liter-Kanne kommen Sie da aber nicht weit. Das macht maximal den obersten Zentimeter Boden feucht. Da müssen Sie Größeres auffahren!", rät Umweltforscher Heinrich. Aber in Zeiten, in denen das Wasser nicht vom Himmel kommt, müsse man Prioritäten setzen. Rasen und Bäume zu gießen, das empfindet er als Verschwendung. Die so wertvolle Ressource Wasser, so rät er, sollte man lieber Kulturpflanzen vorbehalten: "Zucchini oder Kohlrabi, die zu wässern lohnt sich, und auch einen Rosenstock, damit er überlebt!"

Regen kommt: Nur wann?

MDR-Meteorologe Thomas Globig macht allerdings Mut, dass es zur Mitte des Monats zu einer Wetterumstellung kommen kann: Mehr Niederschläge und kühlere Temperaturen also. Wie lange das dann aber anhalte, lasse sich momentan aber nicht fundiert vorhersagen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 04. Juli 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2018, 19:20 Uhr

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