Eine erkältete Frau sitzt mit Taschentüchern, Tee und Medikamenten am Tisch
Junge Beschäftigte lassen sich doppelt so häufig krankschreiben wie ihre älteren Kollegen. Bildrechte: IMAGO

Gesundheitsreport Junge Beschäftigte häufiger krankgeschrieben

Junge Menschen sind ideenreich, belastbar und werden selten krank. Das jedenfalls könnte man denken. Die Barmer/GEK stellt einmal jährlich einen Gesundheitsreport vor. Und da fällt auf: Junge Berufstätige lassen sich häufiger krankschreiben als ältere.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Eine erkältete Frau sitzt mit Taschentüchern, Tee und Medikamenten am Tisch
Junge Beschäftigte lassen sich doppelt so häufig krankschreiben wie ihre älteren Kollegen. Bildrechte: IMAGO

Wenn es im Hals kratzt und die Nase trieft, geht der vorbildliche Angestellte auf Arbeit. Denn so ein kleiner Infekt, der macht doch nichts. So denken viele. Nur die ganz Jungen denken offenbar anders.

Fabian Magerl von der Barmer Sachsen sagt, junge Berufstätige ließen sich pro Jahr doppelt so häufig krankschreiben wie alte: "In Sachsen ist es so, dass im Durchschnitt die 15- bis 19-Jährigen zwei Mal krankgeschrieben sind. Bei den 60- bis 64-Jährigen ist das nur einmal der Fall. Darüber hinaus wissen wir auch, dass insgesamt im Vergleich seit 2010 die Krankschreibungen bei jungen Berufstätigen in Sachsen um etwa neun Prozent, bundesweit sogar um elf Prozent zugelegt haben."

Sind die Jungen vielleicht nur faul? Nein, entgegnet der Arbeitsforscher Christian Scholz. Er spricht von einer Generation, die andere Prioritäten setze – der "Generation Z".

In anderen Generationen gehörte das fast zum guten Stil auch krank zur Arbeit zu kommen. Das hat sich geändert, weil davon langfristig niemand was hat.

Christian Scholz, Arbeitsforscher

Generation Z zieht wieder Grenzen

"So gesehen ist die Generation Z jetzt nicht faul, sie ist durchaus gesundheitsbewusster. Und da ist die Logik, wenn ich krank bin, dann bleibe ich eben auch im Bett und werde wieder gesund", sagt Arbeitsforscher Christian Scholz. Zur "Generation Z" zählt Scholz die nach 1990 Geborenen. Groß geworden in einer Welt totaler Flexibilität, in der sich Arbeit und Privatleben immer weiter vermischen. Um sich vor Überlastung zu schützen, ziehe diese Generation wieder Grenzen.

Und das sei auch dringend nötig, findet Daniel Herold. Der Jugendsekretär der Gewerkschaft Verdi sagt, die Arbeitsbelastung habe schließlich überall zugenommen. "Wir haben einmal das Problem - gerade im öffentlichen Dienst - einer massiven Arbeitsverdichtung bei den jüngeren Beschäftigten. Das liegt daran, dass wir die letzten Jahre einen massiven Stellenabbau hatten mit vielen Altersabgängen. Was natürlich dazu führt, dass jetzt weniger Leute mehr Arbeit bewältigen müssen."

Krankheitsdauer bei jungen Beschäftigten niedriger

Bevor kräftemäßig nichts mehr gehe, blieben die Jungen lieber zu Hause. Aber tun sie das nicht auf Kosten älterer Kollegen? Das mag vielleicht sein, findet Arbeitsforscher Christian Scholz. Deswegen müssten die Alten von der Generation Z lernen. "Das bedeutet ja nicht, dass die nicht leistungsfähig ist."

Die Generation Z ist vielleicht sogar leistungsfähiger, weil sie am Montag ausgeruht zum Job kommt und nicht das Wochenende durchgearbeitet hat.

Christian Scholz, Arbeitsforscher

Zwar lassen sich junge Beschäftigte häufiger krankschreiben als alte. Die Krankheitsdauer ist aber deutlich niedriger, die Behandlungskosten sind es ebenso. Krankenkassen hoffen, dass das so bleibt bei einer Generation, die sich mehr schont. Eine Gewähr gibt es dafür nicht. Denn bei den jungen Berufstätigen tauchen ganz neue Probleme auf. Fünf Prozent gelten als fettleibig, drei Prozent haben Bluthochdruck.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 02.05.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2017, 08:04 Uhr

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14 Kommentare

03.05.2017 20:02 NRW-Wessi 14

@ karsuppke 13

Ich für mein Teil bin froh, wenn die Kollegen, ob jung oder alt, die Ar ... backen nicht zusammenkneifen und mit dem Ar ... zu Hause bleiben, wenn sie krank sind.
Zum einen können sie dann nicht die Kollegen anstecken und kurieren sich selber richtig aus. Ein grippaler Infekt, der in den meisten Fällen harmlos verläuft, kann schwerwiegende Folgen haben und beispielsweise eine Herzmuskelentzündung auslösen, wenn er verschleppt wird.

Anders sieht die Sache aus, wenn das Wochenende zu hart war. Wer feiern kann, kann auch arbeiten.

03.05.2017 11:18 karsuppke 13

Ja Smartphone spielen u. welcome rufen ist eben leichter als am Arbeitsplatz mal die Ar......backen für 8 Stunden zusammenkneifen. Das ist wohl nicht so hip, um es mal in deren Sprache auszudrücken ?

03.05.2017 04:01 Hans 12

Na logisch, wenn man jung ist , treibt man eventuell noch Sport.
Macht noch jedes Fest und jede Feier mit. Ausserdem Beziehungsstress und Liebeskummer. Ja da wird jeder mal krank.

02.05.2017 22:08 part 11

Auf Arbeit stecken sich sich die meisten Leute gegenseitig an, bei der Reinigung der sanitären Einrichtungen wird immer mehr gespart und die Überstunden bis unendlich ausgeweitet. Gesundheitsbewuste junge Menschen wissen sich oftmal diesem Kreislauf für eine gewisse Auszeit zu entziehen.

02.05.2017 19:44 NRW-Wessi 10

@ sanne 7

Ihnen kann ich nur zu 100% zustimmen. Immer wieder sehe ich ältere Kollegen, die sich sich krank zur Arbeit schleppen, weil sie glauben, es würde ohne sie nicht gehen. Das machen jüngere Kollegen Gott sei Dank häufig anders - sie kurieren sich aus.
Es gibt aber noch einen Aspekt, der vor wenigen Tagen in einem anderen MDR-Artikel thematisiert wurde, nämlich das Impfen.
Jüngere Kollegen sind oft komplett durchgeimpft und leiden häufig unter Neurodermitis, Asthma, Allergien etc. Mir selber sind viele Leute bekannt, die sich aus diesen Gründen krank schreiben lassen müssen, während ich (Bj. späte 1960er) vor Jahren meine letzte Erkältung hatte und gegen nichts allergisch bin, außer gegen die Leichtgläubigkeit mancher Menschen, die das Impfrisiko verdrängen und so manchem Halbgott in weiß alles glauben.

02.05.2017 17:57 Anton 9

So einfach ist das nicht... Ich habe gerade Erkältung. Aber ich bin allein, es gibt kein anderer dafür. Entweder leite ich die Chorprobe krank, oder sage ich sie ab. Wenn ich Chorprobe absage, werden die Leute demotiviert. Auch zählt jede Probe, Konzert soll um jeden Preis stattfinden. Als berufliche Musiker bin ich gezwungen, zu arbeiten, solange ich noch stehen kann. Heute habe ich schon Gottesdienst krank gespielt. Ich möchte mich gerne krankschreiben. Aber wer macht das alles? Es gibt kein Ersatz.

02.05.2017 16:16 Fragender Rentner 8

Bei dem Stress den die jungen Leute in der Ausbildung und im Beruf heute haben, muß man doch krank werden?

Die durften wohl ihr Handy nicht bei der Arbeit benutzen?

02.05.2017 15:26 sanne 7

Ich finde es gut, dass die jungen Leute nicht auf Teufel komm raus arbeiten. Wenn man krank ist soll man zuhause im Bett bleiben. Wie das Krankfühlen bei jedem einzelnen ausfällt ist eben der Natur des Menschen gegeben. Wichtig finde ich, dass man fürsorge für Sich und die Kollegen trägt. Es nützt keinem etwas, wenn man krank zu Arbeit kommt, Fehler macht oder ander noch ansteckt. In manchen Arbeitsbereichen kann man vielleicht mit einer Erkältung arbeiten, aber da wo man mit Publikum, Patienten oder der Öffendlichkeit zu tun hat muss man abwägen ob es nicht besser wäre ein paar Tage daheim zu bleiben. Sicher gibt es überall schwarze Schafe die Frei auf Krankenschein machen, aber bei der heutigen Marktlage und dem emensen Druck der Chefs traut sich das Keiner mehr so recht. Noch dazu die Angst aufzufliegen...Ich glaube jeder sollte auf seinen körper hören und wenn er nach Ruhe verlangt sollte man sie ihm gewähren. Allzu schnell macht man Fehler oder rutsch irgendwann ins Bourn out...

02.05.2017 13:38 wwdd 6

Außerdem bedeutet eine Woche krank machen im Jahr für den Arbeitnehmer knapp ein Prozent Lohnerhöhung. Das heißt die Kaufkraft steigt. Dazu kann man in dieser Zeit haushaltsnahe Dienstleistungen (z.B. Malerarbeiten, Haus- und Wohnungsreparaturen) erledigen, für die man mittlerweile keine Handwerker mehr bekommt. Auch das steigert letzt endlich das Bruttosozialprodukt. Und das Beste ist, die Kosten müssen die Arbeitgeber teilweise auf die Preise umlegen, d.h. die wirtschaftlich schwächeren EU-Länder werden wieder etwas wettbewerbsfähiger. Es hängt eben alles mit allem zusammen und da es Deutschland gut geht (O-Ton A. Merkel), können, nein müssen, wir uns das auch leisten.

02.05.2017 12:45 Gut so - aber noch viel zu wenig 5

"Generation Z zieht wieder Grenzen"

Gut so, aber das muss natürlich noch mehr kommen. Organisiert euch gewerkschaftlich, entmachtet die 5. Kolonne der SPD in den Gewerkschaften usw..
Wer sich durch die Folgen der Agenda2010 zerreiben lässt, möge sich nachher, wenn die persönlichen Folgen irreversibel eingetreten sind, nicht beklagen. Die Profiteure und ihre Handlanger werden dann nur ein "selbst schuld" dazu ablassen und die Mühle wird sich weiter drehen. Da mit Abfindungen etc . im Regelfall des Beschäftigungsstatus' kein Staat mehr zu machen ist, möge sich ein jeder sorgfältig überlegen, inwieweit die Erzeugung von Mehrwert seinen ureigensten Interessen tatsächlich entgegenkommt. Und wer so einfältig sein sollte, diejenigen im September zu wählen, die das, dessen Folgen und weit mehr darüberhinaus zu veranworten haben, dem ist dann wirklich nicht mehr zu helfen.