Ältere Urlauber sitzen auf einer Bank an der Strandpromenade an der Ostsee.
Der Trend zur späten Trennung: Bei Paaren mit mehr als 25-Ehejahren steigt die Scheidungsrate. Bildrechte: dpa

Scheidung Ehe-Aus nach der Silberhochzeit

Die Ehe ist in Deutschland stabil wie lange nicht. Laut Statistischem Bundesamt ist die Scheidungsrate deutlich gesunken und liegt derzeit so tief wie zuletzt 1992. Eine Zahl hat sich jedoch verdoppelt: Ehepaare, die sich nach der Silberhochzeit scheiden lassen – also nach über 25 Ehe-Jahren. Woran liegt das?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Ältere Urlauber sitzen auf einer Bank an der Strandpromenade an der Ostsee.
Der Trend zur späten Trennung: Bei Paaren mit mehr als 25-Ehejahren steigt die Scheidungsrate. Bildrechte: dpa

Scheidungsanwalt Henry Lehmann aus Halle hat überwiegend mit zwei Typen zerrütteter Ehe zu tun. Entweder sind es junge Paare, die die sich nach ein bis zwei Jahren überstürzter Ehe scheiden lassen. Oder es sind Paare, die erst nach der Silberhochzeit in die Krise kommen. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, die Kredite abbezahlt und nur noch die Macken des Partners bleiben.

Weniger Rosenkrieg

Die Art der Eheprobleme habe sich gar nicht groß verändert, so Lehmann. "Der Unterschied ist die Bereitschaft, sich auch scheiden zu lassen. Früher war es eine finanzielle Katastrophe, gerade für die Frauen. Heutzutage hat sich die Gesellschaft so entwickelt, dass sich die Frauen emanzipiert haben. Sie verdienen manchmal mehr Geld als die Männer. Es ist machbar für die Paare, ohne dass jemand total abrutscht."

Was für den Scheidungsanwalt bedeutet, es herrscht seltener Rosenkrieg. Meistens einigen sich die Paare außergerichtlich. Wenn, dann wird um die Kinder gestritten.

Gesunder Streit hält die Beziehung am Leben

Überhaupt Streit: Das sei eigentlich ein gutes Zeichen, sagt der Leipziger Paartherapeut Gregor Spengler. Denn dann lebe die Beziehung noch.

In seiner Praxis erlebt er oft ältere Paare, bei denen einer den Konflikt ignoriert. "Der ist dann halt Sonntag im Garten, zupft das Unkraut wie in den Jahren zuvor und freut sich, wenn die Tomaten gut gelingen. Während der andere Partner die eingetretene Tristesse gerade nicht kompensiert und unruhig bleibt. Und das ist dann in der Regel der- oder diejenige, die offen ist für eine Außenbeziehung. Über die Gnade dieses vermeintlichen Betriebsunfalls wird es dann möglich, die Themen in der Partnerschaft zu sehen und zu besprechen."

Fremdgehen als Weckruf

Fremdgehen sozusagen als Weckruf für eine einschlafende Beziehung. So sieht es Gregor Spengler. Eine Enttäuschung, im Sinne von: Ende einer Täuschung. Das könne langjährige Beziehungen durchaus wiederbeleben. "Jede erwachsene Partnerschaft muss an die Stelle kommen, wo ich merke, dass ich doch für mich selber verantwortlich bin und dass der andere anders zu sein hat. Der darf gar nicht so sein, wie ich mir das wünsche und je reifer die Partner sind, umso reifer können die auch mit dieser Enttäuschung umgehen."

Reifere Partner könnten ein Grund dafür sein, dass Ehen heutzutage wieder länger halten als früher – nämlich im Schnitt 15 statt elf Jahre. Es wird einfach später geheiratet. Eine Entwicklung die Scheidungsanwalt Henry Lehmann jetzt bei seinen vier Kindern beobachtet. Er selbst hat mit Anfang 20 noch zu DDR-Zeiten geheiratet. Inzwischen ist er geschieden und glücklich damit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Juli 2018 | 06:26 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2018, 08:53 Uhr

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3 Kommentare

13.07.2018 20:02 Bitte mal nachdenken 3

@1 und @2. Wenn Kinder zu versorgen sind, sehe ich das so wie sie beide. Was aber, wenn eine Ehe kinderlos bleibt, einer sich immer Kinder gewünscht hat, es keine Übereinkunft auf Adoption gab und nach 25 Jahren der andere Ehepartner aufhört, mit dem anderen Partner romantisch zu sein, eigene Wege geht, außerdem prüde im Bett ist und keine gemeinsamen Interessen mehr hat, noch sucht?
Was, wenn man immer die Kommunikation gesucht und sich bemüht hat, Lösungen vorzuschlagen, der andere Partner es aber ignoriert, ausblendet oder keine konkrete Meinung hat und sich nicht mit einbringt?
Ich kenne so etwas aus dem eigenen Bekanntenkreis und ich sage euch, dass ist nicht einfach und mitunter seelisch schwer zu ertragen.
Das sind leise innere Schreie nach außen die keiner wahrnimmt, geschweige denn hört...

13.07.2018 14:25 Pfingstrose 2

Eine Partnerschaft besteht daraus, dass wir für den anderen da sein müssen. Das muss uns jeden Tag interessieren: Wie es dem anderen geht und was wir für ihn tun können. Man muss eine Ehe hegen und pflegen wie eine Pflanze.

13.07.2018 13:20 Chris 1

also ich weiß es nicht heutzutage rennen diese viel zu schnell auseinander, wir waren 51 Jahre verheiratet , mit 19 und 24 haben wir geheiratet , es war nicht alles Gold was glänzt in unserer Ehe, 4 Kinder großgezogen und vielmals unterschiedliche Meinungen beim streit wegen den Kindern gehabt aber deswegen nun auseinander rennen kam nie in frage , er war auf mich angewiesen ich auf ihm,