Artenschutz Das große Schmetterlingssterben

In vielen Regionen Deutschlands schwinden Schmetterlinge und viele andere Insekten. Zwar gibt es dazu keine bundesweiten Statistiken. Doch bei Untersuchungen an bestimmten Orten stellen Forscher seit Jahrzehnten fest, dass die Zahl der Schmetterlinge sinkt und die Artenvielfalt abnimmt. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fliegen immer weniger Schmetterlinge.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Es summt und brummt immer weniger auf den Wiesen und Feldern. Experten schlagen Alarm, da die für das Ökosystem so wichtigen Schmetterlinge verschwinden. Auch in Mitteldeutschland, erklärt Dr. Gunnar Brehm vom Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena: "Rund um Leipzig, Magdeburg oder Halle, wo Bördelandschaften sind, wo wir weite Ackerflächen haben, da ist wenig zu holen für biologische Vielfalt. Da bleiben eigentlich nur die Wiesenböschungen und Ackerränder. Und durch den intensiven Einsatz von Düngern und Chemikalien, spielt das fast keine Rolle mehr.“ In diesen großen Agrarlandschaften seien die Schmetterlinge weitgehend verschwunden. 

Stadtnah mehr Tiere als auf dem Land

Die Raupen der Schmetterlinge finden vor allem auf dem Land kaum Nahrung. An den Rändern größerer Städte seien inzwischen mehr Schmetterlinge und mehr Arten zu finden, als in ländlichen Regionen, beobachtet Dr. Ingo Brunk, Forstzoologe an der TU Dresden. Auf dem Land seien "hochsignifikante Abnahmen der Artenzahlen und auch der Individuenzahlen" festzustellen.

Persönlich hat Ingo Brunk noch andere Zeiten vor Augen: "Ich kann mich erinnern, in den 1980er-Jahren, da war ich ein Kind, da bin ich mit dem Auto mitgefahren zum Camping und unsere Windschutzscheibe war nach hundert Kilometern voll mit Insektenspuren. Das haben wir heute gar nicht mehr."

Viele Arten sterben aus

Das Problem der Forscher: Es gibt zu wenig Datenmaterial, das den Rückgang der Falter genau beziffern könnte. Nur für einzelne Regionen werden hin und wieder Studien erstellt. Und die sind dann meist besorgniserregend.

Einer aktuellen Studie aus Nordrhein-Westfalen zufolge ist der Schwund bei den Großschmetterlingen besonders stark, also bei den Schmetterlingen, für die sich vor allem Sammler interessieren. In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Zahl der Schmetterlinge halbiert. Jede fünfte Art ist ausgestorben. Aber auch Schwebfliegen und Wildbienen werden laut Studie immer seltener. Bei der Ursache sind sich alle Experten einig: Zu viel Dünger und Chemikalien auf den Feldern, das häufige Mähen von Wiesen – all das töte und verdränge Insekten.

Hinzu komme aber auch die Verschmutzung der Luft unter anderem durch Autos. Dr. Gunnar Brehm beschreibt das Problem so: "Die Stickoxide, die aus den Dieseln rauskommen, die landen am Ende durch die Niederschläge überall in der Landschaft und düngen die Landschaft. Und das macht richtig viel aus, also da kommen ja Tonnen zusammen und es regnet in alle Naturschutzgebiete, in jeden Wald, in jeden Fluss, in jeden Bach kommt diese ganze Suppe vom Himmel."

Wichtige Funktionen im Ökosystem

Pflanzen, von denen sich Raupen ernähren, werden unter dem Einfluss von Stickoxiden geschädigt, Böden und Gewässer versauern. Viele Schmetterlinge stehen daher inzwischen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Am stärksten vom Schwund betroffen sind Bläulinge, Große Ochsenaugen oder Totenkopfschwärmer. Der Kleine Feuerfalter oder der Schachbrettfalter seien bereits ganz verschwunden.

Das hat Folgen für das gesamte Ökosystem, denn Schmetterlinge haben wichtige Funktionen. Sie bestäuben Pflanzen und sind eine bedeutende Nahrungsquelle für Vögel. 

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 27.08.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2017, 13:08 Uhr

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3 Kommentare

28.08.2017 22:25 NRW-Wessi 3

@ 1 Sehe ich auch so.

Ich sehe aber auch immer mehr Hf-Strahlung durch Mobilfunk verschiedenster Frequenzen, damit fast alle überall ihre Smartphonesucht ausleben können. Diese Frequenzen zwischen 1,8 und 2,6 GHz wirken mit entsprechender Feldstärke und Leistungsflussdichte negativ auf Menschen, auch wenn dies gerne verdrängt wird. Mit Sicherheit wird auch die empfindliche Sonsorik von Insekten, Vögeln und eben auch Schmetterlingen massiv gestört.
Weiterhin werden die existierenden Flugzeugabgase verdrängt. Ich wohne so, dass ich vom DUS, aber auch vom CGN einiges mitbekomme. Schaue ich in Flightradar24 nach, so stelle ich fest, dass der Flugverkehr fast überall auf der Welt so extrem wie hier ist. Wo bleiben denn all diese ganzen Abgase und was ist in ihnen enthalten?
Beides sind ebenfalls heiße Eisen, aber
Hauptsache, man hat den Dieselfahrer, auf den man eindreschen kann ...

28.08.2017 11:20 4711 2

An @1 dazu kommt noch das sprühen Metall den umgelassenen Mitteln, die die EU ständig genehmigt!

28.08.2017 06:46 Erik 1

Einen wichtigen Aspekt hat der Autor ausgelassen: dort, wo bis 2009 durch Flächenstilllegung die Begrenzung der landwirtschaftliche Überproduktion zur Bildung großer Brachen führte, wo sich Wildtiere (auch Rebhühner sind bspw. selten geworden) ausbreiten konnten, findet mann heute riesige Monokulturen aus Mais und Raps.

Diese angebliche ökologische Methode zur Energieerzeugung hat in den letzten Jahren mehr Arten auf dem Gewissen, als die stark zurückgegangene Luftverschmutzung. Schade, daß dieses heiße Eisen derzeit von keinem Umweltminister angefaßt wird.