Regionalzug fährt am 18. März in den Leipziger Hauptbahnhof ein
Regionalzug am Leipziger Hauptbahnhof Bildrechte: dpa

Kritik nach Schneechaos bei der Bahn Bahnexperte: Politik will billige Schönwetterbahn

Die Allianz pro Schiene hat nach dem Winterchaos bei der Bahn im Raum Leipzig-Halle die Bundesregierung kritisiert: Vorstandsmitglied Hecht sagte MDR AKTUELL, die Politik wolle nur eine Schönwetterbahn, die wenig koste. Die S-Bahnen in Mitteldeutschland hatten auch zum Wochenauftakt weiter Probleme, der Fernverkehr rollt wieder weitgehend nach Plan.

Regionalzug fährt am 18. März in den Leipziger Hauptbahnhof ein
Regionalzug am Leipziger Hauptbahnhof Bildrechte: dpa

Nach dem Bahnchaos im Großraum Leipzig/Halle hat die "Allianz pro Schiene" der Bundesregierung eine Mitverantwortung vorgeworfen. Vorstandsmitglied Markus Hecht sagte MDR AKTUELL, das Verkehrsministerium sei in dieser Situation sehr, sehr still. Die Bahn bleibe sich selbst überlassen.

Hecht warf der deutschen Politik vor, sie wolle nur eine "Schönwetterbahn", die wenig koste. Die Aussage von Ex-Konzernchef Mehdorn, man fahre nicht mehr bei Schnee, sei ziemlich unwidersprochen geblieben. In anderen Ländern gebe es andere Vorgaben.

Die Deutsche Bahn ist eine bundeseigenes Aktiengesellschaft mit etwa 300.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist untergliedert in Personennah- und fernverkehr (DB Regio und DB Fern) sowie in Güterverkehr (DB Cargo). 2016 wurden 4,4 Milliarden Reisende befördert, der Gesamtumsatz lag bei etwa 40,5 Milliarden Euro.

Bahnexperte Markus Hecht Professor Markus Hecht ist Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge am Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin. Er ist als Gutachter und Berater tätig und im Beirat verschiedener Fachzeitschriften.

Seit rund einem Jahr ist er auch Vorstandsmitglied der "Allianz pro Schiene", die sich für einen höheren Marktanteil des Schienenverkehrs einsetzt. Auch im Verkehrsausschuss des Bundestags hat er schon als Experte gesprochen.
Mit seinen Forschungsprojekten will er eine "Rundumerneuerung des Schienenverkehrs in Europa" vorantreiben, unter anderem will er die Züge leiser machen.

Die Eisenbahn kennt Hecht auch aus der Praxis. Mehr als zehn Jahre arbeitete er bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik SLM in Winterthur. Mit Eisenbahnverkehr und Winterwetter kennt er sich also aus, denn bei den Eidgenossen rollen die Züge auch im Winter pünktlich.

S-Bahnen weiter mit Problemen

Schnee und Eis sorgten auch heute für Einschränkungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt und Thüringen. Laut Bahn kam es durch Weichenstörungen weiterhin zu Ausfällen und Verspätungen im Raum Leipzig/Halle. Von Ausfällen betroffen waren bis zum Nachmittag zwei S-Bahnlinien. Auf der Strecke der Regionalbahn 78 Merseburg - Mücheln - Querfurt fahren zwischen Mücheln und Querfurt noch Busse.

Auch in Thüringen sorgt der Wintereinbruch weiter für Einschränkungen im Zugverkehr. Durch starken Wind fielen Bäume auf Gleise.

Fernzüge fahren nach Plan

Der Fernverkehr rollt nach Angaben der Bahn aber zu Wochenbeginn wieder wie gewohnt. Dennoch empfiehlt das Unternehmen den Reisenden, sich vorab über ihre Verbindung zu informieren. Durch die Einschränkungen im Nahverkehr könne es auch im Fernverkehr zur Verspätungen kommen.

Starker Schneefall hatte am Samstag den Zugverkehr am Leipziger Hauptbahnhof komplett lahmgelegt. Die Sperrung des Bahnhofs betraf sowohl den Fern- als auch den Nahverkehr. Der Fernverkehr wurde umgeleitet, die S-Bahnen führten so nah wie möglich an Leipzig heran. Auch am Sonntag gab es erhebliche Problem.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. März 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2018, 18:48 Uhr

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40 Kommentare

21.03.2018 09:35 Grosser Klaus 40


@Bernd
Wie ich aus ihrem Text entnehme beziehen sie keine Position zum Thema. Oder was ist ihrer Meinung nach die Ursache der Störungen bei der Bahn?
Hierbei ist es egal, ob die Bahnunternehmen z. B. Deutsche Bahn, Abellio oder Mitteldeutsche Regiobahn heißen?
Im Übrigen sind die RhB und die MGB Schweizer Schmalspurbahnen, wobei bei beiden der Staat Anteile hat, bei der RhB zu über 95 %!

20.03.2018 23:32 Andreas 39

Ich wollte ja Demonstrieren gehen aber ich hab einfach keine Lust dazu. Im Internet kann man auch schön Eskalieren. Dazu ist doch das Internet da dann braucht man nicht unbedingt Raus. Vielleicht liest es auch jemand und gibt uns ein Smiley. Kämpfen wir weiter an unseren Tastaturen und ab und zu kann man dann auch was mit Erotik schauen. Das beruhigt dann wieder.

20.03.2018 20:35 Bernd 38

@37, in der Schweiz gibt es auch Privatunternehmen die das mit dem Schnee hinbekommen so die RhB oder die MGB. Nur dort hat man eben gelernt mit dem Schnee umzugehen. und nicht alles wegzusparen was nicht taeglich auftritt. Die Bundesbahn hat mal den Werbspruch "alle reden vom Wetter, wir nicht'. Hier sollten die Verantwortlichen der Bahn mal darueber reden was man so falsch gemacht hat. Und das man Weichen beheizen kann ist schon lange bekannt - eigentlich.

20.03.2018 12:48 Grosser Klaus 37

@Hans Bommel
Hier werden vom Bahnexperten Markus Hecht nur die Symptome genannt, nicht die Ursache des Dilemmas: Dies ist die Bahnprivatisierung und Bahnregionalisierung.

In der Schweiz hingegen sind Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und das Schienennetz in stattlicher Hand, so kann der Bahnbetrieb optimiert werden.
Auf teuere Hochgeschwindigkeitsstrecken wird zugunsten einer optimalen Gesamtreisezeit verzichtet. Es gibt einen Taktfahrplan usw..

Von den Auswirkungen der Bahnprivatisierung und Bahnregionalisierung kann man als Kunde der Mitteldeutschen Regiobahn ein Lied singen.

20.03.2018 12:23 Grosser Klaus 36

@Hans Bommel
Hier werden vom Bahnexperten Markus Hecht nur die Symptome genannt, nicht die Ursache des Dilemmas: Dies ist die Bahnprivatisierung und Bahnregionalisierung.

In der Schweiz hingegen sind Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und das Schienennetz in stattlicher Hand, so kann der Bahnbetrieb optimiert werden.
Auf teuere Hochgeschwindigkeitsstrecken wird zugunsten einer optimalen Gesamtreisezeit verzichtet. Es gibt einen Taktfahrplan usw..

Von den Auswirkungen der Bahnprivatisierung und Bahnregionalisierung kann man als Kunde der Mitteldeutschen Regiobahn ein Lied singen.

19.03.2018 22:42 Hans Bommel 35

Da kann ich Professor Markus Hecht nur Recht geben.
Die Züge fahren auch im Winter pünktlich. Ich bin dort Lokführer und spreche aus Erfahrung. Selbst der Öffentliche Personenennahverkehr, also Busse und Strassenbahnen, funktionieren tadelos und es gibt kaum Ausfälle im Winter. Ansonsten werden die Fahrgäste informiert, wie es weitergeht. Der Kunde ist dort König. Im wahrsten Sinne des Wortes.

19.03.2018 18:54 Siegfried 34

@ 3 2 das stimmt der deutsche geht lieber mit Züpfelmütze und Nachthemd mit Kerze ins Bett statt
auf die Str. zu gehen die Luft ist raus s. 1989,leider und das wissen die feinen Politiker deswegen können die doch auch mit uns machen was sie wollen, lügen , betrügen u s w .

19.03.2018 17:54 Freies Wort vs Etablierte Phraseologie 33

Es lief gerade eine Reportage auf Phoenix, wie die Politik die Krankenhäuser in Konkurrenz schickt, Gelder kürzt , so dass sie gezwungen sind , von fachfremden Managern getrieben, zu fragwürdigen, patientenfeindlichen Mitteln zu greifen um zu sparen.
Genau so sieht es in vielen anderen Bereichen unseres Lebens aus , da macht die Bahn auch keine Ausnahme.
Aber , Ihr wisst ja alle für was und wo unsere Politiker Geld übrig haben , von dem vorher keiner wusste, dass es überhaupt existiert.
Und - grünlinker Dummsprech : " es wird ja niemanden etwas weg genommen " !!!!!

19.03.2018 17:23 Holger 32

Uns Deutschen fehlt einfach die Mentalität zu 100000 auf die Straße zu gehen und für Veränderungen zu kämpfen. Da bewundere ich schon über Jahre speziell Spanier, Italiener und Franzosen. Da diese deutsche Abneigung zu Demonstrationen in Berlin bestens bekannt ist muss man sich dort vor unbeliebten Gesetzesänderungen nicht fürchten. Wenn man urplötzlich die Mwst auf 25% erhöhen würde, gäbe es nur einen kurzen Aufschrei und 3 Tage später ist der Alltag wieder da!!! Voriges Jahr hatte mal Frau Wagenknecht in einer Talkrunde mehr Widerstand der Bürger gefordert nach dem südeuropäischen Prinzip. Ihr wurde sofort das Wort entzogen. Sie würde so zu Unruhen aufrufen.
Ich glaube solche eine Reaktion sagt viel aus!!!

19.03.2018 17:08 Holger 31

Sind wir Deutschen nicht selbst Schuld an solchen Misständen wie Zusammenbruch des Bahnverkehrs bei ganz normalen Wintern?
Wir müssen uns doch eigentlich an den Kopf fassen und endlich mal aufwachen!!!
Warum wird nicht endlich mal vor dem Bundeskanzleramt in Berlin lautstark demonstriert?
Wer bei vielen anderen Misständen, welche wesentlich schlimmer sind nur ein bissel kritisiert und dann die Schultern abweisend zuckt, muss sich nicht wundern das Alles so weitergeht wie bisher.
Beispiel Abgasbetrug der Autoindustrie - speziell VW - da werden 2017 trotz Strafgelder Milliardengewinne gemacht, ohne das davon die betroffenen Dieselfahrer eine müden € sehen. Der VW- Vorstand wird dagegen mit sagenhaften Prämien ausgezeichnet. Der Bürger schimpft paar Tage und geht zur Normalität über. Unsere Politiker schweigen dazu, denn Ihnen sind die hochbezahlten Posten in Regierung und Bundestag wichtiger!
Bahn und Dieselaffäre sind nur 2 Beispiele für die Schieflage in unserem System!!!

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