Fahrzeuge stehen auf der verschneiten Autobahn A72 bei Stollberg im Stau.
So sah es am Mittwoch auf der A72 noch aus - hier bei Stollberg. Bildrechte: dpa

Winterwetter Noch sind nicht alle Straßen wieder frei

Während die Verkehrslage in den bayerischen Schneegebieten angespannt bleibt, geht es auf den Autobahnen in Mitteldeutschland wieder besser voran - auch wenn es in der Region an vielen Stellen wieder geschneit hat.

Fahrzeuge stehen auf der verschneiten Autobahn A72 bei Stollberg im Stau.
So sah es am Mittwoch auf der A72 noch aus - hier bei Stollberg. Bildrechte: dpa

Anhaltender Schneefall hat in Mitteldeutschland am Donnerstag erneut für Verkehrsbehinderungen und Polizeieinsätze gesorgt. Am Abend entspannte sich zumindest die Verkehrslage auf den Straßen - auf den Autobahnen A9 und A72.

Auf der A9 in Thüringen wurde eine Vollsperrung aufgehoben, auch auf der A72 im Vogtland rollt der Verkehr wieder. Zuvor hatte es wegen Glätte und querstehender Lastwagen kilometerlange Staus gegeben. Autofahrer hatten dort die Nacht im Stau verbringen müssen, sie wurden teils mit warmen Getränken und Essen von Rettungskräften versorgt.

Sächsisches Mittelgebirge besonders betroffen

Auf Land- und Bundesstraßen in Sachsen kommt es aber an vielen Stellen weiterhin zu Behinderungen und kompletten Sperrungen - wegen Schneebruchs oder querstehenden Lkws. Laut eines Mitarbeiters des Lagezentrums sind die Landkreise Erzgebirge, Vogtland und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge besonders betroffen.

Auf der Bundesstraße 174 zwischen Chemnitz und Marienberg hatten am Mittwoch zahlreiche Lastwagen die Fahrbahn blockiert, weil sie nicht mehr weiterkamen. Laut Polizei mussten alle Fahrer über Nacht in ihren Lastern ausharren.

Straßen immer wieder kurzfristig gesperrt

Ein für Straßen zuständiger Sprecher des Landratsamtes Erzgebirgskreis erklärte MDR AKTUELL, wegen der enormen Schneelast auf den Bäumen müssten Straßen immer wieder kurzfristig gesperrt werden. Autofahrer sollten deshalb auch immer wieder auf Bäume am Straßenrand achten. Vielerorts warnen Forstbehörden davor, Wälder zu betreten.

Das sächsische Landesamt für Schule und Bildung hat den Schulleitern im Erzgebirgskreis empfohlen, die Schulen am Freitag nicht zu öffnen. Eine Notbetreuung soll durch die Schule sichergestellt werden.

Einschränkungen im Zugverkehr

Zu Behinderungen kommt es weiterhin auch im Regionalverkehr bei der Bahn. In Thüringen ist derzeit die Strecke zwischen Gera und Hof im Bereich Weida-Mehltheuer gesperrt, weil Bäume auf der Strecke liegen.

In Sachsen stellte die Erzgebirgsbahn den Zugverkehr komplett ein. Betroffen sind u.a. die Verbindungen zwischen Zwickau und Georgenstadt. Auch auf der Hauptstrecke der Vogtlandbahn zwischen Zwickau und Chemnitz ist der Verkehr eingestellt, ebenso auf den Strecken Dresden-Chemnitz und Geithain-Chemnitz.

Lediglich auf einigen Strecken nach Görlitz und Zittau läuft der Zugverkehr langsam wieder an. Am Brocken wurde der eingeschneite Zug der Harzer Schmalspurbahnen aus den Schneemassen befreit. Die Lok wurde am Donnerstagabend zurück ins Tal gezogen.

Katastrophenfall ausgerufen

In den bayerischen Schneegebieten spitzt sich die Lage hingegen zu. In den vier Landkreisen - Traunstein, Miesbach, Bad Tölz und Teile des Berchtesgadener Lands - gilt inzwischen der Katastrophenfall. Die schweren Schneemassen seien eine Gefahr für die Menschen, hieß es zur Begründung. Im Berchtesgardener Ortsteil Buchenhöhe sitzen rund 350 Menschen fest, die einzige Zufahrtsstraße ist gesperrt. Nur gepanzerte Militärfahrzeuge der Bundeswehr können die Strecke befahren.

In Aying bei München wurde am Donnerstag ein neunjähriger Junge von einem Baum erschlagen, der unter der schweren Schneelast zusammenbrach.

Was ist ein Katastrophenfall? Von einer "Katastrophe" sprechen Behörden in Bayern erst, wenn die Bedrohung von vielen Menschen und Sachwerten so gravierend ist, dass die betroffene Kommune überfordert ist. Zusätzliche, überregional koordinierte Einsatzkräfte helfen dann aus. Die Bundeswehr soll beispielsweise abgeschnittene Ortschaften versorgen und helfen, Dächer von der Schneelast zu befreien.

Regionalverkehr in Teilen lahmgelegt

Auf den verschneiten Zugstrecken kommt die Bahn mit der Schneeräumung nicht hinterher. Sie stellte deswegen den Regionalverkehr in Teilen Süd- und Ostbayerns ein. In den Regionen Kempten, Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden fallen in den nächsten Tagen die Züge aus.

An der Grenze zu Österreich saßen Hunderte Menschen fest, weil Zufahrtsstraßen wegen der Schneemassen gesperrt waren. Auch zahlreiche Schulen bleiben in Bayern geschlossen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL extra | 10. Januar 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2019, 22:05 Uhr

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15 Kommentare

11.01.2019 06:57 Carolus Nappus 15

Diese LKW-Fahrer oder vielmehr ihre Arbeitgeber sollten ordentlich bestraft werden, wenn sie da irgendwo hängenbleiben und alles blockieren. Natürlich sollte da auch mal eine Ansage von den Behörden kommen, dass auf bestimmten Strecken ohne Winteraussrüstung gar nicht erst gefahren werden darf. Ganz grundsätzlich und nicht erst, wenn zig LKW querstehen. Das Gleiche natürlich auch für alle anderen Fahrer.

11.01.2019 05:21 optinator 14

Wird Frau Holle für den Wirtschaftlichen Schaden durch den Schnee jetzt haftbar gemacht?

10.01.2019 22:17 Markus 13

Da muss ich #12 Klaus Recht geben. Lieber MDR: Schon die Überschrift "Schneechaos" passt doch eher zur "B**D". Warum nicht einfach "Winter"?
Wir sollten uns gemeinsam freuen, dass es wieder mal Schnee gibt.
Und meinen Respekt an den Winterdienst.

10.01.2019 17:44 Klaus 12

Die inflationäre Verwendung des Begriffes "Chaos" stört mich in der MDR-Berichterstattung. Der "Zustand der vollständigen Unordnung oder Verwirrung" (Wikipedia) ist glücklicherweise bei Weitem nicht erreicht.

Solche Dramatisierung hat m.E. in einem seriösen News-Angebot - zumindest im Moment - nichts zu suchen.

10.01.2019 17:32 johanna 11

Bei aller Tragik auf den Autobahnen, Zugverkehr usw.
Ich bemerken grade eine wunderbare Entschleunigung bei uns im Vogtland.
Man überlegt sich, ob eine Autofahrt unbedingt sein muss oder ein Weg auch zu Fuß zurückgelegt werden kann.Man macht Essen aus dem, was Kühlschrank oder Keller so hergeben und verhungert nicht (!) Die Leute helfen sich gegenseitig.
Für uns Vogtland er und unsere erzgebirgischen Nachbarn kein Grund zur Panik.

10.01.2019 17:27 TutnixzurSache 10

Da können sich DUH, EU und die restlichen, die mit aller Macht Abgaswerte für Verbrennungsmotor durchgepeitscht haben, sich auf die Schulterbklopfen.
Dank der vorgegebenen Werte haben wir wieder Winter.
Meine Meinung.

Just my two Cents.

10.01.2019 16:31 Moritzmax 9

Das klang aber gestern im MDR-Extra ganz anders. Lustige Reporterin in Chemnitz.... Wir haben alles im Griff u.s.w...Die Nachrichten in CZ sind da etwas objektiver, wie die Lage an der sächs. Grenze ist. Das Wort fängt mit Ch an.

10.01.2019 16:07 Ernst 8

Warum stehen denn die LKW Quer auf den Straßen und Autobahnen? Man sollte doch ein mal von Seiten der Polizei richtig hart durchgreifen,denn wenn ich merke es geht nicht weiter sollte ich doch rechts ran fahren um den weiteren Verkehr nicht zu behindern.Aber scheinbar fehlt es einigen sogenannten Tracker an Gehirnmasse um so weit zu denken.Aber es Passiert ja nichts und wird schon gut gehen.Traurig aber Wahr!!

10.01.2019 15:54 Sabrina 7

Es ist noch nicht sehr lange her, da wurde den Leuten in den Gebirgen erklärt, dass Sie sich neue Geschäftsfeldern erschließen müssen, weil es aufgrund des Klimawandels in naher Zukunft kaum noch Schnee geben wird.
.
Ich wollte es nochmal in Erinnerung rufen.

10.01.2019 15:45 Fragender Rentner 6

Das ist wieder so ein Störfaktor.

Schnee im Winter? :-)