Eine Brille liegt über dem Schuldneratlas für Deutschland
Der jährliche Schuldneratlas zeigt, wie hoch die Verschuldungsquote in den Bundesländern, Städten und Kreisen ist. Bildrechte: dpa

Schuldenatlas 2018 Jeder Zehnte ist überschuldet

Trotz niedriger Arbeitslosigkeit ist die Überschuldungsquote der Menschen in Deutschland gestiegen. Knapp sieben Millionen Frauen und Männer lebten über ihre Verhältnisse. Zwei mitteldeutsche Bundesländer schnitten im Bundesvergleich recht gut ab, eines jedoch weniger gut.

Eine Brille liegt über dem Schuldneratlas für Deutschland
Der jährliche Schuldneratlas zeigt, wie hoch die Verschuldungsquote in den Bundesländern, Städten und Kreisen ist. Bildrechte: dpa

Trotz guter Konjunktur und niedriger Arbeitslosigkeit können immer mehr Menschen in Deutschland ihre Rechnungen nicht bezahlen. Die Zahl der überschuldeten Personen in Deutschland ist nach Daten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform binnen Jahresfrist um rund 19.000 auf mehr als 6,9 Millionen gestiegen. Das heißt: Bei gut jedem zehnten Erwachsen sind die Ausgaben dauerhaft höher als die Einnahmen. Bundesweit erhöhte sich die Verschuldungsquote zum fünften Mal in Folge.

Sachsen und Thüringen besser als Bundesdurchschnitt

In Sachsen lag die Überschuldungsquote demnach zum Stichtag 1. Oktober bei 9,92 Prozent nach 9,97 Prozent im Vorjahr. Insgesamt  rund 340.000 Menschen lebten über ihre Verhältnisse, gut 3.000 weniger als im Vorjahr. Damit wies der Freistaat erstmals seit 2011 einen Rückgang der Überschuldungsfälle auf und liegt im Bundesvergleich auf Rang vier.  

Noch besser sieht es in Thüringen aus. Mit seiner Quote von 9,3 Prozent schaffte es der Freistaat auf den Bronzerang hinter Primus Bayern (7,43 Prozent) und Baden-Württemberg (8,31 Prozent). Rund 170.000 Thüringer über 18 Jahre sind demnach aktuell überschuldet.

In Sachsen-Anhalt hingegen stehen überdurchschnittlich viele Menschen in der Kreide. Im bundesweiten Ranking belegt das Land den vorletzten Platz. 12,73 Prozent der Erwachsenen und damit ungefähr jeder Achte gab mehr aus als er einnahm.

Mehr Männer in der Kreide – Altersverschuldung wächst

Interressant ist auch ein Geschlechtervergleich. Rund 7,7 Prozent der Frauen über 18 Jahre gelten als überschuldet, bei den Männer sind es 12,6 Prozent.

Auch das Thema "Altersüberschuldung" gewinnt an Bedeutung. Creditreform stufte in diesem Jahr rund 263.000 Menschen in Deutschland ab 70 Jahren als überschuldet ein. Das entspricht einem Anstieg um fast 70.000 Fälle oder 35 Prozent.

Bremen ist Schlusslicht

Die höchste Überschuldungsquote bundesweit hatte den Angaben zufolge der Stadtstaat Bremen mit 13,94 Prozent. Im Vergleich von insgesamt 401 Kreisen und kreisfreien Städten ragte Bremerhaven mit einer Überschuldungsquote von 21,2 Prozent heraus. Zum Vergleich: Spitzenreiter dieser Liste ist das bayerische Eichstätt mit einer Quote von nur rund 3,6 Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. November 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 13:24 Uhr

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22 Kommentare

14.11.2018 14:19 Frank 22

@ 20: Ihr Vergleich hinkt. Wenn man etwas in das richtige Verhältnis setzen möchte, gehört die jeweilige Wirtschaftskraft mit in die Berechnung. Die ist elementar wichtig, um die Kreditwürdigkeit zu prüfen.

13.11.2018 21:54 Montana 21

Ohne Schulden ist man nicht salonfähig. Punkt

13.11.2018 20:15 Dr. Müller an #17 20

"Schon in den 70er Jahren waren BRD und DDR verschuldet" Um das mal etwas ins richtige Verhältnis zu setzen: Nach Angaben der Deutschen Bank war die Staatsverschuldung pro Kopf 1990 mit 15.000 DM zu 5.384 DM in der BRD 3 (in Worten: "drei") mal so hoch wie in der DDR.

13.11.2018 19:49 Paul Johannes 19

Eines muß man ganz klar sagen. -------------
Der Kapitalismus funktioniert NUR und ausschließlich durch Schulden!!!
Ohne Schulden würde er ad Adsurdum geführt und wäre nicht machbar.

13.11.2018 19:30 Die kurze Seite der Sonnenallee 18

Ich befürchte, hier spielt auch geistige Armut eine große Rolle. Daraus folgernd können dann viele mit dem zur Verfügung stehenden Geld nicht umgehen. Das hat mit Hungerlöhnen nichts zu tun, sondern mit Unfähigkeit. Wenn man jeden Tag beim Pizza-Bringdienst bestellt oder beim Döner-Imbiss, geht eine Menge Geld verloren. Um für Cent-Beträge Kartoffeln und Möhren einzukaufen und daraus etwas Schmackhaftes zu kochen, fehlt es dann meistens schon. Wie einige Kommentatoren darauf kommen, dass sich stattdessen das Staatssäckl füllt, erschließt sich mir nicht. Der gemeine Hartz-IV-Empfänger zahlt dort nichts ein und jemand mit Hungerlöhnen auch nur im Verhältnis zum Verdienst.

13.11.2018 19:18 Umeltins 17

@ 15 Lucas1a - "Ich sage es immer wieder - Hauptsache, daß Staatssäckl ist voll. ..."

Das Staatssäckl ist nicht voll. Der Staat ist hoch verschuldet. Jeden Tag werden es mehr Schulden.

Also genau das gleiche Problem wie die überschuldeten Einwohner. Das ganze bereits seit Jahrzehnten. Schon in den 70er Jahren waren BRD und DDR verschuldet. Man darf gar nicht ausrechnen, was in der langen Zeit bis heute schon an Zinsen gezahlt werden musste. Eine astronomische Summe.

13.11.2018 19:11 pitti 16

Lebt dieser Staat nicht gerade von den Schulden.?

13.11.2018 18:32 Lucas1a 15

Kommentar 10 (Rentner) sagt alles.
Ich sage es immer wieder - Hauptsache, daß Staatssäckl ist voll. ...

13.11.2018 18:19 Weiß man schon, woran es liegt, ... 14

... daß fast doppelt so viele Männer wie Frauen überschuldet sind? Würde mich sehr wundern, wenn nicht Unterhaltszahlungen der Grund sind.

13.11.2018 18:01 Frank 13

@ 9: Das Problem kommt mir bekannt vor. Hier muss man bei der besagten Firma einiges nachjustieren.
Einer befreundeten Familie passierte kurz beschrieben folgendes: Hausbaukredit beantragt. Kredit nicht bewilligt mangels angeblich unzureichender Bonität. Nach Beschwerde kam heraus. Creditreform hatte auf die Daten eines Schuldners mit gleichem Namen im gleichen Ort aber anderer Anschrift zugegriffen. So etwas darf einfach nicht passieren! Kredit am Ende bewilligt.