Der Zwenkauer See während der Flutung im Jahr 2011.
In die drei Seen bei Leipzig werden fast 7.000 Tonnen Kalk gekippt. Das Verfahren dauert ungefähr acht Wochen. Bildrechte: Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH

Maßnahme gegen Versauerung Leipziger Badeseen werden gekalkt

Vom Tagebau zur Freizeitlandschaft: Wo früher Kohle abgebaggert wurde, sind jetzt zum Teil schöne Badeseen. Aber was inzwischen aussieht wie gewachsene Natur, muss noch lange gepflegt werden. Der Störmthaler See, der Zwenkauer See und der Hainer See etwa sind zu sauer. Deswegen müssen sie gekalkt werden.

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Der Zwenkauer See während der Flutung im Jahr 2011.
In die drei Seen bei Leipzig werden fast 7.000 Tonnen Kalk gekippt. Das Verfahren dauert ungefähr acht Wochen. Bildrechte: Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH

Der Störmthaler See, der Zwenkauer See und der Hainer See sind schwach sauer. Schmecken würde man das noch nicht. Aber wenn man den Dingen ihren Lauf lassen würde, könnte sich das schnell ändern. Die drei Seen würden immer saurer werden.

Saure Seen schlecht für Pflanzen und Tiere

Schuld daran ist Pyrit, bekannt auch als Schwefelkies oder Katzengold. Das Mineral ist eine Verbindung von Schwefel und Eisen, die unter bestimmten Bedingungen zu Schwefelsäure reagiert. Pyrit gibt es oft in Braunkohleregionen, erklärt Maria Lange von der LMBV, die die alten Tagebaue saniert: "In jedem See liegen unterschiedliche geologische Bedingungen vor. In dem einen See kann mehr Pyrit in den See gespült werden und in dem anderen See kann die Geologie wieder ganz anders sein."

Kalk ist 2016 im Wasser des Partwitzer Sees hinter einem Wasseraufbereitungsschiff zu sehen.
Im Lausitzer Revier ist die Kalkung der Tagebauseen bereits erprobt: 2016 kalkte die LMBV mit dem Wasseraufbereitungsschiff "Klara" den Partwitzer See. Bildrechte: dpa

Neben den drei Seen südlich von Leipzig sind auch ehemalige Tagebaue in der Lausitz betroffen. Wenn Seen saurer werden, ist das schlecht für Tiere und Pflanzen. Ab einem bestimmten Wert können Fische zum Beispiel nicht mehr leben. Deswegen wird die Säure nach Angaben von Lange mit Kalk gebunden: "Das ist ein Kalksteinmehl. Das ist zu vergleichen mit Kreide, also Calzium-Carbonat." Viele streuen diesen Kalk auch in den Garten, damit der Rasen besser wächst.

Seen bekommen eine schöne Farbe

Fast 7.000 Tonnen werden jetzt in die drei Seen gekippt. Das dauert etwa acht Wochen und wird bei Bedarf wiederholt. Maria Lange von der LMBV sagt, dass dabei ein Spezialschiff zum Einsatz kommt: "Das wird verdünnt. In einer Lösung mit drei Prozent Festanteil wird das von dem Gewässerbehandlungsschiff unter die Wasseroberfläche in den See eingetragen." Das Schiff fahre dann über den ganzen See und verteile die Lösung unter Wasser, erklärt Lange weiter.

Gefährlich ist der Kalk nicht. Man kann in den Seen weiter baden, wenn es warm wird. Die Aktion hat aber einen schönen Nebeneffekt: Die Seen bekommen laut Lange zumindest zeitweise eine schöne Farbe: "Das Wasser kann dann türkisfarben erscheinen. Das hat man zuletzt auch am Partwitzer See in der Lausitz gesehen." Da habe es Vergleiche mit der Südsee gegeben.

Nicht alle Seen werden gekalkt

Die drei Seen wurden auch schon früher bei der Flutung der Tagebau mit Kalk behandelt. Was ohne Kalkung passiert, zeigt der Kahnsdorfer See. Er liegt direkt neben dem Hainer See und ist sauer wie Essig. Zum Baden und Spazierengehen kommt dieser See nicht in Frage, weil der Untergrund zu unsicher ist. Deshalb wird er auch sich selbst überlassen, sagt Maria Lange: "Den Kahnsdorfer See überlässt man seinem natürlichen Werdegang" - und irgendwann werde auch der PH-neutral werden.

So ein richtig saurer See ist aber auch Lebensraum für besondere Kleinlebewesen - winzige Krebse zum Beispiel. Deshalb verzichtet man auch bei anderen Gewässern auf die Kalkung. Dazu gehören der Heidesee und der Kleinleipischer See in der Lausitz.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Februar 2019 | 16:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 17:47 Uhr

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