Arbeiter montieren eine Solaranlage auf ein Wohnhaus.
Werden private Photovoltaikanlagen bei Stromüberschuss abgedockt? Bildrechte: colourbox.com

Energieverteilung Werden private Solaranlagen bei Stromüberschuss abgedockt?

Eine stabile Stromversorgung ist ein Balance-Akt: Es darf weder zu viel noch zu wenig Strom im Leitungsnetz sein. Regeln müssen das die Betreiber von Fernleitungs- und Verteilnetzen wie die Mitnetz. Bei hoher Überlastung können Stromerzeuger vom Netz genommen werden. Das kann auch Privatleute treffen, wenn sie über Photovoltaikanlagen Sonnenstrom erzeugen und ins Netz abgeben. Dazu gehört MDR-AKTUELL-Nutzerin Steffi Syska aus Sandersdorf. Sie fragt, wie die Regularien dabei aussehen.

von Uwe Lölke, MDR AKTUELL

Arbeiter montieren eine Solaranlage auf ein Wohnhaus.
Werden private Photovoltaikanlagen bei Stromüberschuss abgedockt? Bildrechte: colourbox.com

Ein stürmischer Tag am Rande von Leipzig. In der hiesigen Schaltzentrale der Mitteldeutschen Netzgesellschaft wird die Stromverteilung in vier Bundesländern überwacht und geregelt. Störungen in den 74.000 Leitungskilometern des Netzbetreibers Mitnetz gilt es schnell zu beheben. Und ebenso wichtig: Im Stromnetz müssen sich Einspeisung und Verbrauch immer die Waage halten.

Zwischen Engpass und Überschuss

Der Leiter der Netzführung, Dirk Hollmach, schaut kurz auf seinen Laptop: Rund 5.000 MW werden in dem Moment ins Netz eingespeist, vor allem Windstrom. Verbraucht wird aber gerade nur etwas mehr als die Hälfte: "Das führt dazu, dass wir derzeit 2.129 MW in Richtung 50Hertz ausspeisen." Dieser Übertragungsnetzbetreiber muss nun also eine Strommenge wegleiten, die immerhin zwei Dritteln der Leistung des Großkraftwerks Jänschwalde entspricht. Solche Gleichgewichtsübungen sind in der Mitnetz-Leitstelle Alltagsgeschäft. Häufig geht es dabei aber nur um Engpässe auf wenigen Leitungskilometern.

So wird Stromerzeugung gedrosselt

Kann ein Stromüberschuss dort nicht umgeleitet oder gespeichert werden, dann, so Hollmach, bleibe nur eins: "Sie müssen die Erzeugung drosseln." Eine Höchstzahl dafür ist nicht festgelegt, sehr wohl aber die Vorgehensweise, und zwar durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das Energiewirtschaftsgesetz und einen Branchenleitfaden, erklärt Hollmach. Zuerst würden konventionelle Erzeuger vom Netz genommen. Dann erst folgten Windparks, gestaffelt je nach Leistung und Nähe zum Engpass. Und nur wenn dies ausgereizt sei, folgten große Solarparks mit mindestens 100 kW Leistung und Kraft-Wärme-Anlagen: "Im vierten Schritt kommen Photovoltaik-Anlagen unter 100 kW dran und zwar erstmal alle Anlagen zwischen 100 und 30 kW und Anlagen unter 30 kW, die sich entschieden haben, am Netzsicherheitsmanagement teilzunehmen."

Eigenheime so gut wie nie betroffen

Typische Solaranlagen auf Einfamilienhäusern hätten zumeist unter 10 kW Maximalleistung und stünden am hintersten Ende der Abregelungs-Kaskade, sagt Netz-Manager Hollmach: "Im Jahr 2016 ist diese Priorität vier überhaupt nicht zum Einsatz gekommen, im Jahr 2017 zwei Mal." Das bestätigt mit Blick auf ganz Deutschland auch der Bundesverband Solarwirtschaft. Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig sagt: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es hier häufiger zur Abregelung von Kleinstanlagen kommen dürfte."

Verluste werden entschädigt

2016 hätten nur fünf Prozent der abgeregelten Ökostrom-Menge überhaupt Solarstrom betroffen und dabei zuvorderst Großanlagen. Nun zeigte aber die Photovoltaik-Anlage unserer Nutzerin im Sommer häufig eine Abregelung an. Körnigs leise Vermutung: "Möglicherweise handelt es sich gar nicht um eine Maßnahme der Abregelung, sondern um irgendeinen Fehler des Wechselrichters. Ich will das nicht ausschließen."

Finanzielle Verluste durch Abregelungen entstehen Ökostrom-Erzeugern übrigens kaum. Ausfälle werden fast komplett entschädigt. Die Kosten dafür werden dann letztlich Teil des Strompreises.

Dieses Thema im Programm: 26. Februar 2018 | 06:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2018, 07:11 Uhr

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4 Kommentare

26.02.2018 20:48 steffen4 4

@artikelverfasser

--Bei hoher Überlastung können Stromerzeuger vom Netz genommen werden--- ab zeile 4 im o.g. beitrag
physik-->überlastung=mangel ABER überschuß =zuviel.

26.02.2018 18:29 Hamburger 3

@2: Na, der MDR wollte sich halt treu bleiben. Schließlich wurde das Bild vor ein paar Wochen auch für einen Beitrag zum Betrug mit PV-Panels aus China verwendet (im Filmbeitrag waren dann zumindest echte PV-Module zu sehen). Das Stockfoto war halt noch da.
Faszinierend auch diese urtypischen deutschen Dachziegel auf dem Bild :-D

26.02.2018 10:08 Konrad vom Berg 2

@ MDR
Weshalb wird auf dem Bild ein Röhrenkollektor zur Warmwasserbereitung gezeigt und keine PV-Anlage?

26.02.2018 09:36 Klare Worte 1

Hier hat unsere Regierung die Ökostromerzeugung total vergeigt,indem sie Punkt 1: Unsere Solarfirmen pleite gehen ließ,weil die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmten. Punkt2: An der Strombörse wird die kWh mit ca. 6 Cent gehandelt. die Verbraucher zahlen ca.30 Cent. Mit solchen Preisen macht man den Ökostrom tot.Natürlich sollte es Anreize geben in Ökostromanlagen zu investieren,aber nicht so das die Akzeptanz darunter leidet. Bei diesen Erzeugerpreisen müßten die Endpreise deutlich kleiner sein,so das alle was davon haben,das nächste Problem ist der Stromtransport,die blöden Ost- und Norddeutschen zahlen die Transportkosten für die reichen Bayern!