Luftaufnahme der Saale bei Halle
Bildrechte: IMAGO

Abwasserreinigung Sorgen Kleinkläranlagen für bessere Wasserqualität?

Vor allem in Ostdeutschland schrumpfen die Einwohnerzahlen im ländlichen Raum. Deshalb verzichteten die Kommunen dort auf die Verlegung von Abwasserkanälen. Denn ein Anschluss an eine zentrale Kläranlage wäre schlichtweg zu teuer gewesen. Stattdessen wurden die Anwohner verpflichtet, ihre Mehrkammergruben technisch selbst nachzurüsten. Auch MDR-AKTUELL Hörer Ralf Tschackert investierte mehrere tausend Euro in eine neue Kleinkläranlage und fragt sich nun, welchen Nutzen seine Investition hatte.

von Florian Barth, MDR AKTUELL

Luftaufnahme der Saale bei Halle
Bildrechte: IMAGO

Durch das sächsische Waldenburg fließt die Zwickauer Mulde. Auf kleinen Nebenarmen plätschert hier das Abwasser des Orts in den Fluss, bis vor wenigen Jahren auch das ungeklärte Abwasser aus den Mehrkammergruben.

"Heute kann man hier entspannt bei Sonnenschein spazieren ohne Geruchsbelastung", sagt Jens Gagelmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Im Dorf würden die Bäche meistens wenig Wasser führen und die vielen kleinen Einträge dann doch mehr ausmachen. Die Wasserqualität sinke merkbar durch die Rückstände aus den vielen Dreikammerausfallgruben. Das Wasser sei nun aber eindeutig viel sauberer geworden.

Geruchsbelastung und Wasserqualität in den kleinen Bächen sind sehr viel besser.

Jens Gagelmann, Bund für Umwelt und Naturschutz

Der Grund für die verbesserte Wasserqualität: Durch eine EU-Wasserrichtlinie wurden die Anwohner verpflichtet, bis Ende 2015 ihre Mehrkammergruben nachzurüsten.

Nährstoffe im Wasser verringerten Sauerstoffgehalt

Die neuen, vollbiologischen Kleinkläranlagen reinigen das häusliche Abwasser direkt vor Ort. Das geklärte Wasser versickert im Boden und gerät so in das Grundwasser, in Bäche und Flüsse. In der Vergangenheit führte ungenügend gereinigtes Abwasser dazu, dass es in vielen Gewässern eine geringere Artenvielfalt gab. Grund dafür war ein zu großer Anteil von Nährstoffen.

Welche Auswirkung diese Stoffe auf die Wasserqualität haben, dazu forscht Björn Helm am Institut für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Universität Dresden. "Aus Kläranlagen kommen vor allem organische Stoffe und Nährstoffe. Diese organischen Stoffe bewirken, dass Bakterien diese im Wasser abbauen und das dann zu einer Verminderung des Sauerstoffs führt", erklärt er.

Der Sauerstoff fehlt dann anderen Tieren. Sozusagen um selber zu überleben.

Björn Helm, Institut für Siedlungswasserwirtschaft Dresden

Um die Wasserqualität zu verbessern, müssen Kleinkläranlagen ungefähr 90 Prozent dieser organischen Stoffe abbauen. Die alten Mehrkammergruben, die nun nach und nach verschwinden, erreichten hingegen nur etwa 30 bis 50 Prozent.

Ausbau von Kleinkläranlagen fortgeschritten

Björn Helm kann durch das Nachrüsten der veralteten Mehrkammergruben eine positive Entwicklung erkennen: "Seit Mitte der Nullerjahre bis heute sehen wir nach wie vor einen leichten Rückgang in der biologischen Sauerstoffzehrung. Man kann also damit zeigen, dass der Ausbau der Kleinkläranlagen auch zur Verbesserung der Wasserqualität beigetragen hat."

Der Ort Waldenburg.
Ländliche Gebiete in Ostdeutschland sind oft nicht an zentrale Kläranlagen angeschlossen. Bildrechte: MDR/Florian Barth

Björn Helm schätzt, dass durch die Modernisierung aller sächsischen Anlagen etwa 10.000 Tonnen weniger sauerstoffzehrende Stoffe pro Jahr in die Gewässer gelangen würden.

In der Gemeinde Wildenfels, dem Wohnort unseres Hörers habe sich die Wasserqualität durch die Nachrüstungen schon heute deutlich verbessert, sagt Jörg Buchhold vom Landratsamt Zwickau. Dort hätten insgesamt 650 Kleinkläranlagen an den Stand der Technik angepasst werden müssen. Mittlerweile seien alle umgerüstet - bis auf zwölf Kleinkläranlagen. Die Gewässergüte habe im Hinblick auf Stickstoff - so wie sie gemessen wurde - eine Verbesserung um 20 Prozent ergeben, erklärt Buchhold.

Kläranlagen aus der Landwirtschaft problematischer

Sachsen ist bundesweit Spitzenreiter in der Nachrüstung von Kleinkläranlagen. Schon heute haben 400.000 Menschen im ländlichen Raum ihre Anlage modernisiert. Doch für Jörg Buchhold reicht das allein nicht aus, um langfristig eine gute Wasserqualität zu garantieren. Seiner Meinung nach gibt es auch eine entsprechende Belastung von größeren Kläranlagen aus der Landwirtschaft. Kleinkläranlagen seien nur ein Rädchen im gesamten Ökosystem.

Auch Naturschutzverbände fordern, dass die Ausbringung von Nitrat in der Landwirtschaft zurückgehen muss. Das wäre ein wichtiger Schritt um eine noch bessere Wasserqualität zu erreichen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Februar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

21.02.2019 21:41 M. Eggert - Umwelttechnicker 4

Kommentar Teil 1 - Viel größere Probleme

Als Umwelttechnik bin ich täglich unterwegs um Wartungen und Beprobungen von Kleinkläranlagen durchzuführen.
Die Kleinkläranlagen auf den privaten Grundstücken der Betreiber können sehr gute Ablaufwerte erzeugen. Meine Erfahrung im Hinblick auf schlechte Ablaufwerte gründet sich Hauptsächlich auf zwei Tatsachen. Zum einen werden die Betreiber wenn überhaupt nur oberflächlich über die Empfindlichkeit dieser Anlage aufgeklärt. Zum anderen ist es Tatsache, dass eine Vielzahl des Wartungspersonals nicht hinreichend geschult sind und die Arbeitsweise der Vielzahl von unterschiedlichen Kleinkläranlagen nicht kennen!

Die Folgen für Umwelt und Kunden sind fatal. Ist auch nur eine Einstellung fehlerhaft, kann die Anlage nicht das tun, was eigentlich ihre Aufgabe ist. Nämlich das täglich anfallende Schmutzwasser zur reinigen.

20.02.2019 18:29 Ch. Werner 3

Teil 2
Zu den Anlagen kann ich noch sagen, das es Bessere und Schlechtere gibt. Mir ist auch ein Fall bekannt, wo nach wenigen Jahren die gesamte Anlage getauscht wurde, da eine Elektronik-Platine kaputt war, die ca. 2/3 des Preises einer neuen Anlage hatte.
Auch liegen mir die Worte eines Klärwärters noch im Ohr sinngemäß: "So eine Anlage ist wie ein Haustier, da muß man schon täglich mal unter den Decke schauen." Das betraf vor allem wechselnde Belastungen, die von Anlagen teilw. schlecht verarbeitet werden. So hat man wieder eine Kostenstelle (für Wartung und Instandhaltung) und die Wasserwerke neue Arbeitsstellen.
Wie festgestellt, 80% der Belastungen sind noch vorhanden.

20.02.2019 18:20 Ch. Werner 2

Zuerst einmal - es ist gut, das sich die Gewässergüte gebessert hat.
Jedoch sind mir als Besitzer einer derartigen Anlage verschiedene Sachen aufgestoßen. Der Umbau für den Einzelnen belief sich auf Kosten von ca. 2000 ...10000€ (wir selbst mit viel Eigenleistung ca. 3000€).
Dazu ein Zitat im Satz oben :
"Seit Mitte der Nullerjahre bis heute sehen wir nach wie vor einen leichten Rückgang in der biologischen Sauerstoffzehrung. "
Genauer wird dann weiter unten auf Zahlen eingegangen:
" Die Gewässergüte habe im Hinblick auf Stickstoff - so wie sie gemessen wurde - eine Verbesserung um 20 Prozent ergeben, erklärt Buchhold."
Das ist ein ernomer Kostenaufwand, für einen relativ kleinen Rückgang. Woher kommen denn die restlichen 80% bzw. wie will man diese in den Griff bekommen?
Weiter im Teil 2 da 1000 Zeichen.

20.02.2019 10:44 Fragender Rentner 1

Glaube auch, dass es die "Größten Verschmutzer" sind !!! :-(((

Was ist eingentlich mit der Gülle die so flächendeckend aufgetragen wird, früher war da noch Stroh mit dabei, welches es heute kaum noch in den Ställen gibt !!!

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