Blick auf die Fassade eine Neubaublocks.
Mieten in Halle-Neustadt sind besonders günstig. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Studie Stadtviertel sortieren sich mehr nach Arm und Reich

Vor allem in Ostdeutschland spalten sich die Städte immer strenger in arme und reiche Viertel auf. Neben Erfurt oder Weimar ist davon vor allem Halle betroffen, heißt es in einer neuen Studie. Halle belegt außerdem Platz drei der Städte, in deren Problemvierteln auch die Kinderarmut besonders hoch ist.

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Blick auf die Fassade eine Neubaublocks.
Mieten in Halle-Neustadt sind besonders günstig. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Die Plattenbausiedlung Halle-Neustadt wird in Skandalreportagen gerne mal als "ärmstes Viertel Deutschlands" bezeichnet. Die Mieten sind günstig, aber einige setzen so gut wie nie einen Fuß dorthin.

Jeder dritte Sozialleistungsempfänger muss umziehen

Wissenschaftler Stefan Knauß trinkt gerade einen Kaffee im angesagten Paulusviertel. "Wir wohnen in einer Blase. Hier sind viele Leute von der Universität, die gebildet sind und politisch nicht in die Extreme neigen." Knauß lebt selbst schon länger hier, laut eigener Aussage bis vor kurzem sogar mit einem Verdienst "unter der Armutsgrenze".

Schwieriger wird es aber, wenn man Kinder hat und im Szeneviertel wohnen bleiben will. Laut der Studie müssten rund ein Drittel aller Sozialleistungsempfänger umziehen, um das Verhältnis von Arm und Reich wieder auszugleichen.

Arm und Reich, Jung und Alt

Die günstigsten Wohngegenden sind vor allem in Ostdeutschland die Plattenbauviertel am Stadtrand. Auch die Schwiegermutter von Ulrike lebt in so einem Gebiet. Zwar habe die auch mal im Paulusviertel gewohnt, erzählt Ulrike, aber "weil die Miete so hoch war, musste sie sich eine günstigere Wohnung suchen. Und das war eben Halle-Neustadt. Sie ist jetzt natürlich nicht so zufrieden, weil ihr ganzes Umfeld weggebrochen ist."

Die sogenannte "soziale Segregation" spaltet nicht nur Arm und Reich, sondern auch Jung und Alt. Die Autoren der Studie befürchten, dass das der Gesellschaft schaden könnte, weil so das Verständnis füreinander verschwinden würde. Das beschäftigt auch Bodo Meerheim aus der Linksfraktion im Halleschen Stadtrat:

Das ist ein Problem. Wir wollen diese Segregations-Prozesse unterbrechen und dem entgegenarbeiten. Dazu gehört natürlich, dass man die Infrastruktur in den Stadtteilen aufwertet.

Bodo Meerhin Linken-Stadtrat in Halle

Stadt hat keinen Einfluss auf privaten Wohnungsmarkt

Meerheim spricht von Kitas, Schulen, Kneipen und Kultur. Vor allem müssten aber die Mietpreise einheitlicher werden. In den privaten Wohnungsmarkt eingreifen könne die Politik aber nicht. Er pocht daher auf Kooperationen mit den Genossenschaften. Die sollten genügend günstige Wohnungen bereitstellen, "insbesondere auch in der Innenstadt." Weil die "Hallesche Wohnungsgesellschaft" ein kommunales Unternehmen ist, "haben wir als Stadt auch entsprechenden Einfluss, das durchsetzen zu können", erzählt Meerheim.

Stadtgrundstücke möchte er auch nur noch unter der Bedingung verkaufen, dass dort zumindest anteilig Sozialwohnungen gebaut werden. Gänzlich lösen lasse sich die Spaltung aber auch damit nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Mai 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2018, 12:47 Uhr

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33 Kommentare

28.05.2018 12:45 REICH im Paulusviertel 33

Im Paulusviertel wohnen in der Regel keine "Reichen" sondern normale Menschen mit in Teilen - aus lokaler Sicht - etwas überdurchschnittlichem Einkommen (>30.000€ brutto). Dass sich der Eine oder Andere für was Besseres hält, wie der aus meiner Sicht belächenswerte Mr. Knauß, kommt schonmal vor. Das ist wie mit dem Spatz der auf dem Gartenzaun sitzt und von der großen weiten Welt referiert.

27.05.2018 21:16 Rhönsegler 32

Nur mal ne Frage am Rande der Thermik: @ Sabine Sonntag: Wer ist Frau M. und wo wohnt diese Frau in Wandlitz? Im Telefonbuch steht die nicht. War heute in der Waldsiedlung (Wandlitz) dort ist eine Frau M. unbekannt. Ansonnsten: sinnfreie Behauptung.

27.05.2018 16:02 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 31

@ 29:
Zitat "Nun hat der Westen das Problem, dass es im Osten auch keine Fachkräfte mehr gibt."

Das ist gar kein Problem für 'den Westen'!
Es gibt genügend 'Fachkräfte', die aus dem Ausland in 'den Westen' kommen.

27.05.2018 15:56 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 30

Den Weg aus dem 'Platten-Ghetto' habe ich dargelegt:
ordentlich arbeiten gehen und ordentlich Geld verdienen oder das 'Ghetto' 'entghettoisieren'.

Aber stattdessen kann man natürlich auch jammern.

27.05.2018 15:16 D. 29

26.05.2018 20:17 Geismar4
Neubauviertel, denn schließlich sind es und waren es schon immer "Neubauwohnungen", was nicht mit "jetzt erst neu gebaut" zu tun hat."
Wären Sie etwas älter, würden Sie dies wissen.
Plattenbauten, im tristen grau gefasst, können Sie sich im Westen ansehen.
27.05.2018 14:26 Diddy
Richtig! Seit 29 Jahren werden Fachkräfte aus den Osten für 100% Westgehalt in den Westen gelockt, ein Grund für die vom Westen angestrebte schnelle sog. Wiedervereinigung. Nun hat der Westen das Problem, dass es im Osten auch keine Fachkräfte mehr gibt. Weiterhin haben Quelle, Neckermann und co. hatten vor 1989 bis zu 70% ihrer Waren aus dem Osten importiert und zwar für wenig Geld.

27.05.2018 14:51 Karl L. 28

Zitat aus dem Text:<Die Plattenbausiedlung Halle-Neustadt wird in Skandalreportagen gerne mal als "ärmstes Viertel Deutschlands" bezeichnet. Die Mieten sind günstig, aber einige setzen so gut wie nie einen Fuß dorthin. >
Wer HaNeu nicht kennt, denkt, dort sieht es genauso aus wie in den heruntergekommenen Wohnvierteln der westl. Großstädte. Das ist aber absolut nicht richtig ! Hier ist es eher so wie Eulenspiegel (17) schreibt. Wald, Badesee und viele Radwege.

27.05.2018 14:42 Diddy 27

@ Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 23:
Zitat Anfang:"Wenn Du Dir sicher bist, dass die von Dir zitierte Stelle von mir als 100% wörtlich zu nehmen gedacht war, haben wir ein 'Kommunikationsproblem'. Zitat Ende.
Das erste wahre Wort von Dir, also sollte man das was Du schreibst nicht ernst nehmen.
Also schreibst Du nur zur Belustigung der Kommentargemeinde.
GUUUTER SPRUCH! ;-))) und gute Selbsteinschätzung.
War das ein Eigentor? Vielen Dank.
Ich werde bei Deinen nächsten Kommentar daran denken. :-)))

27.05.2018 14:26 Diddy 26

@ Siegfried 24:
Ja, erst war die DDR als Billigproduzent für den Westen sehr gefragt (gute Ware und schlechte Bezahlung dieser). Jetzt sind wir Billiglohnland (schlechte Bezahlung) und fünftes Rad am Wagen.
Jetzt, wo viele merken was gespielt wird, ist die Freude nicht mehr so groß und viele würden gern wieder in die "Platte ziehen. Wer die Zeit der Wende sich mal richtig auf der Zunge zergehen lässt muss feststellen, das im der damaligen DDR nicht alles gut war und die jetzige Zeit auch nur Lug und Betrug ist, denn die Wende hat der Osten bezahlt, nicht der Westen, der hat nur vorfinanziert, weil der wusste, auf die Dauer ist der Osten eine gute Anlage gewesen, denn jetzt verdient sich der Westen dumm und dämlich. Er hat die Betriebe für ein Butterbrot und ein Ei bekommen (Treuhand), Subventionen kassiert. Jetzt werden die Betriebe wieder geschlossen und die neuen Maschinen ins Stammwerk oder weiter nach Osten transportiert. Ja, so funktioniert der Kapitalismus eben.

27.05.2018 14:19 W. Merseburger 25

29 Jahre nach dem Untergang der DDR haben wir nichts anderes zu tun, jedenfalls hier beim MDR, als fas jeden Tag irgend ein "DDR-Problem" aufzupolieren und entsprechend der heutigen Ideologie zu bewerten. Als ein gewisser Friedrich März, Ältere erinnern sich noch, im Fernsehen sagen durfte: "Die Platte muss weg" war die Ideologie klar. Schlecht machen, in die Schmuddeleckte stellen (Arbeiter-Kaninchenställe) und so schnell als möglich abreißen, damit mit öffentlicher Förderung im Osten Neues gebaut werden musste. Es gibt aber in vielen Orten in den neuen Bundesländern und auch in Halle/Saale gute Beispiele, wo diese sogenannten Plattenbauten mit etwas Geld zu lebenswerten Wohnungen entwickelt wurden. Und wer gleich nach der Wende in die BRD gefahren ist und nachgedacht hat, musste bemerken, dass an den vielen stark befahrenen Straßen in Städten und Dörfern Häuser mit Wohnungen ohne Ende sich befanden. Wie war in diesen Bereichen die Wohnqualität?

27.05.2018 13:12 Siegfried 24

@ 2 2 vollkomment richtig dein Kommentar es gibt eben immer noch in Deutschl. total verblendete Menschen die sollte man nicht für voll nehmen , nach der Wende mußte alles aber gleich alles schlecht gemacht werden genau wie unsere zum Teil gute Betriebe die wir hatten wir sind eben die 5 Kolonie vom Westen.