Gesundheitskarten
Wie sicher ist die elektronische Patientenakte? Bildrechte: IMAGO

Umgang mit Gesundheitsdaten Ist die elektronische Patientenakte schon marktreif?

Seit Jahren wird um die elektronische Gesundheitskarte gefeilscht. Zwei Milliarden Euro sind bislang in die Entwicklung geflossen. Auch wenn alle Beteiligten sagen, die elektronische Gesundheitskarte kommt: Die Hand dafür legt niemand ins Feuer. Vor allem, weil einige Krankenkassen vorpreschen und ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte an die Hand geben wollen.

von Marcel Roth, MDR AKTUELL

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Wie sicher ist die elektronische Patientenakte? Bildrechte: IMAGO

Mit mehr als 10 Millionen Versicherten hat er die meisten. Für Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, klingt alles ganz einfach, wenn es um seine Versicherten und ihre elektronische Patientenakte geht: "Der Versicherte der TK kann automatisch alle Daten, die die Krankenkasse über ihn hat, automatisch in seiner Akte sehen. Alle Medikamenten, Diagnosen, Arztbesuche. Was das gekostet hat."

Medizinische Daten an einer Stelle sammeln

Zusätzlich, sagt Baas, könnten die Versicherten Daten vom Arzt bekommen. Etwa ihren Entlassbrief, wenn sie das Krankenhaus verlassen. Auch gekaufte Medikamente würden über den eingescannten Barcode in der Akte auftauchen. "Also sie haben einmal die Möglichkeit, alle ihre medizinischen Daten an einer Stelle zu sammeln und zu verwalten."

Weil es ihr mit der elektronischen Gesundheitskarte zu lange dauert, prescht die TK vor, sagt Baas. Und auch die AOK arbeitet an einem ähnlichen System. Baas will die Technologie auch anderen Kassen zur Verfügung stellen und er sagt: In 5 Jahren wird es keine Patientenakte der Techniker Krankenkasse, sondern aller Krankenkassen geben.

Manche Krankenkassen zögerlich

Andere Kassen warten lieber ab. Christoph Straub, Chef der Barmer, kritisiert zum Beispiel, dass die Akte der TK für Ärzte, Krankenhäuser und Apotheker derzeit nicht durchsuchbar sei. Nur dann und wenn sie alle Kassen einsetzen können, würde die Barmer mitmachen, so Straub.

Das sieht auch Burghard John von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt so:

Der Nachteil bei der TK Variante ist, dass nicht alle Daten erfasst werden und ich mich als Arzt nicht darauf verlassen kann, dass alle Daten drin sind. Und was ich an dieser Akte ungünstig finde ist, dass die Daten, wenn ich die Krankenkasse wechsele, gelöscht werden. Also muss ich mir als Patient wieder eine neue Akte aufbauen.

Burghard John, Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

Außerdem, so Ärztevertreter John, müssten die Ärzte festlegen, welche Daten in der elektronischen Patientenakte abgespeichert würden.

Sorge vor Datenmissbrauch

Elektronische Patientenakte oder e-Gesundheitskarte. Wie immer man es nennen möchte - es geht darum, Informationen zu Befunden, Diagnosen und Medikamenten eines Patienten zügig von einem Arzt zum anderen zu transportieren. Dass solche Daten in falsche Hände geraten könnten, das macht Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne Sorgen. Ansonsten begrüßt sie das Konzept:

Ich war immer der Auffassung, dass der mündige Patient die Möglichkeit haben sollte, seinen eigenen Stick zu haben und zu sagen, ich gebe [die Daten] dort hin und hierhin.

Petra Grimm-Benne, Sozialministerin Sachsen-Anhalt

Die Ministerin betont aber auch, dass der Staat Sorge dafür tragen müsse, dass nur Daten gesammelt würden, die medizinischen Zwecken dienten und den Patienten helfen.

Mehrheit wünscht sich elektronische Gesundheitskarte

Der Hauptgeschäftsführer des Digitalverbandes Bitkom, Dr. Bernhard Rohleder, versteht die Sorgen um die Datensicherheit. Er warnt allerdings davor neue Technologien aus Eigennutz zu verhindern und erinnert an den jahrelangen Kampf der Ärzte gegen die elektronische Gesundheitskarte. Schließlich hätte eine Bitkom-Umfrage ergeben, dass sich 93 Prozent der Patienten eine Gesundheitskarte mit ihrer eigenen Gesundheitsgeschichte wünschten.

Auch wenn Krankenkassen jetzt vorpreschen - sie testen dabei Grenzen aus. Denn: Nach der Gesetzeslage ist nicht einmal sicher, ob Krankenkassen ihren Versicherten solche Daten überhaupt zeigen dürfen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juli 2018 | 06:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2018, 06:51 Uhr

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5 Kommentare

04.07.2018 14:43 Carla 5

und da hat man sich oder auch noch immer über die Stasi aufgeregt , jetzt ist es um
1 0 0 % schlimmer in diesem feinen Deutschland geworden ,wir sind alle zusammen Gläsernemenschen, fein !!!!

04.07.2018 10:56 Feststellung 4

Es gab einmal einen Sozialversicherungsausweis ,da konnte man selbst nachvollziehen bei welchem Arzt war und die Behandlungsnr.standen auch drin.Heute hat man selbst keine Übersicht wann man bei welchen Arzt war , sofern man sich nicht seine alten Kalender aufhebt oder die CD sammelt vom Röntgen usw.

04.07.2018 09:47 Michael Möller 3

mal ehrlich gesagt verstehe ich auch das ganze verzögern hier bei der Einführung nicht , für mich zeigt sich nur eins hier werden Beitragsgelder veruntreut bzw. verschleudert. die Gesundheitskarte hätte es schon lange geben müssen. wo alle wichtigen Taten die für die Ärzte relevant ist da sein müsste. ( wie Blutgruppe , Verträglichkeit von Medikamente und so wieder ), denn wie hofft kann es passieren das man wenn man es braucht etwas vergessen hat erst recht wenn man die Nehmen der Medikamente nicht genau aussprechen kann . was mir ehrlich gesagt schon vorgekommen . für mich sind zur Zeit die Einwände nur ausreden der verantwortlichen Personen. ansonsten sollen diese die Kosten ersetzten was uns Beitragszahlern die sogenannte Einführung gekostet hat. das ist meine Meinung

04.07.2018 09:05 bentin 2

Leider wird man ja gezwungen, die von der Kasse per Post zugeschickte Karte zu verwenden. Als Patient hat man keinerlei Einfluss auf die Datenkrake. Irgendwann bekommen wir sicher einen Chip implantiert. Dann soll nochmal jemand Zweifel an gewissen Verschwörungstheorien haben!
Und auch die Pflichtbeiträge steigen, denn es muss ja alles finanziert werden.

04.07.2018 07:38 David Teichfloh 1

Die Überschrift ist völlig daneben. Es geht nicht darum, die Pat.Daten zu vermarkten (auch wenn das einige gern möchten), sondern um "einsatzbereite Datenbanken" (siehe auch: Digitalisierung).
Angeblich leben wir ja in einer sozialen Marktwirtschaft ... auch wenn unsere Kanzlerin das als "marktkonforme Demokratie" bezeichnet hat.