ILLUSTRATION - Eine junge Frau steht in einem Wohnzimmer in Hamburg und packt Umzugskartons (gestellte Szene).
Die Wohnungssuche für Studenten in einigen Städte gestaltet sich als schwierig. Wer schon beim Auspacken ist wie auf dem Symbolbild, kann sich glücklich schätzen. Bildrechte: dpa

Studieren in Leipzig Wohnungen nur noch für gut Betuchte?

In Leipzig entstehen zurzeit viele neue Wohnanlagen für Studierende – zum Teil mit beachtlichen Mieten. Ein Einzelzimmer, warm und möbliert: 510 Euro. An mehreren Standorten wird noch gebaut, einige Apartmenthäuser sind sogar schon fertig. Das kommt bei vielen nicht gut an.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

ILLUSTRATION - Eine junge Frau steht in einem Wohnzimmer in Hamburg und packt Umzugskartons (gestellte Szene).
Die Wohnungssuche für Studenten in einigen Städte gestaltet sich als schwierig. Wer schon beim Auspacken ist wie auf dem Symbolbild, kann sich glücklich schätzen. Bildrechte: dpa

Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße. Gegenüber der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) befand sich vor einem Jahr noch eine Hundewiese. Jetzt steht hier ein modernes Apartmenthaus für Studierende. Sally Winkler, die Objektmanagerin, führt durch die Räume. Im Keller gibt es einen Gemeinschaftsraum mit Küche, Großbildfernseher mit Netflix-Zugang, W-Lan und Kickertisch, im Hintergrund läuft Elektromusik.

Luxusapartments sprießen überall

Ein Standardzimmer mit Miniküche und Bad ist hier 35 Quadratmeter groß und kostet warm etwa 550 Euro. Das gefällt nicht allen im Stadtviertel. Unbekannte bewarfen die Fenster mit Steinen. An der Außenfassade prangt ein Graffiti: "Yuppies raus aus dem Kiez". Wohnen hier nur Studierende aus reichen Familien? "Man denkt immer, dass es so ist, weil wir über dem Mietspiegel liegen. Es ist aber wirklich nicht so. Ich würde nicht sagen, wir haben ein bestimmtes Klischee hier wohnen."

Auch in anderen Vierteln in Leipzig entstehen zurzeit solche Wohnungen, die über dem Mietspiegel liegen. So sollen in der Prager Straße zu Beginn des Wintersemesters knapp 400 Apartments bezugsfertig sein. Die bis zu 35 Quadratmeter großen Einzelzimmer kosten bis zu 635 Euro. Zur Anlage gehören ein Parkhaus, ein Kino und ein Fitnessstudio. In der alten Hauptpost lässt ein weiterer privater Investor Apartments bauen, die er für 550 Euro an Studierende vermieten will.

Mit Bafög unbezahlbar

Lasse Emcken ist Sprecher der Juso-Gruppe an der Uni Leipzig. Er beobachtet die Entwicklung kritisch und befürchtet in bestimmten Vierteln eine zunehmende Gentrifizierung. "Wenn man noch die Luxussanierungen nimmt, die in verschiedenen Stadtteilen immer wieder durchgeführt werden, würde ich es generell als Trend bezeichnen."

Normale Studierende – mit einem am Bafög-Satz ausgerichteten Einkommen – können sich so eine Wohnung nicht leisten.

Lasse Emcken, Juso-Hochschulgruppe Leipzig

Lasse Emcken fordert daher den Bau von preiswerten Wohnungen für Studierende und zugleich eine Erhöhung der Wohnpauschale im Bafögsatz. Die liegt zurzeit bei 250 Euro. "Was kalkuliert wird, deckt sich nicht mit der Realität." Zum Vergleich: Für eine normale 30-Quadratmeter-Wohnung zahlt ein Studierender in Leipzig einer Studie zufolge netto rund 327 Euro. Anders als in den neuen, schicken Apartments kommen da aber noch Nebenkosten und zum Beispiel Ausgaben für Möbel hinzu.

Eine normale Wohnung ist in Leipzig also schätzungsweise rund 100 bis 150 Euro preiswerter als eine Wohnung im Apartmenthaus gegenüber der HTWK. Dennoch fällt es dem Eigentümer, dem Unternehmen "Staytoo", offenbar nicht schwer, Mieter zu finden. Von den 111 Zimmern ist schon mehr als die Hälfte vermietet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. April 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018, 05:47 Uhr

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9 Kommentare

30.04.2018 22:16 Walter 9

Ich gehe einfach von Jena aus, wo gleiche Mieten existieren.

Man kann aber auch in Kahla, stadtroda oder Hermsdorf für den selben Preis und 3 Zimmer mit 70 m2 wohnen. Regionalzuganbindung im Semesterbeitrag kostenlos. Wo ist das Problem?

Man hat halt nicht das Studentenleben. Man kann aber auch nur das haben, was sich die Eltern leisten können.

Ich zitiere zum wiederholten Male Philosoph Brössel: Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Man lebt auf kosten der Eltern oder des Staates!

30.04.2018 19:29 Atze 8

@Reik 4:
Gebe Ihnen Recht.
Während meines Studiums habe ich im 4- Bettzimmer kampiert. War trotzdem klasse, mit guten Leuten zusammen. Im ersten Jahr war es stressig mit 8 Mann !!!! Trotzdem hat mir das unglaublich viel Sozialkompetenz vermittelt. Ich hätte nicht allein leben wollen. Es ist alles so hochgestylt.....richtig langweilig. MfG

30.04.2018 18:13 DD 7

@1 schon wieder so eine typische AfD/Neorechts -Reaktion. Was soll denn das? Immer schön versuchen die Menschen gegeneinander auszuspielen. Das Einzige was mich bei ihnen noch wundert ist, dass nicht die Studenten an letzter Stelle ihrer "Hackordnung stehen". Ich glaube/ wünsche mir, dass genau dieses "Ausspielen", über dessen ethische Unstatthaftigkeit hinaus ein sanktioniertes Verhalten sein sollte!

30.04.2018 16:18 optinator 6

Ich frage mich bei diesen Zahlen :
was geschieht wenn es NULL-Wachstum gibt bzw. eine Rezension kommt und der Bürger kein Geld mehr für Miete hat.
Müssen dann Alle auf der Straße leben ?
Da trinke ich jetzt ein Bier und will alles vergessen.
Angst ist es was den Bürger in die Depression treibt.
Der Kapitalismus in all seinen "Formen und Farben" hat uns nach 29 Jahren voll im Griff.

Eine ältere Dame schrieb einmal nach der Wende :
Wie hat man uns doch in der DDR über den Kapitalismus belogen und betrogen, in Wirklichkeit ist er viel schlimmer.

30.04.2018 15:55 Fragender Rentner 5

Andere Wohnungsbauten lohnen sich für die Unternehmen nicht und deren Aktionäre. :-(((

Hatte da nicht mal ein Minister ein Gesetz gemacht und geändert, der solche Wohnungen nicht wollte? :-(((

30.04.2018 11:18 Reik 4

Ich finde, dass man als normaler Student keine 30 m2 Wohnung braucht. Ich habe vor 20 Jahren im Studentenwohnheim gewohnt. Da gab es auch Internet und die 220 Euro Wohnpauschale des Bafög reicht da auch aus! Wenn Eltern ihre Kinder in solche Luxusappartmemts stecken, lernen diese vielleicht, dass das Leben Ihnen alles schenkt, richtig für Ihren Erfolg zu arbeiten aber nicht!

30.04.2018 10:54 Markus 3

Hm... Ich bezahle für 3-Zimmer-Wohnung warm so viel wie Studenten für ein Zimmer! Aber Studenten haben doch keine Arbeit mit Brutto wie ich! Unverschämt! Unser Staat sollte etwas für Studenten machen, und zwar schnell!

30.04.2018 08:14 Pendler 2

Guten Morgen nach Leipzig! Das ist nicht der neue Standard sondern diese Preise sind in anderen Städten schon lange Standard. In Potsdam bezahlen Sie z.Bsp. bei diversen Appartmentvermietungen für vergleichbare Schlafritzen 550 EUR im Monat, in Chemnitz sind es sogar 600 EUR warm/Monat.

30.04.2018 07:14 ein schon länger in Deutschland lebender 1

und auch hier muss ich mal sagen, es werden Mrd für Rüstung ausgegeben, es werden Mrd für Gäste ausgegeben, es werden Mrd für alles mögliche ausgegeben.

Will die Stadt Studenten, dann muss sie Wohnungen stellen, ansonsten laufen sie denen davon.

Also, raus mit den Mrd und Wohnungen stellen!