Ein Kind schreibt das Wort 'Schule' in ein Übungsheft.
Dauerstreit ums Schreiben lernen: Ein Vergleich sieht die "Fibelmethode" vorn Bildrechte: dpa

Studie Beste Rechtschreibung durch "Fibelmethode"

Richtig schreiben lernt man einer neuen Studie zufolge am besten schrittweise mit der guten alten Fibel. Das ist das Ergebnis einer Vergleichsstudie mit neuen Lernmethoden.

Ein Kind schreibt das Wort 'Schule' in ein Übungsheft.
Dauerstreit ums Schreiben lernen: Ein Vergleich sieht die "Fibelmethode" vorn Bildrechte: dpa

Grundschüler lernen Rechtschreibung am besten nach der klassischen sogenannten Fibelmethode. Das belegt eine Studie mit rund 3.000 Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen. Dabei schnitten andere Lernmethoden wie "Lesen durch Schreiben" und "Rechtschreibwerkstatt" weitaus schlechter ab.

Bei der Fibelmethode werden Buchstaben und Wörter schrittweise und nach festen Vorgaben eingeführt. Danach lernende Kinder hätten in der vierten Klasse mit Abstand die besten Rechtschreibkenntnisse, sagt Una Röhr-Sendlmeier vom Institut für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie.

Das Psychologenteam hatte über mehrere Jahre hinweg die Rechtschreibung von Grundschulkindern in NRW verglichen, die nach drei verschiedenen Methoden das Lesen und Schreiben lernten.

"Lesen durch Schreiben" kaum erforscht

Hintergrund waren Anfragen vieler Eltern, ob die schwache Orthografie ihrer Kinder auch mit der freien Lehrmethode zusammenhängen könnte, nach der die Kinder anfangs so schreiben, wie sie die Worte hören. Die Idee: Schüler sollen möglichst viel frei schreiben und das Lesen darüber mitlernen. Korrekturen falsch geschriebener Wörter sind unerwünscht, weil das die Kinder demotivieren würde.

Eine Schulanfängerin schlägt im Unterricht ihre Fibel auf.
Die klassische Fibel hat noch lange nicht ausgedient. Bildrechte: dpa

Diese alternative Methode "Lesen durch Schreiben" hat an vielen Schulen die Fibel verdrängt. Bildungsforscherin Nele McElvany von der Universität Dortmund bemängelt jedoch, dass es praktisch keine empirischen Studien zur Wirksamkeit gebe.  

Sie erklärt, Schüler könnten sehr wohl Regeln und Prinzipien einüben lassen und sie zugleich mit positivem Feedback ermutigen. Das Fibel-Lernen sei regelgeleitet, baue strukturiert aufeinander auf und setze auf Übungsphasen.

"Wertfreier Vergleich"

Der beteiligte Bonner Wissenschaftler Tobias Kuhl betont, man sei beim Methodenvergleich "wertfrei rangegangen". Doch das Ergebnis sei eindeutig: Am Ende der vierten Klasse machten demnach die "Lesen durch Schreiben"-Schüler im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler, "Werkstatt"-Schüler sogar mehr als doppelt so viele wie "Fibelkinder".

Angesichts der Migrationsdebatte in Deutschland ebenfalls interessant: Auch Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch war, profitierten vom "Fibel"-Ansatz.

McElvany zufolge lässt die Studie allerdings offen, ob es bei der Einschulung schon unterschiedliche Voraussetzungen bei den Kindern gab und inwieweit diese im Schulverlauf erhalten blieben. Orthografie sei Fleißarbeit und müsse in den ersten Schuljahren geübt werden.  

Bildungsverband skeptisch

Der Bildungsverband VBE zeigte sich hinsichtlich der neuen Ergebnisse skeptisch. Grundsätzlich sei es "nicht zielführend", die Rechtschreibfähigkeit als einzelnen Aspekt losgelöst von allen anderen Lernprozessen zu untersuchen. Der Vorsitzende Udo Beckmann meint: "Eine einseitig festgelegte Rückkehr zum Unterricht mit der Fibel ist keine Lösung."

Der Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU von Ende 2017 zufolge kann jeder fünfte Zehnjährige in Deutschland nicht so lesen, dass er den Text auch versteht. Und der bei Viertklässlern erhobene IQB-Bildungstrend 2016 ergab, dass nur 55 Prozent orthografische Regelstandards erreichen.  

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2018 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2018, 12:43 Uhr

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21 Kommentare

18.09.2018 09:16 Thüringer 21

Eine "hochrangige" Kommission (Wieviel Steuergelder wurden dafür eigentlich "verpulvert"???) um herauszufinden, was für jahrzehntelang im Schuldienst stehende Lehrer geradezu eine Selbstverständlichkeit war und ist. Eigentlich jeder auch nur einigermaßen realitätsnahe Mensch kann sehen und erleben, dass die weltfremde Kuschelpädagogik auf ganzer Linie gescheitert ist.

17.09.2018 18:47 W. Merseburger 20

An @ 8, Harzer,
was sie da vom DDR Bildungssystem schreiben ist unerhört und wird besonders von den Links-Grünen SPD Genossen und CDU/CSU negiert, weil das nicht sein konnte. Nun wird hier die Fibelmethode wieder aus der Versenkung geholt. Ich glaube, unsere Altvorderen waren nicht dumm und haben so manche guten Dinge im Köcher gehabt. Und wenn ich hier so manchmal schreibe, merke ich selbst, dass Worte, die man lange nicht geschrieben hat,Probleme bezüglich der Schreibweise bereiten. Deshalb noch ein Lehrsatz: Wiederholung ist die Mutter der Weisheiten.

17.09.2018 12:28 Praxis 19

Die anderen Methoden müssen nicht grundsätzlich schlecht sein und manche Kinder kommen mit ihnen sicher auch zurecht. Aber die “Fibelmethode“ und entsprechend methodisch ausgebildete Unterstufenlehrer ermöglichten eine gute Rechtschreibung sowie ein vernünftiges Lesevermögen.Heute frage ich mich oft,warum“ Aus den Fehlern zu lernen“ schlecht für das Selbstbewusstsein von Schülern sein soll.Ich stelle die Farben der Fußgängerampel ( Bei Rot bleibe stehn, bei...) ja auch nicht infrage,oder?

17.09.2018 11:10 Ralf Muschall 18

@15 In Babylon hatten sie weichen Ton. Wenn etwas missraten war, kam der in den Eimer, wurde geknetet und eine neue Tafel geformt. Nur Zeug für die Zukunft (z.B. weil es im Louvre ausgestellt werden soll) wurde in Stein gemeißelt, vermutlich von hochbezahlten Spezialisten.

17.09.2018 09:49 winfried zu lummox(12) 17

Hinzu kommt, dass die "DDR"-Lehrpläne einheitlich, also "DDR"-weit vergleichbar waren.
In der BRD sind sie aktuell 16fach-föderal.
Das Ziel scheint mir zu sein, mittels Mengenlehre, Ganzwortmethode oder "schreiben wie (Kiezdeutsch)verstehen" lesen-, schreiben-, rechnen- bzw. sprech/ sprach-"Krüppel" zu produzieren.
Das Ganze unter dem Label - progressiv, weltoffen und tolerant.

17.09.2018 09:45 Heinrich Lillie 16

Ein von vielen erfahrenen Pädagogen befolgter Grundsatz lautet: Fehler vermeiden ist besser als Fehler korrigieren. - Warum das so ist? Weil jeder Fehler, den man sich eingestehen muss oder
- schlimmer noch - auf den man hingewiesen wird, ein Frustrationserlebnis auslöst. Einen Erwachsenen vermag die Erkenntnis, einen "nur" orthograhischen Fehler gemacht zu haben, nicht aus der Ruhe zu bringen; ein Kind hingegen, das über kurz oder lang erkennen muss, die geltenden Schreibnormen ständig missachtet zu haben, dürfte in seinem Selbstvertrauen erheblich verunsichert werden. - Das sollten alle die bedenken, die behaupten, "Lesen durch Schreiben" sei eine "kindgerechte" Methode.

16.09.2018 22:05 Normalo 15

@ 10 Ham die Kinder heute auch. Nennt sich Heft, Füller und Tintenkiller. Wahlweise geht auch Bleistift und Radiergummi. Leid tun mir die Kinder im alten Babylon. Einmal das Diktat in Stein gehauen war nix mehr zu machen.
Großer Gott.

16.09.2018 21:59 NHEO 14

Was sich als realitätsnah bewährt hat muss von der in fast allen Bereichen mehrheitlich handelnden 68er-Generation abgeschafft werden. Das ist etwas ganz Grundsätzliches und es wird auch noch eine Weile dauern bis diese Leute endlich alle in Rente gehen.
Es geht selten darum es besser zu machen, sondern es denen zu zeigen die es gut gemacht haben.
Egal ob Bildungspolitik, Flüchtlingspolitik, Sozialpolitik etc.
Hauptsache möglichst realitätsfern und unfinanzierbar...

16.09.2018 21:05 Marcus 13

Die "Fibel-Methode" ist mit Sicherheit eine der erfolgreichsten Methoden, wenn es um einen orthogafisch korrekten Schriftspracherwerb geht. Natürlich muss auch die Lehrkraft hier differenziert arbeiten, um jedem Kind gerecht zu werden. Darüber hinaus sind zusätzliche und Fibel unabhängige Methoden zu empfehlen, um Kinder auch Literatur nahe zu bringen.

16.09.2018 19:43 lummox 12

Fibelmethode. oder wie man das ding auch nennt. jedenfalls war lesen, schreiben, rechnen lernen in der unterstufe zu ddr-zeiten ein kinderspiel und sogar nadelarbeit hatten wir ohne trennung in mädchen und jungen. und als hortkind gab es dann nach dem unterricht noch unter aufsicht gemeinsames hausaufgaben erledingen. leider mußte man ab1990 das rad neu erfinden und das bewährte war nichts mehr wert.