Schulkinder mit Ranzen auf dem zur Schule.
Zu Fuß zur Schule - bei weitem nicht alle Kinder haben es so einfach. Bildrechte: imago/Rust

Lange Schulwege Pendeln belastet schon Schulkinder

Lange Wege zur Arbeit sind eine Belastung. Viele kennen das. Zahlreiche Studien belegen auch, dass das Pendeln nicht gesund ist. Nun haben Wissenschaftler die Folgen für Kinder und Jugendliche untersucht.

von Stefan Zimmermann, MDR AKTUELL

Schulkinder mit Ranzen auf dem zur Schule.
Zu Fuß zur Schule - bei weitem nicht alle Kinder haben es so einfach. Bildrechte: imago/Rust

Im Schnitt brauchen die Schüler in Deutschland eine halbe Stunde für den Weg zur Schule. Das hat das Forschungszentrum Demografischer Wandel in Frankfurt am Main herausgefunden. Dafür wurden rund 10.000 Schüler der 7. Klasse aus 14 Bundesländern befragt.

Sehr lange Schulwege stehen sehr kurzen Wegen gegenüber

Sven Stadtmüller hat daran mitgearbeitet. Und er berichtet: etwa 15 Prozent brauchen nur 10 Minuten für ihren Weg. "Auf der anderen Seite ist der Anteil ebenso hoch, auch etwa 15 Prozent an Kindern, die mehr als eine Dreiviertelstunde brauchen."

Mehr als 45 Minuten auf dem Weg zur Schule - wenn man das hört, ergibt sich sofort ein Bild: Schüler auf dem Land, die um sechs Uhr aufstehen und dann im Bus von Dorf zu Dorf rumpeln, bis alle Kinder eingesammelt sind. Viele Eltern kennen das, auch Alexandra Prinz-Klause.

"Also meine beiden großen Kinder fahren fast eine Stunde bis zum Gymnasium. Und für die ist das eher so ein entspannender Part. Das heißt, mein Sohn vor allem der hört das Musik, quatscht mit den Kumpels, chillt noch ein bisschen. Die große lernt noch ein bisschen im Heft. Die haben sich dran gewöhnt, für die ist es nicht wirklich Stress."

Weniger Schlaf, weniger Konzentration

Aber der lange Weg zur Schuler hat eben auch messbare Nachteile. Das fängt damit an, dass die Kinder früh raus müssen und zum Teil nur sechs bis acht Stunden schlafen. Und Sven Stadtmüller betont:

"Das ist nicht besonders viel für das Alter, in dem wir die Kinder befragen. Und es ist natürlich schon so, dass Kinder die weitere Wege zurücklegen müssen im Schnitt weniger schlafen, als Kinder die schnell zur Schule sind." Und Kinder die nicht ausgeschlafen haben, können sich oft auch nur schwer konzentrieren.

"Bei Schülerinnen und Schülern, die in weniger als 10 Minuten zur Schule kommen, sind es 23 Prozent, die von Konzentrationsproblemen berichten. Wenn wir Schülerinnen und Schüler betrachten, die einen Schulweg haben von 45 Minuten oder länger, sind es 29 Prozent."

Forscher für späteren Unterrichtsbeginn

Kinder steigen in einen Schulbus ein.
Kinder steigen in einen Schulbus ein. Bildrechte: dpa

Ähnliche Unterschiede gibt es auch in andere Bereichen: Pendelschüler schlafen schlechter, sie haben häufiger Kopf- und Rückenschmerzen und sie sind öfter in Schulunfälle verwickelt. Und was lässt sich dagegen tun?

"Da wär eben gerade für Schulen, die ein breites Einzugsgebiet haben,  wo bekannt ist, dass einzelne Schüler eine Stunde oder länger zur Schule brauchen, dass man sich dort Gedanken macht, später mit dem Unterricht zu beginnen."

Neues Argument in alter Diskussion

Darüber hinaus gilt natürlich: die Schulwege sollten so kurz wie möglich sein. Aber da ist natürlich nicht alles möglich, das sieht auch der Wissenschaftler.

"Es ist sicher auch klar, dass die Strecke, die die Kinder zur Schule zurücklegen, nicht das Argument dafür sein kann, jede Schule am Leben zu erhalten. Aber gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, sich über alternative Modelle Gedanken zu machen, Klassen zusammen legen oder Ähnliches."

Das sind Debatten, die in Mitteldeutschland seit Jahren geführt werden. Aber die neue Studie ist in diesem Zusammenhang vielleicht ein Argument.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2018 | 15:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 17:32 Uhr

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3 Kommentare

13.01.2018 15:31 Susi 3

die Kinder sind schon halb verschlafen wenn diese an ihrer Schule ankommen ja es hat nicht jeder soviel Macht , Geld, Privilegien wie die feine nichtsbringende Schleswig ( oder wie die sich nennt ist mir auch egal ) die ihren Sohn um die Ecke privat zur Schule bringt.

12.01.2018 22:12 Kritischer Bürger 2

Wollen Politiker und Minister der Bildung NICHT WAHR HABEN und wundern sich dann das die Schulleistungen absinken! Wie weit hat man sich nur von den Bürgern entfernt?

12.01.2018 19:29 pitti 1

Ergebnis einer nach westlichem Maßstab ausgerichteten schulpolitik, die "Freiheit " darstellen soll aber im Ergebnis nur zur aussortierung, Eliminierung und Spaltung der Kinder führt. Schule muss erstens staatlich bleiben und zweitens pragmatisch sein. Kinder sinnlos täglich durch die Gegend zu fahren ist wesentlich ungünstiger für die kindliche Entwicklung als wenn sie , besser deren Eltern, aus mehreren Schulen auswählen "dürfen".