Menschen bei der Aquagymnastik im Gesundheitsbad in Bad Schlema
Gesetzliche Krankenversicherungen bieten bei Kuren und Reha-Maßnahmen bessere Leistungen als private Versicherungen an. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Studie Gesetzliche Krankenkassen oft besser als private

Die Leistungen der privaten Krankenversicherungen sind einer Studie der Grünen zufolge nicht unbedingt besser als die der gesetzlichen. Unter anderem bei Kuren hat die GKV die Nase vorn. Die Privaten wehren sich.

Menschen bei der Aquagymnastik im Gesundheitsbad in Bad Schlema
Gesetzliche Krankenversicherungen bieten bei Kuren und Reha-Maßnahmen bessere Leistungen als private Versicherungen an. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Gesetzliche Krankenkassen bieten einer Studie zufolge oft bessere Leistungen als private Kassen. Das berichten mehrere Medien und berufen sich auf eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Premium Circle im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen. Demnach erfüllen einige private Krankenversicherungen selbst in ihren Premium-Tarifen nicht die Mindestkriterien. Die privaten Krankenversicherungen wiesen die Ergebnisse der Studie zurück.

Gesetzliche Kassen bei Kuren und Reha besser

Der Studie zufolge werden bei den Premium-Tarifen der privaten Versicherer im Schnitt mehr als ein Viertel der Mindestanforderungen nicht oder nicht vollständig erfüllt. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung seien es drei Prozent.

Bei den Privat-Tarifen gibt es demnach vor allem Schwächen bei Kuren und Reha-Maßnahmen. Schlechtere Bedingungen als bei den gesetzlichen Krankenversicherungen bestünden häufig auch bei der Palliativversorgung, der häuslichen Krankenpflege, der Psychotherapie und bei Impfungen. Bei den ärztlichen Leistungen schnitten aber alle PKV-Unternehmen gut ab.

Große Unterschiede bei der PKV

Die Untersuchung ergab, dass es eine sehr große Spannbreite zwischen den privaten Krankenversicherungen gibt. Der schlechteste verglichene Tarif erfüllte demnach nur knapp 30 Prozent der Mindestkriterien. Der beste erreichte 96 Prozent.

Die Studie weist zugleich darauf hin, dass die überwiegende Mehrheit der privat Versicherten nicht in den leistungsstarken Premium-Tarifen versichert ist, sondern in Tarifen mit einem geringeren Leistungsumfang.

Mehr als 100 Kriterien verglichen

Für die Studie wurden 100 Mindestkriterien herangezogen, die Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung sind. Zusätzlich aufgenommen wurden höhere Leistungen beim Zahnersatz und eine Kostenübernahme bei Brillen ohne Altersbeschränkung, was nach Ansicht der Autoren der Studie zu einer umfassenden Krankenversicherung gehören sollte.

Der Untersuchung zufolge ist das Leistungsspektrum von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sehr unterschiedlich. Die Leistungen der GKV seien nicht in jedem Kriterium präzise mit denen der PKV vergleichbar. Außerdem seien die unterschiedlichen Wartezeiten auf einen Facharzttermin nicht berücksichtigt worden.

Grüne: GKV nicht zweitklassig

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, sagte, etliche der untersuchten Privat-Tarife könnten nicht einmal elementare Leistungen garantieren. Die Untersuchung widerlege klar die wiederkehrende Behauptung, die gesetzliche Krankenversicherung sei nur zweitklassig.

Die Grünen forderten Wahlfreiheit und Wechselmöglichkeiten auch für privat Versicherte. Diese sollten jederzeit ihren privaten Versicherer wechseln können, ohne dabei ihre Altersrückstellung zu verlieren. Zugleich warben die Grünen erneut für eine langfristig einheitliche Bürgerversicherung.

Private Krankenversicherungen wehren sich

Der Verband der Privaten Krankenversicherung hat die Ergebnisse einer Vergleichsstudie über Leistungen für gesetzlich und für privat-Krankenversicherte zurückgewiesen. PKV-Sprecher Stefan Reker sagte MDR-AKTUELL, in der Studie würden theoretische Leistungsansprüche verglichen. So seien Kuren keine Heilbehandlung und folglich in der normalen privaten Krankenversicherung nicht mitversichert.

Reker verwies darauf, dass Therapien gegen Depressionen oder eine Sterbegleitung relativ neue Leistungen seien. Alte Privat-Verträge enthielten diese nicht, obwohl die Patienten natürlich die Kosten erstattet bekämen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Dezember 2018 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2018, 10:10 Uhr