entwurzelter Baum
Entwurzelter Baum im Brandenburgischen Senftenberg Bildrechte: dpa

"Friederike" Orkan fordert Tote - Züge stehen still - Strom fällt aus

Orkan "Friederike" hat schwere Verwüstungen angerichtet. Mindestens sechs Menschen starben in Deutschland bei Unfällen oder durch herabstürzende Bäume. Die Bahn stellte ihren Fernverkehr ein. Am Freitag sollen die Züge wieder rollen.

entwurzelter Baum
Entwurzelter Baum im Brandenburgischen Senftenberg Bildrechte: dpa

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde im Flachland und mehr als 200 km/h in den Hochlagen des Harzes ist Orkantief "Friederike" über Deutschland hinweg gefegt. "Das ist ein Extremorkan. Davon sprechen wir ab Geschwindigkeiten von 140 Kilometern pro Stunde", sagte Thomas Hain vom Deutschen Wetterdienst.

Orkantief "Friederike" wütet über Deutschland

Umgestürzte Bäume, abgedeckte Häuser, gesperrte Straßen: Orkantief "Friederike" hat bei seinem Weg über Deutschland große Schäden angerichtet. Mehrere Menschen kamen ums Leben.

Ein umgekippter Baum liegt quer und teilweise auf der Straße
Umgestürzte Bäume - damit hatten zahlreiche Einsatzkräfte an vielen Orten zu kämpfen, so auch im Leipziger Stadtteil Gohlis. Bildrechte: MDR/Ulrich Liebeskind
Ein umgekippter Baum liegt quer und teilweise auf der Straße
Umgestürzte Bäume - damit hatten zahlreiche Einsatzkräfte an vielen Orten zu kämpfen, so auch im Leipziger Stadtteil Gohlis. Bildrechte: MDR/Ulrich Liebeskind
Umgestürzter Baum im Süden von Leipzig
Im Süden der Stadt ist dieser Baum auf einer Straße liegen geblieben. Bildrechte: MDR/Hendryk Winkler
Orkan Friederike fällt Straßenschild auf der A71
Auf der A71 in Thüringen hat das Orkantief ein Straßenschild umgerissen. Bildrechte: MDR/Kathleen Sturm
Sturmtief Friederike
Mit dem Schrecken kamen die Fahrerin dieses Mini-Schulbusses und zwei Schulkinder in Hessen davon: Der Wagen wurde von einem umstürzenden Baum getroffen, verletzt wurde aber niemand. Bildrechte: dpa
Sturm in Weißenfels
In Weißenfels blockieren Bäume die Straße. Bildrechte: MDR / Christian Wyrembek
In Chemnitz ist ein Baugerüst auf fahrende und abgeparkte Autos gestürzt.
In Chemnitz ist ein Baugerüst auf fahrende und geparkte Autos gestürzt. Bildrechte: MDR/Harry Härtel
Orkan deckt Dach von Gemeinschaftsschule in Greußen ab
Der Orkan hat im thüringischen Greußen das Dach einer Gemeinschaftsschule abgedeckt. Bildrechte: MDR/Peter Georgi
Sturm in Weißenfels
Sturmschäden in Weißenfels Bildrechte: MDR / Christian Wyrembek
Sturmtief Friederike
Die Bahn stellte wegen des Sturms erst in einigen Bundesländern den Regionalverkehr, dann bundesweit auch den Fernverkehr ein. Bildrechte: dpa
Sturmtief Friederike
Das Unternehmen stellte für gestrandete Passagiere wie hier am Hauptbahnhof Hamburg sogenannte Hotelzüge zur Verfügung. Bildrechte: dpa
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Sturmtief Friederike
Mit dem Schrecken kamen die Fahrerin dieses Mini-Schulbusses und zwei Schulkinder in Hessen davon: Der Wagen wurde von einem umstürzenden Baum getroffen, verletzt wurde aber niemand. Bildrechte: dpa

Sechs Tote in Deutschland

"Friederike" forderte insgesamt sechs Todesopfer in Deutschland. Ein 28 Jahre alter Feuerwehrmann in Bad Salzungen in Thüringen ist bei Aufräumarbeiten von einem Baum erschlagen worden. Das bestätigte das Landratsamt des Wartburgkreises. Ein weiterer Feuerwehrmann wurde schwer verletzt, wie ein Sprecher der Polizei in Suhl mitteilte.

In Emmerich am Niederrhein wurde ein 59-Jähriger auf einem Dauercampingplatz von einem Baum erschlagen. Er war nach Angaben der Polizei sofort tot.

In Lippstadt im Kreis Soest kam ein 68-jähriger Mann bei einem durch eine Sturmböe verursachten Verkehrsunfall ums Leben, wie das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg mitteilte. Der Fahrer eines Transporters hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war in den Gegenverkehr geraten. Nach Polizeiangaben stieß er mit seinem Wagen mit einem Lastwagen zusammen und war sofort tot. Der 73-jährige Fahrer des 40-Tonners kam verletzt ins Krankenhaus.

Auch auf der Autobahn 13 im Süden Brandenburgs gab es einen tödlichen Sturmunfall. Ein Lastwagen sei von einer Windböe erfasst worden und umgekippt, teilte die Polizei per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Der Lastwagenfahrer wurde eingeklemmt und starb noch am Unfallort bei Ortrand unweit der Grenze von Brandenburg zu Sachsen. Er war auf der Autobahn aus Richtung Berlin kommend in Richtung Dresden unterwegs gewesen.

Auch Opfer in den Niederlanden

Am Abend stieg die Zahl der Toten in Nordrhein-Westfalen auf drei. Das teilte Innenminister Herbert Reul mit. Bei dem weiteren Toten handle es sich um ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Der Mann sei bei einem Einsatz im sauerländischen Sundern ums Leben gekommen.

In den Niederlanden hat das Orkantief insgesamt drei Menschen getötet. Nach Polizeiangaben wurde in der Ortschaft Olst im Osten des Landes ein 62-jähriger Mann von einem abgebrochen Ast erschlagen. In Enschede nahe der deutschen Grenze starb ein Autofahrer, nachdem ein Baum auf das Auto gefallen war.

Fernverkehr bundesweit eingestellt

Die Deutsche Bahn stellte am Nachmittag den Fernverkehr bundesweit ein. Züge, die zu dem Zeitpunkt noch unterwegs waren, sollten soweit möglich bis zum Ziel fahren. Vielerorts saßen zahlreiche gestrandete Passagiere an den Bahnhöfen fest. Teilweise wurden Hotelzüge bereitgestellt.

In Nordrhein-Westfalen, Niedersachen, Thüringen und Sachsen-Anhalt wurde der Bahnverkehr auch auf sämtlichen Regionalverbindungen komplett eingestellt. In Rheinland-Pfalz wurde der Regionalverkehr auf mehreren Strecken eingestellt und die Geschwindigkeit reduziert. Am Abend fuhren S- und Regionalbahnen auf einigen Strecken wieder.

Züge sollen Freitag wieder rollen

Ein Hinweisschild weist in Essen (Nordrhein-Westfalen) auf den eingestellten Zugverkehr hin.
Geparkter ICE am Bahnhof Essen: In NRW fielen zuerst sämtliche Züge aus. Bildrechte: dpa

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat den bundesweiten Stopp des Fernverkehrs kritisiert. Vorsicht sei natürlich immer eine gute Sache, sagte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. "Gleich gar nichts zu tun, das erscheint uns doch etwas übertrieben." Dort, wo der Wind schwächer sei und keine Bäume an den Gleisen stünden, müsse der Betrieb nicht eingestellt werden.

Nach der Zwangspause soll der Fernverkehr der Deutschen Bahn am Freitagmorgen wieder anrollen. Jedoch sind in einigen Regionen weiter Einschränkungen zu erwarten. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen seien noch wichtige Strecken gesperrt, so die Bahn.

Mehrere Flüge gestrichen

Am Münchner Flughafen wurden mehrere Flüge gestrichen. So wurden acht Lufthansa-Flüge von und nach Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Köln annulliert. Am Airport Köln/Bonn wurde der Flugverkehr am Vormittag vorläufig unterbrochen, konnte am Nachmittag aber wieder aufgenommen werden.

Ein Flugzeug aus Stuttgart kreiselt im Sturm über Leipzig
Kreise ziehen statt landen - so ging es einigen Flugzeugen. Bildrechte: Planefinder.net/Screenshot MDR

Am Leipziger Flughafen kamen drei Maschinen aus München, Wien und Zürich gar nicht erst an, so dass auch die Rückflüge gestrichen werden mussten. Ein Blick auf den Radar zeigte auch eine Maschine aus Stuttgart, deren Landung für 17 Uhr erwartet war - die stattdessen aber über Wurzen Kreise zog. Ein anderes Flugzeug aus Köln konnte etwa zur selben Zeit dagegen wie geplant landen.

In ganz Deutschland wurden mehrere Flüge gestrichen, allein von Berlin aus waren es rund 20 innerdeutsche Starts. In Paderborn wurde am Nachmittag das Terminal des Flughafens geräumt. Das Dach des Gebäudes drohte der Polizei zufolge, im Sturm abzuheben.

Zehntausende von Stromausfällen betroffen

Rund 100.000 Menschen in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Bundesländern waren von Störungen und Stromausfällen betroffen. Der Energieversorger EnviaM in Chemnitz stockte wegen des Sturms seinen Bereitschaftsdienst auf. Wichtige Leitungen und Notstrom-Aggregate seien vorab noch einmal überprüft worden, teilte das Unternehmen mit.

Bis zum Abend reduzierte sich die Zahl der Menschen ohne Strom im Osten des Landes nach Angaben von EnviaM auf etwa 65.000. Rund 350 Mitarbeiter arbeiteten daran, auf andere Leitungen umzuschalten, um rasch viele Haushalte wieder anzuschließen.

Eine Übersicht zu von Bürgern gemeldeten Stromausfällen in Deutschland gibt es auf dieser Seite.

Mehrere Schulen geschlossen

Im Oberharz in Niedersachsen, Teilen Mittelhessens und in Oberfranken fiel wegen des Orkantiefs der Schulunterricht aus. Auch am Burggymnasium in Wettin im Saalekreis in Sachsen-Anhalt fällt wegen des Sturms der Unterricht aus. An der Burg wird derzeit gebaut, die Schule befürchtet, dass Teile herumfliegen könnten.

Unfälle auf eisglatten Straßen

Auch auf den Straßen kam es zu zahlreichen Unfällen und Behinderungen. In Duisburg am Niederrhein drohte der Sturm einen Lkw von einer Brücke der Autobahn 59 zu stürzen. Die Autobahn wurde komplett gesperrt. Der Planen-Lastwagen war laut Polizei von einer Böe an die Brüstung gedrückt worden. Auf den Autobahnen im Rheinland kam es durch losgelöste Lkw-Planen, umgekippte Baustellenschilder und umgeknickte Bäume zu "unzähligen Einsätzen". Immer wieder mussten einzelne Abschnitte gesperrt werden.

In Thüringen waren am Donnerstagnachmittag mehrere Autobahnabschnitte aufgrund umgestürzter Lastwagen gesperrt, wie die Polizei auf Twitter mitteilte. Betroffen waren unter anderem die A9 im Bereich Schleiz und die A4 im Bereich Eisenach.

Ein Fahrzeug vom Winterdienst streut Salz auf der Autobahn A2
Winterdienst auf der A2 bei Herford. Bildrechte: dpa

Gefahr drohte nicht allein durch den Sturm selbst, sondern auch durch eisglatte Straßen. In Niedersachsen krachte es im Laufe der Nacht "im Minutentakt", wie die dortige Polizei mitteilte. Auch in Mittel-, Ost- und Süddeutschland drohten laut Deutschem Wetterdienst rutschige Straßen

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Januar 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2018, 22:26 Uhr