Jugendlicher mit Headset spielt am Computer
Bildrechte: IMAGO

Neuer Katalog der Krankheiten WHO macht Online-Spielsucht zur offiziellen Krankheit

Exzessives Computerspielen wird von der Weltgesundheitsorganisation nun offiziell als Krankheit geführt: Die WHO in Genf veröffentlicht nach 28 Jahren einen neuen Katalog der Krankheiten. Darin ist nun auch die Online-Spielsucht als Krankheit aufgenommen.

von Dietrich Karl Mäurer, Schweiz-Korrespondent MDR AKTUELL

Jugendlicher mit Headset spielt am Computer
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Onlinespielsucht ist kein neues Phänomen, erzählt Franz Eidenbenz. Der Züricher Psychologe und Psychotherapeut hat schon vor knapp 20 Jahren von Abhängige von Online-Spielen beraten.

Mittlerweile jedoch ist dem Leiter der Behandlung im Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte in Zürich eindeutig klar: Während die meisten Online-Spieler keine Probleme entwickeln, wenn sie in die faszinierenden, virtuellen Spielwelten abtauchen, so gibt es dennoch einen Kreis von Personen, die eine echte Abhängigkeit entwickeln.

Nur wenige spielen exzessiv

Franz Eidenbenz
Psychologe Franz Eidenbenz berät seit vielen Jahren von Online-Spielen Abhängige. Bildrechte: MDR/Dietrich Karl Mäurer

Rund 34 Millionen Deutsche spielen Computer oder Videospiele, nur ein verschwindend kleiner Teil spielt exzessiv. Die meisten von ihnen sind nicht abhängig. Doch Angehörige sollten aufmerksam werden, wenn die virtuelle Welt den Spielern so wichtig wird, dass sie Familie und Freunde vernachlässigen, ebenso Schule, Ausbildung oder die Arbeit, erklärt Vladimir Poznyak vom Programm Suchtmittelmissbrauch der Weltgesundheitsorganisation.

Darüber hinaus könne es andere negative Folgen für die Gesundheit haben, "eine Störung des Schlafverhaltens und auch der körperlichen Aktivität - normalerweise ist das Spielverhalten mit einem sehr geringen Maß an körperlicher Aktivität verbunden", erklärt Poznyak.

Ärzte sehen Bedarf

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt die Online-Spielsucht jetzt in die Internationale Klassifikation der Krankheiten auf. Sie erkennt sie also als eigene Krankheit an - so WHO-Experte Vladimir Poznyak: "Der Hauptgrund dafür sind nicht nur die vorliegenden wissenschaftlichen Beweise, sondern auch der Bedarf an Behandlung und die Forderung nach einer Anerkennung seitens der behandelnden Mediziner". Diese erhoffen sich laut Poznyak, dass die Forschung verstärkt wird, dass vorbeugende Maßnahmen durchgeführt werden können und dass man sich mehr mit den gesundheitlichen Folgen der Sucht befasst.

Es gibt auch Stimmen, die warnen: durch die Entscheidung der WHO, die Onlinespielsucht als Krankheit einzustufen, könnten Spieler grundlos als therapiebedürftig stigmatisiert werden. Doch Psychotherapeut Franz Eidenbenz begrüßt den Schritt. Er sei im Sinne der Abhängigen und ihrer Angehörigen.

Für eine Behandlung der Abhängigen brauche es Profis. Gleichzeitig warnt der Suchtexperte davor, die Online-Spiele grundsätzlich zu verteufeln. Man könne als Spieler einiges lernen, etwa strategisches Denken oder Zusammenarbeit in der Gruppe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juni 2018 | 06:49 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2018, 10:03 Uhr

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3 Kommentare

19.06.2018 13:33 Brettspieler 3

@colditzer

Ich verstehe es auch so. Das wird die Online-Zocker freuen. Das System stellt ihnen nun ein riesen Schlupfloch zur Verfügung. Nie mehr Arbeit - dafür suchten, was das Zeug hält. Der 7. (Zocker-)Himmel?

19.06.2018 07:10 colditzer 2

"Für eine Behandlung der Abhängigen brauche es Profis. Gleichzeitig warnt der Suchtexperte davor, die Online-Spiele grundsätzlich zu verteufeln. Man könne als Spieler einiges lernen, etwa strategisches Denken oder Zusammenarbeit in der Gruppe. "

Der Spieler bekommt für seine Spielsucht nun einen Krankenschein damit er noch mehr strategisches Denken üben kann?
Hab ich das so richtig verstanden?

18.06.2018 10:16 Sr.Raul 1

Und es gibt tatsächlich Zeitgenossen, welche das Ganze, unter "e-Sport" getarnt, als ernsthaften Sport deklarieren und sogar olympisch werden lassen wollen.