Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt
Nach dem Tod eines syrischen Häftlings in Folge eines Brands in einer Zelle in der Justizvollzugsanstalt Kleve gibt es Zweifel daran, dass es sich um einen Suizid handelte. Bildrechte: dpa

Zu Unrecht inhaftierter Syrer Hinweise auf Notruf aus brennender Zelle

Wegen einer Verwechslung war Amed A. zu Unrecht in der Justizvollzugsanstalt Kleve inhaftiert. Dort starb der Syrer bei einem Zellenbrand. Bisher hieß es, der Mann habe sich vermutlich das Leben nehmen wollen und daher das Feuer gelegt. Nach neuen Erkenntnissen soll er jedoch versucht haben, Hilfe zu holen, als der Brand ausbrach. Damit wird die Selbstmordtheorie unwahrscheinlicher.

Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt
Nach dem Tod eines syrischen Häftlings in Folge eines Brands in einer Zelle in der Justizvollzugsanstalt Kleve gibt es Zweifel daran, dass es sich um einen Suizid handelte. Bildrechte: dpa

Im Fall des zu Unrecht inhaftierten Syrers in Kleve in Nordrhein-Westfalen soll es einen Notruf gegeben haben. Das berichten übereinstimmend mehrere Medien. Amed A. war bei einem Brand Ende September in der Zelle gestorben. Die "Bild"-Zeitung und der "Kölner Stadt-Anzeiger" zitieren aus den Gefängnisprotokollen. Darin ist notiert, dass am Abend des Brands die Gegensprechanlage im Haftraum betätigt worden war. Nun ermittele die Staatsanwaltschaft, ob und wann das mit der Sprechanlage ausgelöste Lichtsignal deaktiviert worden ist.

Feuer angeblich selbst gelegt

Der 26-Jährige war am 29. September, zwei Wochen nach einem Feuer in seiner Gefängniszelle in der Justizvollzugsanstalt Kleve, in einer Klinik gestorben. Die Behörden hatten danach eingeräumt, dass er in Folge einer Verwechslung mit einem Mann aus Mali mehr als zwei Monate lang zu Unrecht im Gefängnis gesessen hatte. Nach dem Bekanntwerden des Falls hieß es, der Syrer habe das Feuer vermutlich selbst gelegt.

SPD beklagt fehlenden Aufklärungswillen

Ein Rettungswagen steht vor dem Eingang der JVA in Kleve.
Bei einem Brand in der JVA Kleve starb Ahmed A. Bildrechte: Feuerwehr Kleve/dpa

Die nordrhein-westfälische SPD drängt auf Aufklärung in dem Fall. Inzwischen gebe es Erkenntnisse, dass die Landesregierung über den Fall "nicht die ganze Wahrheit gesagt" habe, erklärte der Vize-Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Sven Wolf, in Düsseldorf. Offenbar seien "entscheidungsrelevante Tatsachen" über die "hochgradige Suizidgefahr" und mögliche Haftunfähigkeit von Amed A. dem Parlament bisher nicht mitgeteilt worden.

Das NRW-Justizministerium wollte sich zu den Berichten am Donnerstagabend nicht äußern. Ein Sprecher verwies darauf, dass weitere Ermittlungen liefen und Vernehmungen nicht beeinflusst werden sollten.

Erinnerung an Fall Oury Jalloh

Oury Jalloh
Der Asylbewerber Oury Jalloh starb 2005 bei einem Brand in einer Polizeizelle. Bildrechte: imago/Future Image

Der Fall des Syrers erinnert an den von Oury Jalloh. Der Asylbewerber aus Sierra Leone war 2005 in einer Polizeizelle in Dessau in Sachsen-Anhalt verbrannt. Die Umstände seines Todes sind trotz umfangreicher Ermittlungen und zwei Prozessen bis heute ungeklärt. Nach Aussagen von Polizisten hat der an Händen und Füßen gefesselte Jalloh das Feuer in der Zelle selbst gelegt. Gutachter kamen zu widersprüchlichen Einschätzungen. Vor einem Jahr wurden die Ermittlungen eingestellt.

Der Rechtsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt hat inzwischen zwei Sonderermittler eingesetzt. Sie sollen die Akten zum Feuertod von Oury Jalloh sichten und neu bewerten. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh setzt dagegen auf eine Unabhängige Untersuchungskommission. In der kommenden Woche will sie über den Stand der Ermittlungen informieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Oktober 2018 | 22:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2018, 07:40 Uhr

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7 Kommentare

19.10.2018 11:15 Denkschnecke 7

@ 3,4 Max W.
Na, Sie scheinen ja selbst ziemlich genau zu wissen, was da passiert ist. Nach den verfügbaren Angaben ist der Suizidversuch bisher eine Vermutung und nicht "der Punkt, DASS". Fakt ist allein, dass der Syrer verwechselt wurde und zu Unrecht in Haft genommen worden ist. Klingt so, als finden Sie das nicht schlimm, dass da jemand gestorben ist? (Ich lese noch mal Ihre Posts zu Köthen durch.)

19.10.2018 10:40 Fragender Rentner 6

Da sollen sie in Zukunft keine brennbaren Stoffe usw. mehr in den Zellen erlauben !!!

19.10.2018 10:16 Carolus Nappus 5

Was? Nein, niemals nicht kann sowas auch in den gebrauchten Bundesländern passiert sein. Das muss eine mutwillige Falschmeldung sein. Wir brauchen jetzt unbedingt mehr Mittel gegen rechts.

19.10.2018 09:51 Max W. 4

@19.10.2018 07:19 Basil Disco (Auch hier wird wie im Fall Jalloh die Wahrheit nie ans Licht kommen. Statt die schwarzen Schafe zu benennen wird die Polizei wieder mauern und dadurch ihren ganzen Berufsstand schädigen, vom Ruf Deutschlands als Rechtsstaat ganz zu schweigen.)

Aber nein. Da sie ja wissen, was geschehen ist, müssen sie nur Anzeige erstatten. Schliesslich kann man ihnen nichts vormachen, sie wissen Bescheid. Jedenfalls seit Lektüre des Artikels da oben...

19.10.2018 09:48 Max W. 3

Was soll das werden? Der Mann hat vermutlich in suizidaler Absicht Feuer in seiner Zelle gelegt und anschliessend erst wirklich bemerkt, was er mit welchen Konsequenzen getan hat. Das ist unklug und keineswegs selten in Fällen versuchten Suizids.

Der Punkt ist, DASS er zuvor SELBST Feuer in seiner Zelle gelegt hat und NICHT, dass er DANACH angeblich Hilfe zu holen versucht hat.
Eine Rauchvergiftung und oder schwere Verbrennungen in solch kleinen Räumen sind nach kürzester Zeit manifest. Wir wollen mal davon absehen, dass in dem Gebäude mit Sicherheit noch zahlreiche weitere Personen eingeschlossen waren. Soviel dazu.

Wir werden jetzt aber wieder den ganzen esoterischen und medial bebilderten Verschwörungsaufriß miterleben dürfen. Allen voran die sog. "Sozialdemokraten" in der Hoffnung, sich als "Antifaschisten" verkaufen zu können. Im Falle Dessau hat sich übrigens bis heute trotz zahlreicher Behauptungen KEIN anderer Ablauf der Ereignisse gerichtsfest machen lassen.

19.10.2018 07:19 Basil Disco 2

Auch hier wird wie im Fall Jalloh die Wahrheit nie ans Licht kommen. Statt die schwarzen Schafe zu benennen wird die Polizei wieder mauern und dadurch ihren ganzen Berufsstand schädigen, vom Ruf Deutschlands als Rechtsstaat ganz zu schweigen.

19.10.2018 05:36 wer hat uns verraten, ... 1

"Bisher hieß es, der Mann habe sich vermutlich das Leben nehmen wollen und daher das Feuer gelegt. ...
... Damit wird die Suizidtheorie unwahrscheinlicher."

Personalmangel, aber wo gibt es das nicht bei Polizei und Justiz?