Lebensmittel werden in Berlin bei der Essensausgabe bei Laib und Seele gereicht.
Die Tafeln bieten Bedürftigen kostenlos oder sehr günstig qualitativ einwandfreie Lebensmittel an. Bildrechte: dpa

Fragen und Antworten Die Tafeln in Deutschland

Wegen der hohen Zahl von Flüchtlingen hat die Essener Tafel entschieden, nur noch Personen mit deutschem Personalausweis neu aufzunehmen. Dabei heißt es auf der Internetseite des Dachverbandes der Deutschen Tafeln: "Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen". Doch wie funktionieren die Tafeln überhaupt? Kann sich dort jeder übrig gebliebenes Essen abholen? Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Lebensmittel werden in Berlin bei der Essensausgabe bei Laib und Seele gereicht.
Die Tafeln bieten Bedürftigen kostenlos oder sehr günstig qualitativ einwandfreie Lebensmittel an. Bildrechte: dpa

Was sind die Tafeln und welche Hilfe bieten sie an?

Tafeln sind gemeinnützige Hilfsorganisationen, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Dabei geben ehrenamtliche Mitarbeiter noch verwertbare Produkte, die in Restaurants und Geschäften übrig bleiben und ohnehin vernichtet werden würden, entweder kostenlos oder gegen kleines Geld an sozial Benachteiligte weiter. Die erste Tafel wurde 1993 in Berlin gegründet. Bundesweit versorgen mehr als 900 Tafeln bis zu anderthalb Millionen Menschen mit Lebensmitteln. Dabei verwalten sie sich an den jeweiligen Orten selbst.

Einige Tafeln, insbesondere in den Großstädten, funktionieren wie Supermärkte, andere verteilen alle zwei Wochen zu festen Zeiten übrig gebliebene Lebensmittel. In Suppenküchen können Bedürftige für wenig Geld eine warme Mahlzeit einnehmen. Viele betreiben zudem Kleiderkammern, bieten Kinderbetreuung an und organisieren Beratungstermin, gemeinschaftliche Treffen und Schulungen. Oft werden auch Möbel und Bücher verteilt. Neben der materiellen Unterstützung sehen die Tafeln sich selbst auch als Orte der Begegnung und des Miteinanders.

Gibt es gemeinsame Standards der Tafeln in Deutschland?

Eine bedürftige Person steht mit einem Beutel Salat an der Ausgabetheke.
Bundesweit sind mehr als 60.000 Mitarbeiter ehrenamtlich die Tafel tätig. Bildrechte: dpa

Seit 1995 unterstützt der Dachverband Tafel Deutschland e.V. die Institutionen in der Organisation und Öffentlichkeitsarbeit und legt gemeinsame Grundsätze fest. Dazu zählt, dass die Lebensmittel "unentgeltlich oder gegen einen geringen Kostenbeitrag" abgegeben werden müssen. Wenn solche Beiträge erhoben werden, müssen sie sich "einerseits am sozialen Auftrag der Tafeln und andererseits an der prekären Situation" der Empfänger orientieren. Die Tafeln helfen dabei allen Menschen, die hilfebedürftig sind.

Der Großteil der Mitarbeiter engagiert sich ehrenamtlich. Die Finanzierung erfolgt über Spenden.
Rund 60 Prozent der Tafeln befinden sich in Trägerschaft gemeinnütziger Organisationen wie beispielsweise der Diakonie, der Caritas, des Deutschen Roten Kreuzes oder der Arbeiterwohlfahrt. Die übrigen 40 Prozent sind eingetragene Vereine.

Wer kann die Hilfe der Tafeln in Anspruch nehmen?

Einmalig kann jeder ohne schriftlichen Nachweis das Angebot der Tafeln nutzen. Wer darüber hinaus regelmäßig die Hilfe in Anspruch nehmen möchte, benötigt eine Kundenkarte der Tafeln als Nachweis der Bedürftigkeit. Diese erhalten sozial Benachteiligte bei Vorlage folgender Dokumente:

  • Sozialpass
  • Hartz-IV-Bescheid
  • Schwerbeschädigtenausweis
  • Rentenbescheid
  • Wohngeldbescheid
  • Asylbescheid
  • Abmeldung des festen Wohnsitzes

In einigen Städten legen die Tafeln auch Einkommensobergrenzen fest: diejenigen Haushalte, deren gesamtes Nettoeinkommen (ohne Kindergeld!) diese Grenze unterschreitet, erhalten einen Tafelausweis. In der Regel muss dieser nach 6 Monaten oder einem Jahr erneuert werden. In einigen Städten ist er für die gesamten Zeitraum gültig, in dem die Sozialhilfe empfangen wird.

Wie erfolgt die Lebensmittelausgabe?

Kunden der Essener Tafel gehen mit ihren Einkaufstrolleys zur Ausgabestelle.
Viele Tafeln versuchen lange Wartezeiten zu vermeiden. Bildrechte: dpa

Grundsätzlich können die Tafeln nur das verteilen, was gespendet wird. An einigen Tagen ist das Angebot größer, an anderen kleiner. Sind die Lebensmittelspenden zu knapp, müssen einige Tafeln Wartelisten führen. In der Regel wird auch die Anzahl der Personen im Haushalt berücksichtigt. Eine Großfamilie mit drei Kindern erhält mehr Lebensmittel als Alleinstehende.

Andere Tafeln verteilen morgens die eingegangenen Spenden auf Tüten und geben diese dann als Komplettpakete an die Bedürftigen weiter. Bei der Tafel in Halle erhält jeder Berechtigte alle 14 Tage einen Grundkorb mit Obst und Gemüse und einen weiteren mit Backwaren, Milch- und Fleischprodukten. Leben mehr als vier Personen im Haushalt, kann die Ration verdoppelt werden.

Wie kann Spannungen aus dem Weg gegangen werden?

Einige Tafeln legen unterschiedliche Abholzeiten für die Lebensmittel fest. Dann können alleinerziehende Frauen die Produkte an einem anderen Tag oder zu einer anderen Tageszeit abholen, als alleinstehende Männer und Familien.

Bei der Dresdner Tafel gibt es nach eigenen Angaben beispielsweise auch unterschiedliche Ausgabetage für deutsche Staatsangehörige und Flüchtlinge.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 23. Februar 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2018, 18:51 Uhr