Die Passagierfähre MV Nyerere treibt umgedreht im Wasser.
Die verunglückte Passagierfähre "MV Nyerere" treibt umgedreht im Wasser. Bildrechte: dpa

Fast 200 Tote Fährunglück in Tansania: Kapitän war gar nicht an Bord

In Tansania ist der Kapitän der gekenterten Fähre festgenommen worden. Bei dem Unglück waren fast 200 Menschen ums Leben gekommen. Am Samstag wurde ein Überlebender entdeckt - im untergegangenen Schiff.

Die Passagierfähre MV Nyerere treibt umgedreht im Wasser.
Die verunglückte Passagierfähre "MV Nyerere" treibt umgedreht im Wasser. Bildrechte: dpa

Zwei Tage nach dem schweren Fährunglück im ostafrikanischen Tansania haben die Behörden den Kapitän des Schiffs festgenommen. Das berichtet die Zeitung "The Citizen". Der Kapitän hatte sich nach Angaben von Tansanias Staatchef, Präsident John Magufuli, zum Zeitpunkt des Unfalls gar nicht an Bord des Schiffs befunden. Stattdessen habe er das Ruder jemandem überlassen, der für das Führen eines Schiffes keine Ausbildung habe.

Überlebender geborgen

Die Fähre war am Donnerstag auf dem Victoriasee wenige Meter von der Anlegestelle entfernt gekentert. Als Hauptgrund für das Unglück nannte Präsident Magufuli Überladung. Auf dem Schiff waren nach Schätzungen mehr als 300 Menschen, nur etwa 100 von ihnen konnten gerettet werden.

Am Samstag, zwei Tage nach dem Unglück, konnte ein Mann von den Rettungskräften lebend aus dem Wrack geborgen werden. Der Maschinist hatte sich in einem Raum mit ausreichend Luft zum Überleben eingesperrt. Nach der Rettung wurde er sofort in ein Krankenhaus gebracht.

Seit Freitag wurden fast 200 Todesopfer geborgen, zu den genauen Zahlen gab es unterschiedliche Angaben. "Aber es ist klar, dass im Rumpf des Schiffes weitere Leichen sind", sagte der Präsident. Inzwischen werden die Rettungsarbeiten von professionellen Tauchern unterstützt. Wegen des Unglücks ordnete Magufuli eine viertätige Staatstrauer an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. September 2018 | 11:28 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2018, 13:02 Uhr

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3 Kommentare

22.09.2018 22:14 Baldur von Ascanien 3

Sogar dort haben sie Fachkräftemangel! Oder um es mal mit Schäuble zu sagen, alle Tüchtigen sind schon hier.

22.09.2018 21:44 Max W. - Hakuna Matata... 2

@22.09.2018 20:19 Fragender Rentner (Der Boß ist schon wieder nicht an Bord? Soll auch überfüllt gewesen sein!)

Warum sollte er? Entweder es fährt oder eben nicht. Wenn nicht jetzt, dann vielleicht morgen. Oder garnicht. Und natürlich war die Fähre überfüllt - sie wird immer überfüllt gewesen sein, nur diesesmal eine Nummer zu heftig. Das Allerschärfste ist aber der Satz: "Stattdessen habe er das Ruder jemandem überlassen, der für das Führen eines Schiffes keine Ausbildung habe."
Das ist so brüllend komisch und so absolut lächerlich angesichts der dort herrschenden Verhältnisse, na, lassen wir das...

Sie sollten einfach mal ein paar Jahre beruflich(!) in der Gegend verbringen. Danach werden sie das Merkelsche "Gerede" (Heidegger) erst so richtig einzuschätzen wissen. Und beten, dass die Zahl der Kernkraftwerke auf dem afrikanischen Kontinent bei maximal Null bleibt.

22.09.2018 20:19 Fragender Rentner 1

Der Boß ist schon wieder nicht an Bord?

Soll auch überfüllt gewesen sein!