Ein wegen fahrlässiger Tötung Angeklagter sitzt zu Prozessbeginn neben seinen Anwälten im Sitzungssaal im Landgericht Würzburg
Vor Gericht sitzt der Mann mit den langen dunkelblonden Haaren und dem Vollbart zusammengesunken auf seinem Stuhl, weint viel und antwortetet den Richtern nur mit einem Kopfnicken oder -schütteln. Immer wieder vergräbt er kopfschüttelnd den Kopf in seinen Händen, blinzelt Tränen weg. Bildrechte: dpa

Tote Teenager in Gartenlaube Urteil nach Tragödie von Arnstein: 18 Monate Bewährung

BRISANT | 26.10.2017 | 17:15 Uhr

In seiner Gartenhütte starben sechs Teenager durch Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Der Vater von zwei der Toten ist wegen fahrlässiger Tötung zu einer 1,5-jährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zum Prozessauftakt bedauerte der die Tragödie zutiefst.

Ein wegen fahrlässiger Tötung Angeklagter sitzt zu Prozessbeginn neben seinen Anwälten im Sitzungssaal im Landgericht Würzburg
Vor Gericht sitzt der Mann mit den langen dunkelblonden Haaren und dem Vollbart zusammengesunken auf seinem Stuhl, weint viel und antwortetet den Richtern nur mit einem Kopfnicken oder -schütteln. Immer wieder vergräbt er kopfschüttelnd den Kopf in seinen Händen, blinzelt Tränen weg. Bildrechte: dpa

Jetzt fiel das Urteil. Im Prozess um den tragischen Erstickungstod von sechs jungen Menschen in einem Gartenhaus im unterfränkischen Arnstein hat das Landgericht Würzburg den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er erhielt wegen fahrlässiger Tötung am Donnerstag eine Haftstrafe von 18 Monaten zur Bewährung, wie ein Gerichtssprecher am Donnerstag mitteilte. Das Gericht stellte zwar grobe Fahrlässigkeit fest, es blieb mit dem Strafmaß aber unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Emotionale Erklärung zum Prozessauftakt

Zum Prozessbeginn war es ruhig im großen Saal des Landgerichts Würzburg, während der Verteidiger des Angeklagten dessen persönliche Erklärung verlas. Nur das Weinen und Schluchzen des 52-Jährigen durchbricht die Stille. Der Vater hat seine zwei ältesten Kinder verloren - weil er einen Stromgenerator in seiner Gartenlaube falsch aufgestellt hatte. Seine Tochter, sein Sohn und vier weitere junge Leute im Alter von 18 und 19 Jahren starben deshalb im Januar an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Am ersten Prozesstag hat der Unterfranke die volle Verantwortung dafür übernommen. Der Vater steht wegen sechsfacher fahrlässiger Tötung vor Gericht. Ein Stromgenerator, der im Technikraum seiner Gartenlaube aufgestellt war, war nicht für Innenräume geeignet. Der Anklageschrift zufolge soll der 52-Jährige zudem eine wackelige Abgasableitung gebastelt haben, die im Laufe des Abends zusammengebrochen war.

Ich kann es mir nicht erklären. Ich will aber keine Schuld von mir weisen.

Strafverteidiger Hubertus Krause aus einer Erklärung des Angeklagten

"Es sollte ein schöner Geburtstag werden"

Vor Gericht versucht der Kraftfahrer, so ausführlich wie möglich den Tag und die Vorbereitungen für den 18. Geburtstag seiner ältesten Tochter zu beschreiben. Er erzählt, dass er sogar ein Feuerwerk gekauft und eine Genehmigung für das Abbrennen besorgt hatte. "Es sollte ein schöner Geburtstag werden." An dem Tag war es sehr kalt. Die Wasserrohre der Laube waren eingefroren. Damit es die jungen Leute bei der Feier im Garten warm haben, fuhr er dreimal zum Grundstück. Er heizte den Holzofen an, brachte später die Geburtstagstorte und das Essen. Der Stromgenerator im Technikraum lief fast ununterbrochen.

Kohlenmonoxid-Tod in der Gartenlaube

Am Abend kamen dann seine Tochter und die fünf Jungs. Er habe ihnen zum Abschied noch viel Spaß gewünscht und gesagt, dass sie es nicht übertreiben sollen. Das Telefon legte er beim Schlafengehen extra neben das Bett. "Damit ich es mitbekomme, falls die Kinder noch etwas brauchen. Ich hörte aber nichts mehr von ihnen." Das tödliche Gas, das nicht gerochen und geschmeckt werden kann, hatte sich schnell in der Hütte ausgebreitet. Der Anklageschrift zufolge starben die sechs Teenager vermutlich schon ein bis zwei Stunden, nachdem ihre Party gegen 21 Uhr begonnen hatte. Der Vater selbst fand die Jugendlichen am Morgen.

Was im Januar passiert ist, ist die schlimmste Katastrophe meines Lebens. Sie alle waren Freunde, sie alle waren noch so jung.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen

Das Schicksal des 52-Jährigen geht vielen Prozessbeobachtern nahe. Er hat bei der schrecklichen Tragödie zwei seiner Kinder verloren. Für fahrlässige Tötung reicht der Strafrahmen der Staatsanwaltschaft zufolge von einer Geldstrafe bis hin zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Die Verteidiger des Mannes könnten aber auch auf den Paragrafen 60 des Strafgesetzbuches plädieren. Demzufolge kann ein Gericht von einer Strafe absehen, wenn die Folgen der Tat für den Täter bereits so schwer sind, dass die Verhängung einer Strafe offensichtlich verfehlt wäre. Gerichtssprecher Michael Schaller gab allerdings zu bedenken, dass nicht nur die Kinder des Angeklagten, sondern auch vier weitere Jugendliche in der Gartenlaube starben. Zwei Familien sitzen als Nebenkläger im Gerichtssaal. Nebenklage-Anwalt Wolfgang Kunz über seine Mandanten: "Es geht ihnen nicht gut. Sie haben ihr einziges Kind verloren." Für das Verfahren hat das Gericht drei Prozesstage angesetzt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Oktober 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2017, 19:52 Uhr