Der um die Bitte um Mitnahme mit einem Auto ausgestreckte Daumen einer  Anhalterin
Ein Restriskio bleibt - und doch gibt es immer wieder Argumente für diese Art zu reisen. Bildrechte: dpa

Per Anhalter unterwegs Wie gefährlich ist Trampen?

Nach dem Verschwinden einer Studentin aus Leipzig warnt die Polizei erneut vor dem Trampen. Aber warum stellen sich Menschen immer wieder mit ausgestrecktem Daumen an die Straße und bitten um Mitnahme? Wir haben in Leipzig nach Antworten gesucht.

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

Der um die Bitte um Mitnahme mit einem Auto ausgestreckte Daumen einer  Anhalterin
Ein Restriskio bleibt - und doch gibt es immer wieder Argumente für diese Art zu reisen. Bildrechte: dpa

Die Universität Leipzig. Hier studierte Sophia L., die seit ihrem letzten Trampen als vermisst gilt. Unter den Studenten sind viele, die ebenfalls schon einmal per Anhalter unterwegs waren. So wie Freya Leinemann. "Ich hatte nie Angst beim Trampen. Ich hab das schon öfter alleine gemacht. Die Sache gibt jetzt natürlich zu denken, aber ich würde es wieder machen."

Finanzielle Gründe

Die Studentin plant, in ihrem kommenden Urlaub in Island wieder zu trampen: "Island ist sehr teuer. Das weiß ich von einem Bekannten dort. Er hat gesagt, wenn man dort zwei Wochen ist, ist man so viel Geld los, mach das lieber mit trampen." Der finanzielle Aspekt ist aber nur ein Grund.

Daumen hoch - ein Lebensgefühl

Im Internet findet man ganze Plattformen von Menschen, für die Trampen ein Lebensgefühl ist. So wie Jona Redslob vom ersten deutschen Tramper-Verein "Abgefahren e.V." Er ist gerade von Marseille nach Prag getrampt: "Es reizt mich einfach, weil es unglaublich flexibel ist. Man kommt auf eine ganz andere Art durch die Welt und lernt Leute dabei kennen. Es ist eine ganz wunderbare Form des Austauschs, die nicht auf Geld beruht, sondern einfach so funktioniert."

Polizei: Kontaktperson auf dem Laufenden halten

Trampen berge aber immer eine Gefahr, sagt Tom Bernhard vom Landeskriminalamt Sachsen: "Man begibt sich unter Umständen in Gefahrenmomente. Wir reden hier insbesondere von Frauen. Es kann zu Übergriffen kommen, zu Sexualdelikten oder zu Körperverletztungen."

Polizeiliche Statistiken über Straftaten an Trampern gibt es laut LKA nicht. Erwiesen ist aber, dass bei Männern zwischen 20 und 35 Jahren die Quote der Straftaten vergleichsweise hoch ist. Deshalb sollte man sich gut überlegen, zu wem man ins Auto steigt, rät Tom Bernhard: "Möglichst nie alleine trampen, gerade als junge Frau sollte man darauf achten, dass man bei Paaren oder Frauen ins Auto steigt. Und man sollte versuchen, Fahrzeugtyp und vielleicht auch das Kennzeichen an eine Kontaktperson weiterzugeben. So ist man immerhin grob ortbar."

Warnung vor alkoholisierten Fahrern

Jona Redslob vom Tramperverein "Abgefahren" rät ebenfalls zu Wachsamkeit, möchte aber vor falschen Rückschlüssen warnen. "Die Gefahren sind meiner Meinung nach Sachen, die unter Umständen auch in anderen Situationen passieren können. Unsere Erlebnisberichte bezeugen aber immer wieder, dass es viel häufiger dazu kommt, dass man in ein Auto steigt und im Laufe der Fahrt merkt, dass die Person am Steuer Alkohol oder andere Drogen konsumiert hat und nicht so sicher fährt."

Bei Verdacht sofort Alarm schlagen

Denn dabei sind sich erfahrene Tramper und Polizei einig: Ein Restrisiko bleibt immer bestehen. Sobald der Fahrer von der Strecke abweiche oder sich seltsam benehme, sollte man sofort handeln und die Fahrt beenden oder notfalls in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erregen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2018 | 07:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2018, 10:05 Uhr

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15 Kommentare

23.06.2018 16:01 Max 15

Vorurteile sind meist eher kollektive Nachurteile.
Auch wenn es meist Pauschalurteile sind.
Jeden Tag wenden wir sie an, um zu überleben.

23.06.2018 09:58 Reisende-Tramper 14

@12: Richtig ist das es für beide Seiten gefährlich ist zu trampen!
Aber eine billigere möglichkeit von A nach B zu kommen als zu Trampen - die zeig mir mal!
Recht hast Du das Trampen nicht mehr so beliebt ist , was aber auch daran liegt das nur noch wenige anhalten! :-/
Mir kann auch bei ner Mitfahrzentrale oder im Bus was passieren (Unfall , belästigung d.R.).
Beim Trampen kommt man auch leichter mit Leuten ins Gespräch.... Wie gesagt - Schwarze Schafe hast Du überall , egal ob bei Mitfahrzentrale , im Bus , Zug , als Tramper bzw Anhalter.

Evtl alles verbieten ;) nix ist sicher!

22.06.2018 22:00 Malenka Radi 13

Ich finde das Recht auf Mobilität sollte ein Grundrecht werden. Und wenn jemand sich keine Fahrkarte leisten kann, sollte es Methoden geben, wie man sich bewegen kann, ohne straffällig zu werden. Ich schlage vor, es sollte gesponsorte Tickets geben, für Notlagen z.B. oder auch für andere Gründe, wie zum Liebsten zu wollen... (.-) )!
Ich denke Mobilität ist eine Herausforderung und BlaBlaCar, sowie ähnliche Mitfahrzentralen sollten auch über Tauschkonditionen nachdenken, um das Leben ohne Geld, und ohne digitale Kontrolle noch möglich zu machen.
Eine große Herausforderung! Außerdem braucht es mehr Aufklärung in Bezug auf Gefahren in zwischenmenschlichen Kontexten!! Umdenken, und modern denken, für alle, die neue Wege suchen!!
MR

22.06.2018 16:58 Mehr Sicherheit unterwegs 12

Auch für diejenigen, die Anhalter mitnehmen, besteht ein hohes Risiko. Entsprechende Leute sind auf beiden Seiten unterwegs. Eine Frau sollte wenn überhaupt besser nur eine andere Frau mitnehmen.
Im Grunde ist Trampen aber doch völlig aus der Zeit gefallen zumal es genügend bessere billige Reisemöglichkeiten gibt. Die Gefahr für Leib und Leben ist einfach zu groß! Außer für diejenigen vielleicht, denen es egal ist.
Mitfahrzentralen sind jedenfalls schon abenteuerlich genug und etwas für Leute mit Nerven.
Nur geht es hier nicht zuletzt um ein Verbrechen an einer jungen Frau! Das sollte nicht so einfach hingenommen werden, zumal wenn Frauen ja leicht auch anderen unangenehmen und bedrohlichen Situationen ausgesetzt sind, es zu viele Opfer gibt. Da braucht es endlich einen Aufschrei statt weiterem Schweigen. Denn letztlich geht es um mangelnde Gleichberechtigung und Sexismus gegen Frauen, wie auch das Täterprofil ja erkennen lässt, dass männliche Gewalt das Problem ist!

22.06.2018 16:22 mattotaupa 11

@#7: "Genau deswegen ist trampen in der USA verboten." wäre mir zwar neu und ist als bundesgesetz äußerst unwahrscheinlich, da die ja nicht mal durch schulschießereien zu irgendwelchen reaktionen animiert werden, aber daß die amis das prinzip hitchhiking generell nicht verstanden haben, wurde schon 2015 durch die zerstörung des hitchbots bewiesen. bei all den recht aktuellen reiseberichten zum trampen in den usa, kennt entweder keiner das gesetz oder keiner schert sich darum oder es gibt einfach kein generelles verbot. welche strafe soll darauf stehen? wasserstrahl und kleinkrieg im wald wie bei rambo, lebenslänglich, todesstrafe oder nur kindesentzug?

22.06.2018 16:08 mattotaupa 10

@#1: "Lebensgefährlich für Frauen." warum nur für frauen? in münchen gabs 2011 ne verhandlung, weil ne tramperin dem fahrer n taschenmesser über die kehle gezogen hat und mehrmals auf ihn eingestochen hatte. die hatte aber wohl generell ein problem beim zwischenmenschlichen umgang. trampen ist wohl so gefährlich, wie jede andere situation, bei welcher man sich in den machtbereich eines anderen menschen begibt, welchen man halt nicht kennt. da kann der sonst freundliche nachbar zum täter werden oder halt der one-night-stand böse enden. @#5: irgendwie müssen ja die bösen ausländer wieder ne rolle spielen, gelle? fragen wir doch mal andrea s. ... achne, die fand man 1991 in der uckermark aber der günter g. war bestimmt auch so ein böser moslem ... wie auch der "anhalter-mörder" mit 5 opfern in der aachener gegend ... mein gott, solange es menschen gibt, gibt es auch gewaltverbrechen, meist von männern begangen ...

22.06.2018 14:03 Gohlis 9

@Werner: In München wurde 2011 eine Tramperin wegen Mordversuches an einem Autofahrer verurteilt. Sicher selten, und die Statistik wird Ihnen schon Recht geben, aber wir sollten uns in allen Lebensbereichen vor schwarz-weiß-Malerei und Pauschalurteilen hüten.

22.06.2018 13:50 Pfingstrose 8

Lieber das Geld zusammen sparen für ein Fahrticket mit der Bahn als durch trampen Opfer eines Verbrechens zu werden. Studenten erhalten doch auch ein Stupentium.

22.06.2018 13:27 Blumenfreund 7

Genau deswegen ist trampen in der USA verboten.

22.06.2018 13:06 Werner 6

@Gohlis 2: Eine Analyse als wissenschaftliche Studie wäre interessant. Bin früher selbst regelmäßig getrampt. Nie was passiert - kaum was bekannt. Für Autofahrer besteht heute zunehmend die Gefahr, dass sie durch Trickbetrüger ausgeraubt, das Auto gestohlen.. "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" - hat viele neue Ursachen. Für Tramper-Innen, dass sie belästigt, vergewaltigt und getötet werden. Eine Vergewaltigung oder Tötung eines ahnungslosen Mannes, durch eine gefährliche Frau zwischen 20 und 35, ist mir bisher nicht bekannt. Das wäre noch viel mehr blanker Sexismus. Bei Frauen ist keine "...steuerung" bekannt. Habe nicht mal eine "oberflächliche" Analyse gefunden. Nur SpiegelOnline vom 13.05.2008 = 10 Jahre alt: "Früher eroberten Jugendliche Deutschland und die Welt noch per Anhalter von Ausfallstraßen und Autobahnraststätten aus - und erlebten Freiheit, Frust und reichlich Abenteuer. Heute würden NICHT MAL die Tramper von einst ihren Kindern solche Touren erlauben..." Ich auch nicht...

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