Polizisten stehen an einem Sichtschutz an einer Straßenbahn.
In dieser Straßenbahn ereignete sich die Bluttat. Bildrechte: imago images / Hollandse Hoogte

Niederlande Drei Tote bei Angriff in Utrecht

Bei einem Angriff in einer Straßenbahn im niederländischen Utrecht sind drei Menschen getötet worden. Ob ein Terroranschlag oder eine Beziehungstat dahinter steckt, ist unklar. Der mutmaßliche Schütze wurde festgenommen.

Polizisten stehen an einem Sichtschutz an einer Straßenbahn.
In dieser Straßenbahn ereignete sich die Bluttat. Bildrechte: imago images / Hollandse Hoogte

Bei einem schweren Angriff im niederländischen Utrecht sind drei Menschen getötet worden. Fünf weitere Personen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Ein Mann hatte am Montagmorgen in einer Straßenbahn und an anderen Orten im Westen der 350.000-Einwohner-Stadt um sich geschossen.

Zwei Männer festgenommen

Die Polizei nahm den mutmaßlichen Schützen später fest. Der 37-jährige Gökmen T. sei bei einer Wohnungsdurchsuchung gefasst worden, teilte Polizeichef Rob van Bree am Abend bei einer Pressekonferenz mit. Die Polizei hatte zuvor via Twitter nach dem in der Türkei geborenen Mann gefahndet.

Im Zusammenhang mit der Tat wurde den Polizeiangaben zufolge auch ein zweiter Verdächtiger festgenommen. Es sei aber unklar, inwieweit er beteiligt gewesen sei. Der Vorwurf laute auf Verdacht des Totschlags mit einem terroristischen Motiv.

Terroristisches Motiv oder Beziehungstat?

Polizisten laufen im abgesperrten Bereich des Tatortes.
Polizeikräfte sicherten weiträumig den Tatort. Bildrechte: imago images / Hollandse Hoogte

Über das Motiv des Täters wurde dennoch weiter gerätselt. Rutger Jeuken vom niederländischen Innenministerium sagte am Abend, die Spuren deuteten auf ein terroristisches Motiv hin, man könne jedoch auch andere Motive nicht ausschließen. Am Nachmittag hatte ein Polizeisprecher gesagt: "Es könnte auch sein, dass es eine Beziehungstat ist."

Zuvor hatte unter anderem die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf nicht näher benannte Verwandte von Tanis berichtet, dass der 37-Jährige auf eine Frau wegen einer Familienangelegenheit geschossen habe. Dann habe er das Feuer auf die Menschen eröffnet, die der Frau hätten helfen wollen.

Mutmaßlicher Schütze polizeibekannt

Utrecht: Ein Polizist steht an einem Sichtschutz vor einem Straßenbahnwagen. Nach Angaben der Polizei sollen in der Straßenbahn Schüsse gefallen sein.
Bei dem Angriff in der Tram wurden drei Menschen getötet und fünf verletzt. Bildrechte: dpa

Nach Angaben des Innenministeriums in Den Haag ist der mutmaßliche Schütze polizeibekannt. Medienberichten zufolge hat er ein langes Vorstrafenregister: Im Dezember 2013 wurde er wegen versuchten Mordes verurteilt, vor zwei Wochen begann eine Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs. Darüber hinaus sei er bereits wegen Ladendiebstahls, Sachbeschädigung und Beleidigung vor Gericht gestellt worden.

Ministerpräsident spricht von Anschlag

Krankenwagen stehen auf einer Straße in Utrecht.
In Utrecht herrschte nach dem Angriff die höchste Terrorwarnstufe 5. Bildrechte: dpa

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte und Utrechts Bürgermeister Jan van Zanen hatten den Zwischenfall am Nachmittag zunächst als "Anschlag" bezeichnet. In einer Pressekonferenz schloss Rutte einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Unmittelbar nach der Tat war die höchste Terrorwarnstufe 5 in der Provinz Utrecht ausgerufen worden.

Die Menschen in Utrecht waren unmittelbar nach der Tat aufgerufen worden, ihre Häuser nicht zu verlassen. Am Nachmittag gab es dann eine erste Entwarnung.

Bundespolizei verstärkt Grenzkontrollen

Im Nachbarland Deutschland verstärkte die Bundespolizei nach dem Zwischenfall ihre Kontrollen an der Grenze zu den Niederlanden. Kontrolliert wurde auf Autobahnen, Bundesstraßen, an kleineren Grenzübergängen und in Zügen. Utrecht ist die viertgrößte Stadt der Niederlande und liegt rund 75 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 22:45 Uhr