Mann hebt Kind vor Sonnenuntergang in die Luft
Mit dem gemeinsamen Kind eine Kur absolvieren - lange war das vor allem Sache der Mütter. Doch nach und nach kommen die Angebote auch bei den Vätern an. Bildrechte: Colourbox.de

Gesundheit und Familie Vater-Kind-Kuren werden langsam aber sicher beliebter

Seit zehn Jahren haben Väter das Recht, genauso wie Mütter mit ihren Kindern eine Kur zu machen. Dennoch bleiben Eltern-Kind-Kuren in den meisten Fällen Sache der Mütter: In Sachsen-Anhalt zum Beispiel werden nur rund sechs Prozent der bewilligten Kuren von Vätern beantragt. Warum ist das so? Und inwiefern wandelt sich dieser Trend nun langsam?

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL

Mann hebt Kind vor Sonnenuntergang in die Luft
Mit dem gemeinsamen Kind eine Kur absolvieren - lange war das vor allem Sache der Mütter. Doch nach und nach kommen die Angebote auch bei den Vätern an. Bildrechte: Colourbox.de

Stephan Kron kommt mit einem freundlichen Lächeln durch die Tür. Vor kurzem war er auf einer Kur, sein Sohn hat ihn begleitet. Das hatte ihm sein Arzt geraten, daraufhin stellte er einen Antrag bei seiner Krankenkasse, der AOK. Hier arbeitet Kron auch, vielleicht gehört er deswegen zu den wenigen Vätern, die von dieser Möglichkeit wissen.

Für ihn war die Vater-Kind-Kur ein großer Erfolg: "Wir waren drei Wochen weg, das war eine sehr intensive Zeit auf sehr engem Raum. Man lebt mit dem Kind in diesen zwei Zimmern, verbringt den Tag zum allergrößten Teil miteinander. Das hat schon eine Menge für die Beziehung zum Kind gebracht, glaube ich - und natürlich für einen selbst auch. Drei Wochen mal raus aus dem normalen Alltag, abschalten können, bisschen was für die Gesundheit tun. Es bringt auf jeden Fall etwas."

Väter deutlich in der Unterzahl - noch

Auf einer Vater-Kind-Kur werden die Väter therapiert, wenn es der Arzt verordnet, manchmal auch die Kinder. Ganz langsam wird das Thema für immer mehr Männer interessant. Antonia Christen von der AWO in Magdeburg hat 2017 zehn Männer zu Vater-Kind-Kuren beraten. Allein bis Mai waren es dagegen 50 Mütter. Die Tendenz steige – zwar langsam, aber sie steige, so die Beraterin: "Das dringt nach außen, die Väter informieren sich oder hören das. Die Mundpropaganda ist sehr groß. Und sie kommen dann auch hierher und wollen Informationen und Beratung haben und so einen Antrag stellen." Vielen Vätern sei das Angebot der Krankenkassen noch nicht bekannt.

Angst, "schwach" zu erscheinen?

Jetzt, wo viele Männer sich mehr in der Familie einbringen, gebe es außerdem eine Doppelbelastung, die viele Väter nicht gern besprächen: Sie sind voll berufstätig, übernehmen aber auch öfter Aufgaben im Haushalt und Erziehungsverantwortung. Genau wie für die Mütter sei es dann manchmal auch für die Väter zu viel, erklärt Sebastian Heimann vom Deutschen Familienverband: "Es ist zum anderen auch das Selbstverständnis des Mannes. Er muss Stärke zeigen, er muss sich bewähren, er muss seinen Platz behaupten. Aber unter diesem Gesichtspunkt gibt es für so einen Mann eben keinen Platz für Zweifel, Ängste oder Kraftlosigkeit - bis es dann tatsächlich zu spät ist, er krank wird und dann auch die ganze Familie."

Oft längere Wartelisten

Eltern-Kind-Kuren sind generell sehr stark nachgefragt, erklärt Candy Ross von der AOK Sachsen-Anhalt: "Der Bereich Mutter-Kind- und Vater-Kind-Kuren ist sehr gut ausgebucht. Wir haben oft leider eine sehr lange Warteliste. Aber das liegt nicht an uns, sondern wirklich an den Kapazitäten der Einrichtungen. Das Thema Mutter-Kind-Kur ist ein sehr präsentes Thema und wird eben auch sehr gern und sehr viel von unseren Versicherten in Anspruch genommen. Es gibt immer die Chance auf einen Restplatz, sodass man doch schnell starten kann. Aber oft ist es halt auch ein halbes Jahr Wartezeit."

Für Stefan Kron hat sich das Warten gelohnt: Er will mit seinem Sohn sobald wie möglich wieder auf eine Kur fahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Dezember 2017 | 06:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Dezember 2017, 10:50 Uhr

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