Schwangere bei einer Ultraschalluntersuchung.
Künftig sollen nur noch medizinisch notwendige 3D- und 4D-Ultraschallaufnahmen entstehen. Bildrechte: imago/Science Photo Library

3D- und 4D-Ultraschall ab 2021 verboten Aus für das "Babyfernsehen"

Die Vorfreude während einer Schwangerschaft ist riesengroß. Werdende Eltern stellen sich gern vor, wie das Baby wohl einmal aussehen wird. Diese Neugier wird dank moderner Technik auch schon vor der Geburt gestillt, Ultraschall macht's möglich. Allerdings nicht mehr lange. Denn ab 2021 wird dem Baby-TV ein deutlicher Riegel vorgeschoben.

von Grit Bobe, MDR AKTUELL

Schwangere bei einer Ultraschalluntersuchung.
Künftig sollen nur noch medizinisch notwendige 3D- und 4D-Ultraschallaufnahmen entstehen. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Alles, was der Arzt für notwendig hält, ist weiter erlaubt – alles, was darüber hinaus geht, nicht mehr. So könnte man kurz und verständlich zusammenfassen, was im offiziellen Statement des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit so klingt:

Nach der am 31. Dezember 2018 in Kraft getretenen Modernisierung des Strahlenschutzrechtes durch die 'Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen' sind Untersuchungen, die nicht der Diagnostik dienen, also nicht durchgeführt werden, um medizinische Fragestellungen zu beantworten, künftig verboten.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Nur Medizin, keine Souvenirs

Heißt: Wer dank Baby-TV einfach nur ein weiteres Erinnerungsfoto in 3D haben oder mit der engen Verwandtschaft einen kurzen Film vom Nachwuchs schauen und das Ganze selbst bezahlen will, hat dafür ab 2021 schlechte Karten.

Das sei ein Schritt in die richtige Richtung, meint Stephanie Hahn-Schaffarczyk vom Sächsischen Hebammenverband: "Ich begrüße das sehr, sich wieder auf das Handwerk als solches zu besinnen und den Frauen ein Stück weit wieder das Gefühl zu vermitteln, auf ihren Bauch, der da wächst, zu hören und sich zu besinnen." Man müsse nicht alles durch Bildmaterial bestätigen lassen, sondern sollte einfach in freudiger Erwartung sein, findet die Hebamme.

Erhöhte Belastung

Doch warum wird das Baby-Fernsehen nun verboten? Bislang gehen die meisten Eltern davon aus, dass Ultraschall ungefährlich ist. Aufnahmen mit einer höheren Auflösung aber könnten die Gesundheit des Ungeborenen gefährden.

Das Ministerium teilt MDR AKTUELL schriftlich mit: "Dabei werden Ultraschallgeräte mit verbesserter Bildgebung eingesetzt, welche mit einer höheren Ultraschallleistung arbeiten. Dies ist mit einem potenziellen Risiko für das ungeborene Kind verbunden. Im Gegensatz zur Ultraschallanwendung zur vorgeburtlichen Diagnostik, bei der ein Arzt im Einzelfall den Nutzen gegenüber dem Risiko abwägt, findet eine solche Betrachtung hier nicht statt."

So wenig wie möglich

Mehrere Studien, ergänzt Irene Behrmann vom Verein "Greenbirth", hätten bereits ergeben,

dass der Ultraschall so kurz wie möglich und so selten wie irgend möglich angewandt werden soll, aufgrund der ganz klaren Ergebnisse im Tierversuch und an lebendigen Zellmaterial.

Irene Behrmann | "Greenbirth"

Dennoch würden neben Gynäkologen und zahlreichen privaten Anbietern auch die Krankenkassen derzeit noch weiter mit Zuschüssen für ein 3D-Foto oder gar ein 4D-Filmchen werben: "Das ist auch etwas, was wir seit Jahren kritisieren. Dass Krankenkassen an dieser Stelle dazu beitragen, dass die Einstellung zum Ultraschall verharmlost wird." Durch Werbung würden bei Eltern Bedürfnisse geweckt. Es sei mit nichts zu vertreten, wenn solche Leistungen bezuschusst würden.

Praxen noch nicht informiert

MDR AKTUELL hat stichprobenartig auch Frauenärzte und Anbieter von kommerziellen 3D- oder 4D-Aufnahmen befragt: Aus einer Leipziger Praxis hieß es, von einem Verbot habe man noch nichts gehört, es werde viele Patientinnen aber sicher enttäuschen. Eine Anbieterin eines Baby-Kinos aus Sachsen-Anhalt erklärte, sie habe einen Anwalt eingeschaltet, um das Gesetz eventuell noch verändern zu können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Januar 2019 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2019, 11:17 Uhr