Das Kreuzfahrtschiff Viking Sky erreicht den Hafen in der norwegischen Kleinstadt Molde nachdem es auf See in Not geraten war.
Die "Viking Sky" bei ihrer Ankunft in Molde. Bildrechte: dpa

Havariertes Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" ist in Sicherheit

Das Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" ist erfolgreich in den Hafen Molde geschleppt worden. "Wir haben es geschafft", schrien die Passagiere bei der Ankunft, berichtet das norwegische Fernsehen. Für hunderte Menschen an Bord geht eine beängstigende Reise zu Ende. Insgesamt 17 Personen wurden verletzt. Nach Angaben des Roten Kreuzes sind viele Fahrgäste traumatisiert.

Das Kreuzfahrtschiff Viking Sky erreicht den Hafen in der norwegischen Kleinstadt Molde nachdem es auf See in Not geraten war.
Die "Viking Sky" bei ihrer Ankunft in Molde. Bildrechte: dpa

Das vor der Küste Norwegens in Seenot geratene Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" ist ohne Zwischenfälle in den Hafen Molde geleitet worden. Das meldet der norwegische Rundfunk NRK. Die Passagiere und viele Menschen an der Hafenpromenade jubelten, als das Schiff anlegte.

Das Schiff wurde am Sonntag zunächst mit Hilfe von Schleppern langsam in Richtung des Hafens der Stadt Molde gebracht. Später schaffte es das Schiff, aus eigener Kraft vorwärts zu kommen. Drei von vier Motoren funktionierten wieder. Die Evakuierung der "Viking Sky" mit Hubschraubern wurde während der Fahrt nach Molde ausgesetzt. Bis dahin waren rund 480 Menschen auf dem Luftweg an Land gebracht worden. Bis zur Ankunft in Molde harrten fast doppelt so viele Menschen weiter an Bord aus.

Schreckliche Erlebnisse an Bord

Die Passagiere, die bereits an Land gebracht werden konnten, berichteten in der Nacht von schrecklichen Erlebnissen an Bord. Der Amerikaner Rodney Horgen sagte dem norwegischen Sender NRK:

Ich musste an die Titanic denken. Ich dachte, das wäre das Ende.

Rodney Horgen, Passagier der "Viking Sky"

Er habe gerade im Restaurant gesessen, als das Schiff heftig zu schwanken begonnen habe, erzählte Horgen weiter. Teller seien von Tischen geflogen, Menschen zu Boden gegangen. Ein Fenster oder eine Tür sei zu Bruch gegangen und eine Welle ins Schiffsinnere geschwappt.

Einsatzkräfte warten an Land als das Kreuzfahrtschiff Viking Sky den Hafen in der norwegischen Kleinstadt Molde erreicht, nachdem es auf See in Not geraten war.
Einsatzkräfte erwarten im Hafen von Molde die Ankunft der "Viking Sky". Bildrechte: dpa

"Ich hatte Angst. Ich habe noch nie so etwas Beängstigendes erlebt", sagte eine andere Passagierin, Janet Jacob, ebenfalls dem norwegischen Rundfunk. "Ich habe zu beten begonnen, ich habe für die Sicherheit von allen an Bord gebetet."

15 Meter hohe Wellen

Aufnahmen zeigten, wie das rund 230 Meter lange Schiff in dem Sturm heftig schwankte. Bei bis zu 15 Meter hohen Wellen rutschten Sessel, Tische und Pflanzen hin und her. Auch Deckenteile fielen herunter. Das Schiff drohte vorübergehend sogar auf Grund zu laufen. Nach Angaben des norwegischen Fernsehens war es davon zeitweise nur noch 100 Meter entfernt.

Das Rote Kreuz teilte mit, viele der geretteten Passagiere seien traumatisiert. Sie würden an Land psychologisch betreut. Insgesamt wurden bei dem Unglück 17 Personen verletzt, drei davon schwer. Damit die Reisenden und die Besatzungsmitglieder am Sonntag ideal versorgt werden können, riefen die norwegischen Behörden die Bevölkerung dazu auf, nicht zum Hafen in Molde zu kommen.

Ministerpräsidentin dankt Einsatzkräften

Die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg dankte den an der Rettungsaktion beteiligten Einsatzkräften. "Das ist ein dramatischer Tag für die Passagiere und Rettungsmannschaften gewesen", schrieb Solberg am Sonntag auf Twitter. Die tüchtigen Rettungskräfte, Freiwilligen und anderen Beteiligten hätten einen unschätzbar wichtigen Einsatz unter herausfordernden Bedingungen gezeigt.

Zwei Frauen aus Deutschland an Bord

Die Reederei Viking Ocean Cruises teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass auch zwei deutsche Frauen unter den Passagieren seien. Bis Sonntagnachmittag war jedoch unklar, ob die 74- und 66-jährigen Frauen in der Nacht mit Hubschraubern gerettet wurden oder die Fahrt nach Molde noch mitmachten.

Die "Viking Sky" war während eines Sturms am frühen Samstagnachmittag im Küstenabschnitt Hustadvika in der Nähe von Kristiansund in Seenot geraten. Das Schiff befand sich auf dem Weg von Tromsö in Nordnorwegen nach Stavanger im Süden, als es wegen eines Motorschadens einen Notruf absetzte. Insgesamt waren nach Angaben der Reederei 915 Passagiere und 458 Besatzungsmitglieder an Bord.

Die Rettungsarbeiten wurden dadurch erschwert, dass am Samstag zusätzlich ein Frachter in Seenot geriet. Die "Hagland Captain" wollte der "Viking Sky" zu Hilfe kommen, meldete dann aber ebenfalls einen Maschinenschaden. Auch die neunköpfige Crew des Frachters konnte gerettet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELLFernsehen | 24. März 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2019, 22:18 Uhr