Rauchwolken steigen beim Moorbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen auf.
Dicke Rauchwolken über dem Bundeswehr-Testgelände bei Meppen. Nach einem Raketentest brennt es dort seit gut zwei Wochen auf mehreren hundert Hektar. Bildrechte: dpa

Brandstifter Bundeswehr Von der Leyen entschuldigt sich für Moorbrand

Seit über zwei Wochen schwelt auf einem Bundeswehr-Testgelände bei Meppen ein Moorbrand. Ministerin von der Leyen entschuldigte sich nun persönlich bei Anwohnern und dankte Helfern. Doch die Kritik an der Bundeswehr wächst. Sie hatte erst elf Tage nach Ausbruch des Feuers die örtlichen Feuerwehren informiert. Es laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Rauchwolken steigen beim Moorbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen auf.
Dicke Rauchwolken über dem Bundeswehr-Testgelände bei Meppen. Nach einem Raketentest brennt es dort seit gut zwei Wochen auf mehreren hundert Hektar. Bildrechte: dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat das Moorbrand-Gebiet im Emsland besucht und sich für Fehler der Bundeswehr entschuldigt. Im Gespräch mit Bürgern in Stavern bei Meppen sagte sie: "Wir haben hier wirklich eine Scharte auszuwetzen." So hätte die Truppe die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden schneller zu Hilfe rufen müssen. "Dann hätten wir wahrscheinlich Schlimmeres verhindern können", sagte von der Leyen.

1.000 Soldaten mit Luftunterstützung im Einsatz

Von der Leyen dankte Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks und weiteren freiwilligen Helfern. Um das Feuer zu löschen, sind laut Bundeswehr auf dem unwegsamen Munitions-Testgelände mittlerweile rund 1.000 Soldaten sowie zahlreiche weitere Kräfte von THW, Polizei und Feuerwehr im Einsatz.

Ursula von der Leyen (CDU), Bundesverteidigungsministerin, macht sich ein Bild vom Moorbrand auf dem Bundeswehr-Testgelände und bedankt sich dabei bei den Einsatzkräften der Feuerwehr, die den Moorbrand bekämpfen.
Verteidigungsministerin von der Leyen bedankt sich bei Feuerwehrleuten, die den Moorbrand bekämpfen. Bildrechte: dpa

Die Bundeswehr will den Kampf gegen den Schwelbrand ausweiten. Am Samstagnachmittag sollten Transportflugzeuge und Tornado-Jets zum Einsatz kommen.

Die Jets könnten Fotos und Wärmebildaufnahmen des Moorgebietes machen, um Glutnester im Boden aufzuspüren, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung". CH53-Transporthubschrauber stehen für Löscheinsätze bereit.

Versuchte Bundeswehr Vorfall zu vertuschen?

Das Verteidigungsministerium räumte inzwischen eine schlechte Informationspolitik ein. Die Grünen-Landtagsfraktionschefin Anja Piel hatte es einen Skandal genannt, dass die Bundeswehr erst nach elf Tagen die örtlichen Feuerwehren informiert hatte und das niedersächsische Innenministerium sogar noch später.

Der niedersächsische CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer forderte von der Bundeswehr eine Erklärung, "warum überhaupt bei der extremen Trockenheit mit Raketen geübt wurde und ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden".

Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung

Ursula von der Leyen (CDU, M), Bundesverteidigungsministerin, beantwortet nach ihrem Besuch auf dem Bundeswehr-Testgelände Meppen, wo sie sich über den Moorbrand informierte, mit Anwohnern und Journalisten.
Großes Medieninteresse beim Besuch von Verteidigungsmnisterin von der Leyen auf dem Bundeswehr-Testgelände bei Meppen. Bildrechte: dpa

Der Fall beschäftigt mittlerweile auch die Justiz: Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Brandstiftung gegen Unbekannt. Ermittler durchsuchten die Wehrtechnische Dienststelle.

Der Moorbrand war vor mehr als zwei Wochen auf dem Übungsgelände der Streitkräfte ausgebrochen, als von einem Hubschrauber aus Raketen abgefeuert wurden. Nach Bundeswehrangaben hat der Brand zwischenzeitlich eine 800 Hektar große Fläche erfasst.

Zwischenzeitlich drohte zwei Orten Evakuierung

Wegen des Flächenbrands hatte der Landkreis Emsland am Freitag Katastrophenalarm ausgerufen. Den Ortschaften Groß Stavern und Klein Stavern mit mehr als 1.000 Einwohnern drohte am Freitag zunächst eine Evakuierung. Es bestand die Sorge, dass der Wind Glutnester in einen benachbarten Wald tragen könnte. Daher wurden zusätzliche  Feuerwehr- und Polizeikräfte in den Ort gebracht.

Am Samstag teilte der Kreis mit, Messungen mit mobilen Stationen hätten ergeben, dass "keine akute Gesundheitsgefährdung" durch die Rauchentwicklung bestehe. Auch umweltpolitisch ist der Brand ein Desaster: Mehr als 500.000 Tonnen klimaschädliches CO2 wurden durch das Feuer bereits freigesetzt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. September 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2018, 20:47 Uhr

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9 Kommentare

23.09.2018 18:43 Frank 9

"Wir haben hier wirklich eine Scharte auszuwetzen".
Wer zieht die Verantwortlichen für diesen hirnrissigen Einsatz zur Verantwortung. Was tut die angeblich unabhängige Justiz? Oder ist die BW Staat im Staat und kann tun und lassen was sie will? Schöner Rechtsstaat, man verliert den Glauben an ihn.

22.09.2018 18:36 Frido_Freimann 8

Soweit isses nun schon, die Bundeswehr steckt noch unser eigenes Land an !
Ein tolles Beispiel vom Zustand der Truppe !
Frau von der Leyen als Universaltalent sollte nun endlich mal wieder einen neuen Ministerposten übernehmen.

22.09.2018 18:23 Harzfreund 7

Man kann bei der wochen-, ja monatelangen Trockenheit auch mal der Truppe einen Befehl erteilen, daß sämtliche Übungen und Handlungen, die Brände auslösen können sofort zu unterlassen sind. Aber unsere oberste Soldatin kümmert sich anscheinend lieber um Uniformen für schwangere Soldatinnen.

22.09.2018 18:19 Anni 6

Sowas darf nicht passieren. Wenn die Löschfahrzeuge defekt sind, kann man die Übung nicht durchführen....
Jetzt kann man nur auf Regen hoffen......

22.09.2018 18:15 ein schon länger in Deutschland lebender 5

"Mehr als 500.000 Tonnen klimaschädliches CO2 wurden durch das Feuer bereits freigesetzt."

na toll und die Dieselfahrzeuge?

in den Städten werden Fahrverbote verhängt und hier spiel es keine Rolle.

22.09.2018 17:56 Zu 2: über das Funktionieren in der Bundeswehr... 4

Ja der Export von funktionierenden Waffen in den unsicheren Süden...

22.09.2018 17:28 ach so 3

Man muss noch anmerken, dass die Feuerwehrfahrzeuge der Bundeswehr defekt sind

22.09.2018 17:01 heikorwe 2

hat aber auch gezeigt das bei der bundeswehr doch noch etwas funktioniert

22.09.2018 16:17 Barbara D. 1

Der ganze Sommer war staubtrocken und dann macht die Bundeswehr noch eine Übung mit Raketen,wo dieser Moorbrand entstand . Machen diese Leute sich wirklich noch Gedanken ,was hier mit unsere Umwelt PASSIERT.Hoffentlich verlangen die Einwohner Schadensersatz ,wenn sie ihre Häuser räumen müssen . Unsere Armee darf auch nicht schalten und walten wie sie wollen . Es gibt doch ein Info Dienst und wenn ein Moor brennt dann brennt es .