Ein Paket rollt  im Amazon Logistikzentrum über ein Transportband
Logistikzentren im Ausland und ein optimaler Datenfluss sichern das Geschäft des Onlineversandhändlers Amazon auch in der Weihnachtszeit ab. Bildrechte: dpa

Logistik Warum Amazon immun gegen Streiks ist

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind. Alle Jahre wieder wird mitten im Weihnachtsgeschäft von Amazon gestreikt. Die Gewerkschaften wollen Amazon damit unter Druck setzen. Sie werden nicht müde zu betonen, dass dadurch Weihnachtsgeschenke nicht rechtzeitig ankommen. In der Wirklichkeit passiert das aber kaum. Ist Amazon also immun gegen Streiks?

von Grit Bobe, MDR AKTUELL

Ein Paket rollt  im Amazon Logistikzentrum über ein Transportband
Logistikzentren im Ausland und ein optimaler Datenfluss sichern das Geschäft des Onlineversandhändlers Amazon auch in der Weihnachtszeit ab. Bildrechte: dpa

Amazon-Deutschlandchef Ralf Kleber sagte einst: "Wenn Glatteis ist, juckt uns das weit mehr, als wenn Verdi zum Arbeitskampf aufruft". Drei Jahre ist das her.

Die Aussage aber stehe nach wie vor, meint Kai Hudetz. Der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) erklärt, das liege zum einen an der mangelnden Einschlagkraft der Gewerkschaft.

Mit den bisherigen Maßnahmen ist die Wirkung von Verdi mit den Streiks wirklich homöopathisch. Das trifft das Unternehmen hier dann auch nicht.

Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln

Hudetz weiter: "Auch der Organisationsgrad dürfte nicht sonderlich hoch sein von Verdi bei Amazon. Und die Sinnhaftigkeit dieser Aktionen ist ja durchaus auch bei Arbeitnehmern (...) umstritten."

 Logistikzentren im Ausland

Am Standort Leipzig des US-Versandhändlers Amazon streiken Gewerkschaftsmitglieder. Seit Jahren ringt die Gewerkschaft um einen Tarifvertrag bei Amazon
Trotz Streik kommen die meisten Geschenke rechtzeitig an. Bildrechte: dpa

Die Zahl gibt dem Experten ein Stück weit recht: In Leipzig legten am Montag etwa 350 bis 400 Mitarbeiter die Arbeit nieder. Beschäftigt sind dort derzeit mehr als 2.000 Festangestellte sowie Saisonkräfte. Zum anderen seien einfach alle Prozesse bei Amazon sehr, sehr optimiert, so Hudetz weiter: "Die sind gegen Ausfälle auch gewappnet. Sie haben sich immer stärker ins benachbarte Ausland orientiert, mit Logistikzentren."

Sie haben immer mehr Logistikzentren, sie haben eine ausgefeilte IT. Ich glaube, an der Stelle wird Verdi Amazon nicht treffen können.

Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln

Streiken Bus- und Bahnfahrer, kommen Kunden des öffentlichen Nahverkehrs nicht ans Ziel. Fallen bei Amazon hunderte Mitarbeiter aus, dann wird das Buch für die Tochter oder die Vase für die Schwiegermutter eben nicht aus dem bestreikten, sondern aus einem anderen Lager geliefert. Auch aus Polen oder Tschechien.

Optimaler Datenfluss garantiert pünktliche Lieferung

Hudetz erklärt: "Das wird neu optimiert, neu berechnet, das ist eine wahnsinnige Datenflut, die da zusammenkommt. Aber Amazon hat eben gezeigt, dass es diese Datenflut sehr gut beherrscht und in der Lage ist, doch noch sehr hohe Liefergeschwindigkeiten zu realisieren."

Die schiere Menge an Bestellungen könnte das System vielleicht so langsam an die Grenzen bringen, so der IFH-Chef weiter. Die Streiks von Verdi seien dagegen nicht viel mehr als ein paar Nadelstiche.

Wenn es tatsächlich Störungen im Prozessablauf sind - und auf die zielen die Streiks ja hier ab - hat Amazon einfach genug Alternativen, um das Paket dann letztlich doch sicher und pünktlich zu uns Konsumenten zu bringen.

Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln

Der Experte geht davon aus, dass Verdi die Streiks bei Amazon auch im kommenden Jahr fortsetzt und zum Weihnachtsgeschäft verstärkt, dass sie aber auch dann ohne spürbare Auswirkungen bleiben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Dezember 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2018, 13:49 Uhr

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8 Kommentare

19.12.2018 13:23 BHh59 8

Ich weiß nicht, ob bei Amazon alle Mitarbeiter so toll zufrieden sind, aber mein Sohn weiß, wie es ist, als Auslieferungsfahrer ohne erkennbares "Postauto" (weißer Transporter einer Unterfirma) in der Innenstadt in zweiter Reihe parken zu müssen und dann noch das Strafticket selber zu tragen - keine Sonntagszuschläge oder Nachtzuschläge -Zeit limitiert - nur wegen diesem unbändigen Kommerz - was hat das mit einem besinnlichen Weihnachten zu tun.....?????

18.12.2018 21:07 NRW-18 7

Sinnvoll wäre es, wenn die Kunden mal streiken würden, denn diese tragen eine erhebliche Mitschuld an diesem Dilemma, weil viele die Ware noch billiger, noch schneller und noch bequemer haben wollen. Es fragt sich nur, zu welchem Preis?
Das US-Unternehmen des reichsten Mannes diesen Planeten entzieht deutschen Unternehmen (stationär und online) das Geld, behandelt seine Mitarbeiter schlecht und (fast) alle bestellen was das Zeug hält.
Mit gutem Gewissen kann ich sagen, dass ich noch nie etwas bei Amazon gekauft habe, weil ich dort nicht angemeldet bin und dies aus Prinzip auch nicht sein will.

18.12.2018 19:36 Kein Erbsenzähler 6

@ 2 Norbert Franke: Na, dann bist du ja einer aus der Sorte Arbeitnehmer, der freiwillig auf mehr Geld oder andere Tarifleistungen verzichtet. Geh mal nach Bad Hersfeld, frag mal die Leute wenn sie sich die Ahle Wurscht nicht mehr leisten können. Und darauf bist du stolz? Oder hat Amazon dir für den Post eine Prämie gezahlt?

18.12.2018 19:28 Carolus Nappus 5

Mit dem Anliegen können sich schon sehr viele identifizieren. Nur eben nicht mit der Idee genau in der Zeit zu streiken, wenn die meiste Kohle zu verdienen ist. Die denken eben anders als Leute in unkündbarer Stellung und wo einem die Kunden letztlich egal sind.

18.12.2018 18:10 Kritischer Bürger 4

Also wieder einmal das billigere Ausland innerhalb der EU wird zum Ausweg für Unternehmen wie hier Amazon. Wie sieht es dabei mit den Entlohnungen der ArbN im Bereich dieses Unternehmens (auch im Ausland) aus? Nicht nur in D, sondern auch im Ausland! Wo wäre eine europäische Einigung wichtiger? Hier die Gewerkschaften mit den ausländischen Organisationen auch jene ArbN im Ausland zur gleichen Zeit entsprechende Streikaktionen zu koordinieren!

18.12.2018 17:51 FSee 3

@Ureinwohner: Der Artikel zeigt aber auch, dass es nicht an Verdi liegen wird, wenn Amazon sein Geschäft von hier weg und ins Ausland verlagert. Das machen die, wenn's sich rechnet. Ich finde die Aussage von @2 interessant: Sehr viele Amazon-Mitarbeiter können sich mit dem Verdi-Anliegen nicht identifizieren. Dann ist es ein Schau-Kampf, alle Jahre wieder ...

18.12.2018 17:00 Norbert Franke 2

Wenn von 2000 Mitarbeitern nur knapp einviertel streiken wollen muss das Gründe haben.
Vielleicht könnte es sein das die restlichen Arbeitnehmer zufrieden mit ihrem Arbeitgeber sind ?
Übrigens,ich habe auch mal als Kommissionierer gearbeitet,nichts Anderes ist die Arbeit im Lager bei Amazon,und da ist Keiner auf die Idee gekommen sich als Einzelhändler zu fühlen.
Wir waren lupenreine Logistiker und deshalb wurden wir auch nach dem Tarif der Logistbranche bezahlt.

18.12.2018 16:33 Ureinwohner 1

Der Experte geht davon aus, dass Verdi die Streiks bei Amazon auch im kommenden Jahr fortsetzt ........
Sicher wird Amazon irgend wann ganz nach Osteuropa gehen.Dann kann sich Verdi um einige tausend Arbeitslose kümmern.