Grundschüler arbeiten in der Grundschule Offenstetten mit einem Tablet.
In vielen Schulen in Thüringen sucht man digitalen Unterricht vergeblich. Bildrechte: dpa

Digitalisierung in der Schule Warum buckeln Schüler noch kiloschwere Ranzen?

Smartphones, Tablets, Laptops – für die meisten von uns aus dem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Und obwohl Kinder und Jugendliche ganz selbstverständlich mit neuer Technik aufwachsen – in den meisten Schulen werden Tablets nicht genutzt. MDR-AKTUELL-Hörer Christian Fischer aus Bad Lobenstein fragt sich deshalb: "Warum ist es in Thüringen im Jahr 2018 nicht möglich in den Schulen elektronisch zu arbeiten?"

von Lily Meyer, MDR AKTUELL

Grundschüler arbeiten in der Grundschule Offenstetten mit einem Tablet.
In vielen Schulen in Thüringen sucht man digitalen Unterricht vergeblich. Bildrechte: dpa

Christian Fischer hat extra eine Waage zum Treffen mitgebracht, um zu zeigen, wie schwer der Ranzen ist, den seine Tochter jeden Tag zur Schule schleppt.

Antonia besucht die 9. Klasse des Gymnasiums in Bad Lobenstein. Die 15-Jährige stellt sich erst ohne und dann mit Schultasche auf die Waage. Ihr Vater rechnet: "Sind exakt 12,3 Kilogramm!" Und damit 21 Prozent von Antonias Körpergewicht. Könnten Antonia und ihre Mitschüler mit Tablets arbeiten, wäre der Ranzen um einiges leichter.

Langer Weg bis zum digitalen Klassenzimmer

 Andrea Schmidt, Schulleiterin des "Christian-Gottlieb-Reichard" Gymnasium in Bad Lobenstein, sitzt an ihrem Schreibtisch.
Wünscht sich digitalen Unterricht: Schulleiterin Andrea Schmidt. Bildrechte: MDR AKTUELL

Auch die Schulleiterin des Gymnasiums, Andrea Schmidt, würde sich eine digitalisierte Schule wünschen. Zwar soll es an ihrer Schule bald digitale Tafeln geben, aber deren Einsatz ist in der Praxis begrenzt: "Die können wir dann zum Großteil noch nicht nutzen, wenn die Schüler beispielsweise keine Tablets zur Verfügung haben. Da wären noch viel mehr Möglichkeiten gegeben und dann wäre sicherlich auch das Problem mit den zu schweren Schultaschen im Ansatz zumindest zu klären."

Man müsste irgendwann den Beginn finden, auch bis in die Schulen des ländlichen Raums vorzustoßen, was die Digitalisierung betrifft.

Andrea Schmidt | Schulleiterin "Christian-Gottlieb-Reichard" Gymnasium

Schmidt wünscht sich dafür eine Strategie vom Land. Rolf Busch vom Thüringer Lehrerverband arbeitet selbst nur noch mit dem Tablet. Bevor jeder Schüler ein eigenes Tablet bekommt, müsste aber noch ein anderes Problem gelöst werden: "Ich muss auch Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen, damit zu arbeiten. Also das heißt, sie brauchen eine entsprechende Fortbildung.

Digitalpakt: 27 Millionen Euro für Thüringer Schulen

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter kann die Frage von Christian Fischer nachvollziehen, gibt aber zu bedenken: Erstmal müsse das Breitbandnetz ausgebaut werden.

Helmut Holter, Präsident der Kultusministerkonferenz, spricht bei der Vorstellung des  OECD-Berichts ''Bildung auf einen Blick 2018''.
Will eine zügige Digitalisierung der Schulen: Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke). Bildrechte: dpa

Was nützt mir das, wenn die Schule an eine Glasfaserleitung angeschlossen ist, ich zu Hause aber noch mit Modem arbeite und gar kein WLAN habe? Dann nutzt mir auch das Tablet nichts. Das sind also Fragen, die man komplexer angehen muss.

Helmut Holter | Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport

Holter weiter: "Deswegen muss Thüringen seine Digitalisierungsstrategie umsetzen, da sind wir auf einem guten Weg. Den Teil Schule, den setzen wir dann mit Hilfe des Digitalpakts um." Durch den bekommt Thüringen fünf Jahre lang jeweils 27 Millionen Euro vom Bund – 25.000 Euro pro Schule, von denen zum Beispiel Tablets gekauft werden können.

Holter: "Der Prozess wird fünf Jahre dauern"

Dafür soll noch im Dezember das Grundgesetz geändert werden. Der Bundestag hat vergangenen Freitag den Weg dafür freigemacht. Jetzt muss noch der Bundesrat zustimmen. Denn eigentlich ist Bildung Ländersache, der Bund durfte bisher kein Geld dafür ausgeben.

Holter erläutert weiter, dass die Schulen Konzepte aufsetzen können, sobald die Verteilung der Gelder aus dem Digitalpakt anläuft. Auf Basis dieser Konzepte könnten die Schulen dann die Mittel beantragen - ko-finanziert würden sie durch das Land. Die Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer verlaufe parallel. Das alles könnte 2019 beginnen, "aber der Prozess wird mindestens fünf Jahre dauern", sagt Holter und verspricht, Tempo zu machen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. November 2018 | 08:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2018, 13:17 Uhr