DLRG und Badegäste an der Blauen Lagune (Badesee).
Schon jetzt sind deutschlandweit mehr als 280 Menschen beim Baden ertrunken. Bildrechte: IMAGO

Unfälle an Gewässern Warum es so viele Badetote gibt

Die wochenlange Hitze lädt zur Abkühlung in Seen, Flüssen oder am Meer ein. Ganz ungefährlich ist das aber nicht. Laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft DLRG ertrinken immer mehr Menschen beim Baden. In der vergangenen Woche waren es allein in Sachsen fünf Menschen. Wer ist besonders gefährdet ist und wie kann man die Unfälle eindämmen?

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

DLRG und Badegäste an der Blauen Lagune (Badesee).
Schon jetzt sind deutschlandweit mehr als 280 Menschen beim Baden ertrunken. Bildrechte: IMAGO

Die Badesaison begann in diesem Jahr früh. Das ist in den Augen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft einer der Gründe, warum bis zum heutigen Tag bereits mehr als 280 Menschen ertrunken sind. 13 Prozent mehr als zur selben Zeit des Vorjahres. Rund 80 Prozent der Todesopfer waren Männer. Marianne Starke, Rettungsschwimmerin in Leipzig überrascht das nicht:

Das liegt vor allem an der Selbstüberschätzung, Männer möchten ja häufig was beweisen.

Marianne Starke, Rettungsschwimmerin

Sie seien der Meinung, eine Strecke zu Ende schwimmen zu müssen, wenn sie erst einmal angefangen hätten, sagt die Rettungsschwimmerin. Da spiele es auch keine Rolle, ob sie zum Beispiel Krämpfe hätten. Es sei auch so, "dass Alkohol und Drogen da eine gewisse Rolle spielen, weil man in dem Zustand dann nicht mehr so zurechnungsfähig ist".

Risikogruppen: Ältere Menschen und Kinder

Laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft war über ein Drittel der Ertrunkenen 55 Jahre oder älter. Sie überschätzen oft ihre eigenen Kräfte und unterschätzen krankheitsbedingte Probleme des Herzkreislaufsystems. Deshalb sollten sich diese Menschen vor dem Baden genügend abkühlen, um den Kreislauf vorzubereiten.

Gefährdet sind aber auch Kinder. Sie können innerhalb von 20 Sekunden unter Wasser ertrinken. Deshalb müssten Eltern immer in der Nähe bleiben, sagt Marianne Starke. "Das haben wir auch ganz häufig, dass Eltern dann zu uns kommen und sagen: Ich habe mein Kind doch nur ganz kurz aus den Augen gelassen."

Sebastian Knabe, Landesverbandsgeschäftsführer der DLRG Sachsen
DLRG-Landeschef Knabe fordert mehr Unterricht. Bildrechte: Sebastian Knabe

Schwimmen lernen sei deshalb das A und O, meint Sebastian Knabe vom DLRG-Landesverband Sachsen. Er wünscht sich weniger Schließungen von Bädern und einen Ausbau des Schwimmunterrichts an sächsischen Schulen: "Insofern der Zugang zu einer Schwimmhalle im Bereich der Mittelschule gewährt werden kann, sollte Schwimmunterricht stattfinden." So werde die Schwimmfähigkeit verbessert und ausgebaut.

Auch Geflüchtete stark gefährdet

Besonders groß ist der Anteil der Nichtschwimmer auch bei Asylsuchenden. Laut DLRG liegt er bei annähernd 100 Prozent. Immer häufiger seien sie Opfer von Badeunfällen. Wie viele andere unterschätzen auch sie unbewachte Gewässer.

Für das Baden dort gibt Rettungsschwimmerin Marianne Starke daher zu bedenken: "Man sollte natürlich nicht in die Bereiche gehen, die noch aktive Kiesgruben sind, weil dort noch Maschinen und Förderbänder unter Wasser arbeiten, die man so per se nicht sieht."

Außerdem gebe es in solchen Tagebauen unregelmäßigen Grund. Es könne schnell von einem halben auf zig Meter Tiefer heruntergehen. "Und es gibt dann dort auch verstärkt Sprungschichten, in denen das Wasser sehr schnell oder sehr spontan kälter wird, wo man sich erschrecken kann oder das Herz-Kreislauf-System versagen kann", erklärt Starke.

Gut geeignet zum Baden seien stattdessen extra ausgewiesene Bereiche an Badeseen. In Leipzig ist übrigens der Kulkwitzer See der einzige Strand, der von Rettungsschwimmern bewacht wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2018 | 05:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 09:12 Uhr

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2 Kommentare

02.08.2018 06:20 wwdd 2

Zu 1, Bei dieser Logik kann man einfach nichts antworten...

01.08.2018 16:42 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 1

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft bzw. ihre Rettungsschwimmer machen ja nichts anderes als die Seenotretter auf dem Mittelmeer: sie retten Menschen vor dem Ertrinken.
Und trotzdem erfahren sie von manchen einen ganz anderen Respekt...

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