Polizisten gehen nach einem Angriff in der Gegend des Straßburger Weihnachtsmarkts durch die Innenstadt.
Polizeikräfte in der Straßburger Innenstadt. Bildrechte: dpa

Terrorverdacht erhärtet Hunderte Polizisten suchen Attentäter von Straßburg

Der mutmaßliche Attentäter von Straßburg ist noch immer auf der Flucht. Hunderte Beamte in Frankreich, aber auch in Deutschland, sind im Einsatz. Die Polizei veröffentlichte ein Foto und den vollen Namen des Flüchtigen.

Polizisten gehen nach einem Angriff in der Gegend des Straßburger Weihnachtsmarkts durch die Innenstadt.
Polizeikräfte in der Straßburger Innenstadt. Bildrechte: dpa

Nach dem Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt fahnden französische und deutsche Ermittler mit einem Großaufgebot nach dem mutmaßlichen Täter.

Die Polizei gab am Mittwoch einen offiziellen Fahndungsaufruf mit einem Foto heraus, in dem sie die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach dem 29-jährigen Chérif Chekatt bat. Allein im Raum Straßburg sind 600 Beamte im Einsatz. Vize-Innenminister Laurent Nunez sagte dem Radiosender France Inter, bislang seien fünf Menschen mit Verbindungen zum Verdächtigen vernommen worden. Die Fahndung wurde zudem auf den gesamten Nordosten Frankreichs ausgedehnt.

Grenzkontrollen verschärft

Grenzkontrollen am Übergang Kehl
Die Bundespolizei kontrolliert an der deutsch-französischen Grenze verstärkt. Bildrechte: Christoph Schmidt/dpa

Auf deutscher Seite wurden Grenzkontrollen drastisch verschärft. Die Bundespolizei teilte mit, im deutsch-französischen Grenzraum werde "mit verstärkten Kräften" nach dem Täter gefahndet. Es sei davon auszugehen, dass dieser nach wie vor hochgefährlich ist. Das Innenministerium in Paris hatte nicht ausgeschlossen, dass der Täter nach Deutschland geflüchtet sein könnte.

Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise für Frankreich. "Reisende werden gebeten, besonders vorsichtig zu sein und den Anweisungen von Sicherheitskräften unbedingt Folge zu leisten", teilte das Außenministerium mit.

Terroristisches Motiv

Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf ein terroristisches Motiv. Der Angreifer, ein polizeibekannter 29-Jähriger hatte am Dienstagabend das Feuer in der Straßenburger Innenstadt eröffnet. Zwei Menschen wurden getötet, ein Opfer gilt als hirntot, zwölf Menschen wurden verletzt. Der Schütze soll nach Aussagen von Zeugen bei seinem Angriff "Allahu Akbar" (Allah ist groß) gerufen haben.

Danach lieferte er sich Schusswechsel mit Sicherheitskräften, wobei er möglicherweise verletzt wurde. Französischen Medienberichten zufolge entkam er danach in einem gestohlenen Taxi. Zuletzt wurde er in der Nähe des südöstlich gelegenen Stadtteils Neudorf vermutet.

Verdächtiger ist polizeibekannter Krimineller

Der mutmaßliche Täter stand nach Angaben von Frankreichs Innenminister Christophe Castaner in der Vergangenheit sowohl in Frankreich als auch in Deutschland wiederholt vor Gericht. Am Dienstagmorgen sollte der Franzose mit nordafrikanischen Wurzeln erneut verhaftet werden, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Grund seien Ermittlungen wegen Raub und versuchtem Mord. Die Polizei traf den 29-Jährigen jedoch nicht an - und entdeckte Medienberichten zufolge in seiner Wohnung Handgranaten.

Nach Angaben der deutschen Justiz hat der Mann wegen Einbrüchen bereits mehrere Jahre im Gefängnis gesessen. So verurteilte das Amtsgericht Singen den Mann 2016 zu zwei Jahren und drei Monaten Haft, weil er in eine Zahnarztpraxis in Mainz und eine Apotheke in Engen in Baden-Württembergs eingebrochen war.

Auf Liste islamistischer Gefährder

Außerdem soll sich der 29-Jährige radikalisiert haben und auf der Liste für islamistische Gefährder stehen, wie MDR-AKTUELL-Korrespondent Martin Bohne berichtet. Nach Informationen der Tagesschau wird er als möglicher Extremist eingestuft. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge gibt es eine Gefährderakte über ihn, eine so genannte Fiche S. Mit diesen Akten werden demnach Informationen über potenzielle Verdächtige wie etwa gewaltbereite Islamisten gesammelt.

Inzwischen wird gegen gegen den Mann wegen des Verdachts auf "Mord und Mordversuch im Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung" und wegen "Bildung einer kriminellen terroristischen Vereinigung" ermittelt.


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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Dezember 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2018, 17:41 Uhr

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43 Kommentare

12.12.2018 13:35 Fakt 43

>>Dr. Ines Pistner, #34:
"Der Migrationspakt ist das nächste Bauteil für ein in Chaos und Gewalt versinkendes Europa."<<

Sie haben den Pakt gelesen? Ja? Dann haben Sie den Inhalt offenbar nicht verstanden.

12.12.2018 13:28 Stena an Dr. Ines Pistner (34) 42

Ach Mensch, Frau Dr. Pistner,

unterstellen Sie doch nicht unseren tapferen, redlich berichtenden Medienschaffenden Teilwahheiten zu verbreiten.
Wenn es ein "polizeibekannter Krimineller“ war, dann war es ein "polizeibekannter Krimineller“. Mehr auch nicht.
Unsere tapferen, redlich berichtenden Medienschaffenden haben IMMER Recht, ... denn NUR sie kennen die einzig richtige und seeligmachende Wahrheit'. :-)))

12.12.2018 12:45 Montana 41

12.12.201811:59 Dr. Ines Pistner : Bei Ihrem Kommentar stehe ich vollkommen hinter Ihnen.

12.12.2018 12:35 Wolpertinger 40

@12.12.2018 11:59 Dr. Ines Pistner
Wenn ich Ihren Beitrag so lese, ohne jegliche Belege für Ihre Behauptungen, entsteht bei mir auch von Ihnen der Eindruck einer gewissen Aluminium behüteten ideologischen Weltfremdheit.

12.12.2018 12:34 Max W. - Oh Gott... 39

@12.12.2018 11:58 whocares_ 33 (@13 Wolpertinger, @22 Micha: Danke für die bislang einzigen sachlichen Beiträge (die Quote 2:22 ist schon traurig).

Sie werden das sicher beurteilen können... Nicht alle Kommentatoren hier sind juristisch beschlagen und die in diesen Kontext fallenden Äußerungen dürften der absolut nachvollziehbaren Wut, der Fassungslosigkeit und dem Wunsch nach Abwehr dieser Zustände geschuldet sein. Es ist mehr als billig und nur eine ad hominem-Variante, darauf herumzureiten.

Weitaus schlimmer wäre es, wenn Bürger so etwas einfach hinnähmen und zur Tagesordnung übergingen. Das käme gewissen gesellschaftlichen Gruppen ausgesprochen entgegen...

12.12.2018 12:27 Tag 2 nach dem UNO-Migrationspakt 38

wurde in Frankreich, wie in Deutschland, ein trügerisches Gefühl der Sicherheit vermittelt.

So endet das wenn Politiker anfangen zu sprechen!

12.12.2018 12:17 Wo ist das Lobbyregister? 37

@12.12.2018 11:59 Dr. Ines Pistner

(ALLE Kommentare unisono: alle Menschen in Europa wissen, es war ein islamischer Terroranschlag. Aber die Presse wiederholt seit gestern Abend die gleiche Teilwahrheit: „der 29 jährige Straßburger ..., polizeibekannter Kriminelle“

Warum wird nicht vom Salafismus, von der muslimischen Parallelwelt in Frankreich wie Deutschland, von der Hilflosigkeit der Behörden gegenüber diesen Strukturen berichtet? Raum bietet die Berichterstattung darüber genug. Stattdessen faselt der SPD-Europaabegeordnete von S-A von „offener, pluraler Gesellschaft“. Genau die wird gerade durch ideologische Weltfremdheit zerstört. Der Migrationspakt ist das nächste Bauteil für ein in Chaos und Gewalt versinkendes Europa.
Und die Lückenpresse lässt selektiv Informationen weg.)

Das darf ich dann mal unterschreiben. Die Frage ist lediglich: Wem nützt das und wem nicht.

12.12.2018 12:15 Wo ist das Lobbyregister? 36

@12.12.2018 11:46 Micha

(Für alle, die Gefährder einfach mal so wegsperren möchten: Das ist juristisch nicht so einfach.)

Ganz richtig - allerdings kann man dafür sorgen, dass er nicht in aller Ruhe eine Waffenlager anlegen und "sich radikaliseren" kann. Z. B. durch eine entsprechende Überwachung. Allerdings gibt es da ein kleines Problem: Lt. WELT u. a. Medien verzeichnen wir mittlerweile ca. 26.000 "Gefährder" in Europa und welche Volkswirtschaft die Kosten einer solchen notwendigen Überwachung bezahlen kann oder bei vollem Bewußtsein ihrer Bürger bezahlen will, ist noch nicht ganz klar. Zu deutsch: Das Risiko war absehbar und was sich hier seit vollzieht, ist vielfach seriös vorausgesagt worden. Und das auch so wird weitergehen, da können wir ganz sicher sein. Deshalb ist die offizielle Betroffenheit blanke Heuchelei.

12.12.2018 12:12 Janes 35

@REXt 20: Dann ziehen sie in diese Länder, wenn es ihnen da besser gefällt!!

Ungarn ist das Land in Europa, mit der mit Abstand höchsten Korruptionsrate! Ungarn hat sogar eine Doppelte Tötungsrate zu Deutschland (siehe Wikipedia Tötungsrate nach Ländern). Überhaupt schneiden ihre Wunschländer in der Kriminalstatistik gar nicht mal so gut ab. Aber hauptsache, die Täter sinde keine Ausländer...dann ist jeder Moder, Vergewaltigung und Droogenhandel ja nicht mehr so schlimm...stimmts

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
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Ihre MDR.de-Redaktion]

12.12.2018 11:59 Dr. Ines Pistner 34

ALLE Kommentare unisono: alle Menschen in Europa wissen, es war ein islamischer Terroranschlag. Aber die Presse wiederholt seit gestern Abend die gleiche Teilwahrheit: „der 29 jährige Straßburger ..., polizeibekannter Kriminelle“

Warum wird nicht vom Salafismus, von der muslimischen Parallelwelt in Frankreich wie Deutschland, von der Hilflosigkeit der Behörden gegenüber diesen Strukturen berichtet? Raum bietet die Berichterstattung darüber genug. Stattdessen faselt der SPD-Europaabegeordnete von S-A von „offener, pluraler Gesellschaft“. Genau die wird gerade durch ideologische Weltfremdheit zerstört. Der Migrationspakt ist das nächste Bauteil für ein in Chaos und Gewalt versinkendes Europa.

Und die Lückenpresse lässt selektiv Informationen weg.