Nahaufnahme eines Bach
Die meisten Gewässer in Sachsen sind mit Nitrat belastet. Grund dafür ist die Landwirtschaft. Bildrechte: imago/Gustavo Alabiso

WWF-Studie Wasserqualität in Sachsen schlecht

Die Wasserqualität in Sachsen ist die schlechteste in Deutschland. Das geht aus einer Studie hervor, die der WWF Anfang des Monats vorgestellt hat. Als größtes Problem für die Wasserqualität nennt der WWF die Nitratbelastung durch die Landwirtschaft. Dabei hatte sich Deutschland mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet, alle Gewässer in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu bringen. Doch offenbar gelingt das in Sachsen schlechter als in anderen Bundesländern.

von Ine Dippman, MDR AKTUELL, Landeskorrespondentin für Sachsen

Nahaufnahme eines Bach
Die meisten Gewässer in Sachsen sind mit Nitrat belastet. Grund dafür ist die Landwirtschaft. Bildrechte: imago/Gustavo Alabiso

Naturnahe Flüsse und Seen, die Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten – das ist das Ideal. Im stark industrialisierten und dicht bevölkerten Europa ist das kaum zu erreichen. Deshalb haben sich die Mitgliedsstaaten der EU darauf verständigt, dass die Gewässer wieder in einen guten Zustand versetzt werden sollen. Sachsen ist davon laut WWF-Analyse weit entfernt.

Nur vier Prozent der Gewässer in gutem Zustand

Wolfram Günther
Wolfram Günther ist nicht überrascht vom Ergebnis der WWF-Studie. Bildrechte: dpa

Wolfram Günther, Fraktionsvorsitzender der Grünen im sächsischen Landtag, haben die Zahlen nicht überrascht. Im Sommer habe er eine Anfrage gestellt, wieviele Gewässer in Sachsen in gutem ökologischem Zustand seien. Das Ergebnis: gerade einmal vier Prozent. "Und das vor dem Hintergrund, dass seit 18 Jahren die Aufgaben dieser Wasserrahmenrichtlinie da sind – also 'verschlafen' ist da fast schon ein zu harmloser Ausdruck." Die Wirkpfade der Verschmutzung müssten weiter untersucht werden, fordert Günther.

Hauptgrund: Landwirtschaft

Aus Sicht der Linken–Politikerin Jana Pinka hätte der letzte Platz im WWF-Ranking verhindert werden können. Sachsen habe die falschen Prioritäten gesetzt. Etwa als das Land per Gesetz alle Besitzer von Kleinkläranlagen verpflichtet habe, diese auf den aktuellen technischen Stand zu bringen, um die Umweltbelastungen zu senken.

Schon bei der Lesung des Gesetzes hätte man merken müssen, dass Stickstoff nicht bei den kleinen Anlagen eingespart werden könne, sondern bei der Landwirtschaft. Doch den "Haupteinträger Landwirtschaft" hätte man durch das Wassergesetz angreifen müssen. "Aber weder der Bund, noch Sachsen hat die Nitratrichtlinie der europäischen Union umgesetzt."

Landwirt bringt Gülle aus
Laut WWF trägt übermäßiges Düngen Nitrat in die Böden und Gewässer. Bildrechte: imago/blickwinkel

Die Landwirtschaft verursache durch ein Übermaß an Düngemitteln die hohe Nitratbelastung der Gewässer, heißt es vom WWF.

Die Nitratbelastung des Grundwassers ist in Sachsen seit 2008 fast unverändert geblieben. An rund 16 Prozent der Messstellen wurden kritische Werte über 50 Milligramm pro Liter gemessen. Dort müssen Maßnahmen zur Reduzierung der Einträge eingeleitet werden. 

Gewässer auf Jahrzehnte geschädigt

Im sächsischen Umweltministerium leitet Martin Socher das Referat, das die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie koordiniert.

Wir haben Altlasten im Boden in der Landwirtschaft. Überdüngung von früher, aus der schlechten landwirtschaftlichen Praxis der DDR. Bis das ausgeheilt ist, dauert es Jahrzehnte.

Martin Socher

Sachsen unterstütze die Landwirte dabei, den Düngemitteleinsatz und damit die Gewässerbelastung zu reduzieren, sagt Socher. In sogenannten "Hotspot-Gebieten", in denen die Nitratbelastung besonders hoch ist, gebe es Pilotprojekte und Schulungen "Dort kann man sich vom Freistaat beraten lassen, hinsichtlich ganz moderner Düngestrategien und welche Techniken man dafür anwenden muss."

Die chemische Belastung sei aber auch auf den jahrhundertelangen Bergbau in Sachsen zurückzuführen, erklärt Socher. "Das Erzgebirge emittiert auf natürliche Weise chemische Stoffe, Metalle und Schwermetalle aus dem Altbergbau. Damit müssen wir in Sachsen leben, das kann man nicht abstellen."

Keine Besserung in naher Zukunft

Bis 2027 sollen alle Gewässer in Sachsen in gutem Zustand sein. Martin Socher hält das für unrealistisch. Von der Bundesregierung gebe es inzwischen Signale, auf EU-Ebene darauf zu drängen, dass die Wasserrahmenrichtlinie verlängert und damit das Erreichen ihrer Ziele über 2027 hinaus verschoben wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2018, 06:05 Uhr

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27 Kommentare

22.11.2018 16:33 Frank 27

@ 4:"Doch offenbar gelingt das...."
Heißt, Sie kennen die Studie nicht.Warum pöbeln Sie dann ohne Faktenwissen um Zusammenhänge herum? Ihre Beiträge sind überflüssig wie ein Kropf.

22.11.2018 10:50 Günter Kromme 26

#4etc. Hallo mare nostrum, sie sind mein Lieblingskommentator, sie bringen immer alles so genial auf den Punkt. Man sollte den Sachsen wegen der "Sauberkeit" wirklich langsam nahelegen aus dem Bund auszutreten damit Deutschland wieder aufblühen kann. Übrigens, es gibt doch etwas was Sachsen besser kann!

22.11.2018 10:37 Zirbeldrüse 25

>> Die Wasserqualität in Sachsen ist die schlechteste in Deutschland. <<

E I N S T E L L U N G S S A C H E !!!

vermutlich braun verseucht ~ die Flüchtlingsaufnahme-Bereitschaft in Sachsen ist die schlechteste in Deutschland.

22.11.2018 09:24 mare nostrum 24

Ich lese gerade: ÖLFILM AUF DER ELBE.

Ein Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität à la
État libre de Saxe?

21.11.2018 21:58 mare nostrum 23

@ 2

Es interessiert nicht, wen/was Sie wählen.
Das ist Privatsache und sieht hier nach Wichtigtuerei aus.

21.11.2018 20:23 mare nostrum 22

@ 18

Erstaunlich, wirklich erstaunlich, wie man sich mit mangelhaftem Kontextverständnis brüsten kann.
Daraus resultierende Meinungen sind mir frank&frei gesagt ... nully.

21.11.2018 18:57 na gugge ma 21

@mare nostrum "Nein, danke, ich möchte kein Glas Leitungswasser; ich trinke San Pellegrino."
Nun wundert mich aber wirklich nichts mehr. Da ist Abwinken ja noch milde ausgedrückt. Sie sind daher amüsant und "köstlich"... Thüringer? Na ja egal, nun ein Radeberger darauf.

21.11.2018 15:20 noch 20 Tage (UNO-Migrationspakt0 20

Wasser ist ungesund!

Trinkt Bier!!!

21.11.2018 14:56 mare nostrum 19

@ 13

Politische Ideologie ... was ist das?
Und dann kennt der Sachse auch noch meine?!

Sie sind zum Abwinken sächsisch anmaßend, finde ich.

Post scriptum
Nein, danke, ich möchte kein Glas Leitungswasser; ich trinke San Pellegrino.

21.11.2018 14:43 Nelly 18

@ 17: Können Sie außer sinnfreier Nölerei auch sachbezogene Beiträge abliefern? Hätten Sie sich den MDR-Beitrag vollständig durchgelesen und auch noch verstanden was Sie gelesen haben, wüssten Sie was ich meine.