Neugeborenes Baby
In den letzten fünf Jahren ist die Kaiserschnitt-Rate in Deutschland wieder zurückgegangen. Bildrechte: IMAGO

Geburten Jedes dritte Kind kommt per Kaiserschnitt

Der Kaiserschnitt ist für einige Frauen die letzte Möglichkeit, ihr Kind gesund auf die Welt zu bringen. In Deutschland ist der Anteil an Kaiserschnitt-Geburten in den letzten Jahren leicht gesunken, er ist aber noch immer doppelt so hoch wie zur Wendezeit. Jedes dritte Kind wird per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Aber ist dieser auch immer nötig?

von Theresa Nehm, MDR AKTUELL

Neugeborenes Baby
In den letzten fünf Jahren ist die Kaiserschnitt-Rate in Deutschland wieder zurückgegangen. Bildrechte: IMAGO

Ist das Becken der Frau zu klein und das Kind zu groß, erwartet die Mutter Drillinge oder liegt die Nabelschnur ungünstig, dann ist der Kaiserschnitt für Mutter und Kind die sichere Alternative.

Mehr Gründe für Kaiserschnitte

Die Kaiserschnitt-Rate sei auch unter anderem durch das höhere Alter der werdenden Mütter gestiegen, erzählt Susanne Schrey-Petersen vom Universitätsklinikum Leipzig. "Die Kinder werden bei der Geburt in Deutschland auch immer größer und schwerer. Und es gibt heute mehr Reproduktionsmedizin, also Kinderwunschbehandlung, wo es mehr Mehrlingsschwangerschaften gibt."

Trotzdem ist in Deutschland in den letzten fünf Jahren wieder ein leichter Rückgang erkennbar – im Gegenteil zu Ländern wie China oder Brasilien, wo Geburten häufiger per Kaiserschnitt vorkommen als natürliche, erzählt Susanne Steppat vom deutschen Hebammenverband. "Viele Entwicklungs- oder Schwellenländer orientieren sich in ihrer Geburtshilfe an den Industrienationen. Da gilt der Kaiserschnitt als eine medizinische Errungenschaft."

Nebenwirkungen für Mutter und Kind

Auch hierzulande gibt es Wunschkaiserschnitte von gesunden Frauen mit gesunden Kindern. Die haben ihre eigenen Gründe: "Das ist ein Konglomerat aus Ängsten, Planbarkeit und Nichtwissen." Denn ein Kaiserschnitt könne für das Kind langfristige Folgen haben:

Es gibt die Vermutung, dass die Kinder häufiger an Asthma oder unter Diabetes leiden werden und häufiger Allergien haben.

Susanne Steppat, Hebammenverband

Grund dafür sei der fehlende Kontakt mit der Keimflora in der Scheide, was für die Bildung des Immunsystems wichtig sei. Bei der Mutter könne hingegen die Wunde schlecht heilen, sie habe ein erhöhtes Risiko für Trombose und Lungenembolie. Und bei Folgeschwangerschaften könne es zu Komplikationen kommen.

Seltener Kaiserschnitte in ostdeutschen Bundesländern

Daher ist Ärztin Susanne Schrey-Petersen stolz, dass Sachsen mit 24 Prozent die niedrigste Kaiserschnitt-Rate in Deutschland hat. Spitzenreiter ist das Saarland mit 37 Prozent. Dieser Unterschied habe keine medizinischen Gründe, denkt die Ärztin. In den Provinzkrankenhäusern seien häufig Belegschaftsärzte im Dienst und keine Fachärzte. "Die haben oft nicht die Erfahrung bei zum Beispiel Zwillings- oder Beckenendlage-Geburten, werden dann unsicher und tendieren zum vermeintlich sichereren Kaiserschnitt."

Zudem vermutet Hebamme Susanne Steppat, dass manche Geburtshelfer die Planbarkeit des Kaiserschnittes ausnutzen: "Eine Kollegin von uns hat eine Untersuchung dazu gemacht, zu welchen Tageszeiten Kaiserschnitte stattfinden – also beispielsweise bevor das nächste Team oder der Wochenend-Dienst kommt." Susanne Steppat schließt aber auch nicht die Erziehung als Faktor aus, ob man sich für oder gegen einen Kaiserschnitt entscheidet. Denn alle neuen Bundesländer liegen mit ihren Kaiserschnitt-Raten unter dem Bundesdurchschnitt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Oktober 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2018, 05:00 Uhr

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7 Kommentare

15.10.2018 11:24 mattotaupa 7

@#1: " denn der Kaiserschnitte sollte nur in Notfällen eingesetzt werden" sie haben ne geburt hinter sich? sie sind wenigstens ne frau? sie sind aber doch sicher frauenarzt, oder? nun, als mann bin ich vorsichtig frauen vorschriften über den umgang mit deren körpern zu machen! vielleicht bin ich aber auch nur vorsichtig weil bei der geburt meiner tochter ein kaiserschnitt von hebamme und arzt aufgeschoben wurde, der notkaiserschnitt erst nach 8 stunden sinnloser schmerzen eingeleitet wurde und ich erst per postalisch zugestellter krankenhausrechnung über die zweimalige reanimation meines kindes aufgeklärt wurde. kein arzt hat mir oder meiner frau gegenüber diesen fakt jemals erklärt. vielleicht hatten wir daher einfach keinen bock darauf auch beim zweiten kind auf erfolgreiche reanimation zu hoffen? laßt die leute doch selbst entscheiden! @#5: kai? weiblich? "One Stop Shopping." find ich ziemlich vermessen. aber der papst erklärt ja auch seine meinung zu familien.

14.10.2018 19:22 Erik 6

Es ist schon ein paar Jahre her, als mein jüngstes Kind geboren wurde. Da kam bei "Galileo" ein Sendung über Geburten: bei natürlicher Geburt: viele Stunden lang Schmerzen, Dammriß und dann vielleicht Inkontinenz (gruselige Musik im Hintergrund). Bei Kaiserschnitt: kurze lokale Betäubung, dann ist alles vorbei (fröhliches Klimpern und Sonnenschein). Die wochenlangen Schmerzen danach wurden nicht erwähnt, die psychologische Trennung der Mutter zum Kind waren vermutlich nicht erforscht.

Irgendjemand hat Interesse an Kaiserschnitten und ist erfolgreich damit. Wie soll eine Menschheit überleben, die ihre Kinder nicht ohne hochtechnisierte Hilfsmittel auf die Welt bringt? Das ist doch eher Stoff für einen dystopischen Science-Fiction-Film.

14.10.2018 18:26 Kai Friedrich 5

Ein anderer Aspekt (offenbar gerne überlesen im Artikel): zu uns in die Klinik kommen zunehmend Gebärende, die explizit den Kaiserschnitt einfordern: keine Lust auf vllt einige Stunden Wehen und möglicherweise Schmerzen, geht alles viel schneller. One Stop Shopping. Danach Schmerzmedikation, und eine Entbindung ist viel einfacher. Argumente bzgl Komplikationen werden weggewischt (bin doch im Krankenhaus, müsst ihr gucken, dass das nicht passiert), ebenso die Einflüsse aufs Immunsystem des Neugeborenen.
Ich kenne in meinem Umfeld keinen Geburtsmediziner, der den Kaiserschnitt präferiert (mit Ausnahme der klinischen Indikation).
So mal als Gedankenansatz...

14.10.2018 16:17 Klara Morgenrot 4

In der BRD ging und geht es nie um die Menschen, sondern nur um Geld. Menschenfeindliches System!!!! Wo kein Kaiserschnitt nötig ist, soll eine normale Gebot erstes Gebot sein.

14.10.2018 12:55 part 3

Vergessen wurde leider die lebenslange Sozialisationsstörung zwischen Mutter und Kind, die bei dieser Entbindungsmethode auftreten kann. In einer Welt wo die Gesundheitsvorsorge und Krankenhäuser zumeist kommerzeillen Interessen unterliegen und für eine Kaiserschnitt- Geburt höhere Sätze gezahlt werden als für Normalgeburten, die dann doch mal etwas länger dauern können, sollte es nicht wundern wenn Ärtzte sich für die schnellere und teurere Variante entscheiden. Ähnlich verhält es sich mit Frühgeburten in diesem Land, diese erweisen oftmal als reiner Geldsegen für die behandelnten Krankenhäuser, spülen diese doch bis zu 35. 000 € statt 5.000 € in die Kranhauskasse, auch wenn die Klinik nicht die besten Bedingungen dafür bietet.

14.10.2018 10:33 Pfingstrose 2

Bei Kaiserschnitten geht es den Ärzten auch um Wettbewerb. Wer die meisten Kaiserschnitte und Geburten aufweist erhält zu seinen Gehalt noch eine Leistungsprämie. So ein Kaiserschnitt birgt auch Risiken und Nebenwirkungen beim Kind und der Mutter. Bei der Mutter könne hingegen die Wunde schlecht heilen, sie hat ein erhöhtes Risiko für Trombose und Lungenembolie. Und bei Folgeschwangerschaften könne es zu Komplikationen kommen. Noch zu DDR Zeiten hatten die Hebamen jede Geburt für sich aufgezeichnet, auch da wurden fleißig Kaiserschnitte gemacht. Ich habe selbst in diesem Bereich gearbeitet. Wenn ein wichtiger Grund vorliegt, dann sollte ein Kaiserschnitt gemacht werden. Viele Kaiserschnitt-Babys haben in den ersten Tagen noch etwas Schwierigkeiten mit der Atmung, weil sie noch Fruchtwasser in der Lunge haben. Außerdem fehlen ihnen die Bakterien aus der mütterlichen Vaginalflora, die für den Aufbau der Darmflora wichtig sind.

14.10.2018 10:03 Michael Möller 1

ich habe diese Woche einen Bericht zu diesen Artikel bzw. Thema im TV gesehen und wenn man da hört das 1/3 bis zur hälfte überflüssig ist . muss man sich doch Fragen was läuft hier falsch. denn der Kaiserschnitte sollte nur in Notfällen eingesetzt werden und nicht zum Dauereinsatz. oder sehe ich das falsch. das sollten die Krankenkassen genau aufpassen. den wenn unnötige Kaiserschnitte oder auch andere Operationen durch geführt werden geht es die Krankenhäusern nicht um die Menschen/ Patienten sondern um Profit. das würde dann belegen das die Privatisierung des Gesundheitswesen absolut falsch war und ist genau wie die Altenversorgung. so sehe ich das persönlich