Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation
Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation. Bildrechte: imago/epd

Prüfungs- und Überwachungskommission Regelverstöße bei Transplantationen stark zurückgegangen

Die Kontrolleure der 46 deutschen Transplantationszentren sehen seit den Skandalen von 2012 deutliche Fortschritte. Verstöße und Manipulationen sind deutlich seltener geworden. Lediglich zwei Zentren fielen auf.

Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation
Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation. Bildrechte: imago/epd

Nach dem Organspende-Skandal in Deutschland sehen die zuständigen Kontrolleure mittlerweile einen "Struktur- und Kulturwandel" in den Transplantationszentren. Wie die Überwachungskommission und die Prüfungskommission am Donnerstag in ihrem aktuellen Jahresbericht feststellten, hielten sich die meisten Kliniken an die Richtlinien für die Organvergabe.

Deutlich weniger Verstöße

Dem Bericht zufolge nahm die Zahl der Verstöße deutlich ab. Waren in der ersten Prüfphase unmittelbar nach dem Organspende-Skandal 2012 noch 13 Transplantationszentren mit Verstößen gegen die Regeln aufgefallen, sind es dem jüngsten Bericht zufolge nur noch drei. Für ihren aktuellen Bericht analysierten die Prüfer abschließend Krankenakten von knapp 1.500 Empfängern, die zwischen 2012 und 2015 an 60 der insgesamt 128 aktuell laufenden Programme an den 46 deutschen Transplantationszentren teilnahmen.

Unregelmäßigkeiten in Köln und Frankfurt

Modelle von Notarzt- und Rettungswägen und eines Erste-Hilfe-Koffers auf einem Organspendeausweis
Nach dem Organspende-Skandal 2012 ging die Spende-Bereitschaft deutlich zurück. Bildrechte: IMAGO

"Systematische Unregelmäßigkeiten" stellten die Prüfer im Herztransplantationsprogramm am Universitätsklinikum Köln-Lindenthal und bei Lebertransplantationen am Universitätsklinikum Frankfurt am Main fest. Darüber seien die zuständigen Behörden und Staatsanwaltschaften informiert worden, hieß es. In Köln beispielsweise seien in zwei Drittel der Fälle mehrfach Anträge zur dringlichen Transplantation mit falschen Angaben der Patienten gestellt worden, die dazu geeignet gewesen seien, diese kränker darzustellen als sie eigentlich waren.

Keine Beanstandungen gab es dem Bericht zufolge im Bereich der Nieren- und Bauchspeicheldrüsen-Verpflanzungen. Auch bei den Herz-, Lungen- und Lebertransplantationen sei überwiegend ordnungsgemäß und korrekt gearbeitet worden. Hier sei es lediglich in einzelnen Transplantationszentren zu Fehlern gekommen, die aber keine systematische Vorgehensweise erkennen ließen, so der Bericht.

Regelmäßige Überprüfung seit 2012

Die Überwachungskommission und die Prüfungskommission werden von Vertretern der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband der Krankenkassen gebildet. Das Gremium war nach dem Organspende-Skandal 2012 eingerichtet worden und prüft seither in regelmäßigen Abständen, ob die deutschen Transplantationszentren bei der Vermittlung von Spenderorganen und der Organisation ihrer Wartelisten die Richtlinien einhalten. Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, ob Unterlagen gefälscht werden, um Patienten auf den Wartelisten nach vorne zu schieben. Manipulationen dieser Art waren 2012 an mehreren Universitätskliniken bekannt geworden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. April 2018 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 16:21 Uhr

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3 Kommentare

06.12.2018 19:19 Wo ist das Lobbyregister? 3

@06.12.2018 17:05 Fragender Rentner

(Schlimm ist, dass es sie weiterhin gibt!
Werden sie auch bestraft für die "guten Taten"? :-()

Es sollte ihnen auffallen., dass noch vor kurzem behauptet wurde, es gäbe GARKEINE Verstösse. Sondern nur "Pannen"... Diese Sorte "Bericht" da oben dient der Popularisierung der Organspende - die ja aus gutem Grund bis auf Restwerte zurückgegangen ist. Dieser Grund ist unverändert wirkmächtig: Verdiene Geld mit Organen, wie auch immer im Detail. Strafrechtlich hat sich NICHTS geändert und der Haupttäter im Falle GÖ sitzt heute in seiner Heimat Weißrußland und ist nicht mehr erreichbar. Seine Patienten entstammten derselben geografischen Zone und hatten KEINERLEI Anspruch auf Spenderorgane aus der EU. Das wird selbstverständlich wieder "passieren". Das persönliche Strafrisiko ist minimal.

06.12.2018 18:28 Max W. 2

(Verstöße und Manipulationen sind deutlich seltener geworden.)

Was macht denn der Komparativ da oben? Und was heisst hier "seltener" - die Behauptung war "Null", garkeine "Regelverstösse". Und nun, siehe da, ein Komparativ.

Das hat was von DDR: "Weiter verbessert" bedeutete ganz einfach "immer noch schlecht". Und genau so wird es auch sein: Es gibt zu "wenige" Organlieferanten, also läuft die Marketing-Maschine an: Alles ist "jetzt" gut, bis auf... Nichts ist gut, weil alles dafür spricht, dass auch hier Geschäfte zu machen sind. Und wo das lockt und legislativ nicht mit schwersten Strafen bedroht ist... da werden sie auch stattfinden, die Geschäfte. Wenn nicht aktuell, dann in naher Zukunft. Jede Wette. Da reicht ein einziger Blick auf die Herkunft des nämlichen Göttinger (zuvor Regensburger) Transplant-Arztes und seiner "Kunden".

06.12.2018 17:05 Fragender Rentner 1

Schlimm ist, dass es sie weiterhin gibt!

Werden sie auch bestraft für die "guten Taten"? :-(