Autos fahren in den Morgenstunden auf einer Autobahn
Verkaufsargument Nummer 1: Dieselautos rentieren sich für Vielfahrer. Bildrechte: dpa

Vor-und Nachteile Wer kauft noch Dieselfahrzeuge und warum?

Die anhaltende Diskussion um Abgasskandal und Fahrverbote bei Dieselfahrzeugen hat negative Auswirkungen auf den Absatz: im Jahr 2017 waren laut dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe nur noch 38,8% der neu zugelassenen Fahrzeuge Dieselwagen. 2016 lag der Anteil noch bei 45,9 Prozent. Gelten die bisherigen Verkaufsargumente für Dieselautos noch?

Autos fahren in den Morgenstunden auf einer Autobahn
Verkaufsargument Nummer 1: Dieselautos rentieren sich für Vielfahrer. Bildrechte: dpa

Geringerer Verbrauch für Vielfahrer und mehr Kraft

In Hinblick auf den Verbrauch liegen Dieselmotoren grundsätzlich im Vorteil. Aufgrund des erhöhten Wirkungsgrades verbrauchen sie im Vergleich zu Benzinern 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoff. "Bei modernen Benzinern beträgt der Wirkungsgrad bis zu 37 Prozent, bei modernen Dieseln bis zu 45 Prozent.", erklärt Vincenzo Luca vom TÜV Süd Auto Service. In Dieselmotoren wird mehr der eingesetzten Energie in Bewegung umgesetzt und das Fahrzeug zieht mehr Antriebsleistung aus dem Kraftstoff.

Hinsichtlich der Energieeffizienz sind sie wesentlich sparsamer als Ottomotoren.

Vincenzo Luca, TÜV Süd Auto Service

Dieselfahrzeuge kommen mit der gleichen Menge im Tank oft weiter als vergleichbare Benziner. Das liegt an der höheren Energiedichte des Diesels. Der Kraftstoff verbrennt aufgrund der langkettigen Kohlenstoffverbindungen vergleichsweise langsam und muss auf höhere Temperaturen gebracht werden als beim Benziner. Daher braucht der Dieselmotor in der Regel auch länger, um richtig warm zu werden und seine volle Kraft auszuschöpfen.

Für Vielfahrer, die mehr als 15.000 Kilometer im Jahr zurücklegen und viel auf Autobahnen und Bundesstraßen unterwegs sind, rentiert sich der Diesel schnell. Für den Stadtverkehr mit ständigem Bremsen und Schalten sind kleinere Benzinfahrzeuge besser geeignet. Diese sind zwar in den letzten Jahren mit Start/Stop-Systemen, Zylinderabschaltungen und Direkteinspritzungen hinsichtlich des Verbrauchs auch deutlich effizienter geworden, können aber trotzdem noch nicht mit den niedrigen Verbrauchswerten eines Diesels mithalten.

Benziner kann man ein wenig in die Richtung eines Diesels trimmen. Das braucht aber schon sehr viel Ingenieurskunst.

Vincenzo Luca, TÜV Süd Auto Service
Die Nadel eines Tachos steht bei 100 Stundenkilometer
Besonders Liebhaber schneller und schwerer Autos, die besonders lange Strecken im Jahr zurücklegen, entscheiden sich für Dieselwagen. Bildrechte: dpa

Hinzu kommt, dass beim Diesel auch bei höheren Lasten der Treibstoffverbrauch weniger stark ansteigt, als beim Benziner. Schwere SUV-Wagen und Nutzfahrzeuge werden deshalb größtenteils mit Diesel betrieben.

Das höhere Drehmoment bei gleichem Hubraum verschafft dem Diesel zudem einen deutlichen Kraftvorteil. Im unteren Drehzahlbereich kann der Fahrer den Wagen kraftvoll beschleunigen, ohne die Gangschaltung betätigen zu müssen. Liebhaber der schnellen Mittel- und Oberklassewagen schätzen diesen Fahrspaß.

Steuervorteile beim Kraftstoff

Zapfsäule einer Tankstelle
Dieselfahrer profitieren besonders von den vergleichsweise günstigen Kraftstoffpreisen. Von vielen Seiten wird die Abschaffung dieses Privilegs gefordert. Bildrechte: dpa

Fahrzeughalter eines Dieselwagens profitieren gegenüber dem Benzinauto besonders von den geringeren Kosten für den Kraftstoff. Während die Mineralölsteuer beim Benziner 65,45 Cent pro Liter beträgt, fließen dem Staat bei einem Liter Diesel nur 47,04 Cent zu. Dieses sogenannte Dieselprivileg gerät seit letztem Jahr zunehmend in die Kritik. Volkswagen-Chef Matthias Müller hat im Dezember den Vorschlag gemacht, die Dieselsubventionen schrittweise auslaufen zu lassen und damit den Steuervorteil gegenüber dem Benziner zu verringern. Auch das Umweltbundesamt und der Bundesrechnungshof  fordern eine Angleichung der Kraftstoffsteuer. Diesel solle genauso besteuert werden wie Benzin, um den Umstieg auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb zu erleichtern.

Anschaffung, Kraftfahrzeugsteuer und Versicherung wesentlich höher

Als Gegengewicht zum günstigen Kraftstoffpreis müssen Dieselfahrer in der Anschaffung und bei der Kraftfahrzeugsteuer tiefer in die Tasche greifen. Dieselmotoren sind in der Produktion doppelt so teuer wie Benzinmotoren. Die Bauteile müssen wesentlich stabiler sein, um dem hohen Druck im Zylinder standhalten zu können. Außerdem benötigt ein Fahrzeug, welches die oberen Euro-Abgasnormen  erfüllen soll, kostspielige Zusatzsysteme, wie einen SCR-Katalysator und einen Extra-Tank für die Harnstofflösung AdBlue. Auch die Versicherungen sind in der Regel teurer, da Dieselwagen statistisch gesehen mehr Kilometer im Jahr zurücklegen und deshalb häufiger Unfälle verursachen.

Geringer Kohlenstoffdioxidausstoß, aber hoher Stickoxidausstoß

Aufgrund des geringeren Verbrauches galten Dieselfahrzeuge lange Zeit als CO2-arm und besonders klimafreundlich. Dieselmotoren verbrauchen durch den hohen Wirkungsgrad weniger Kraftstoff und stoßen dementsprechend weniger Kohlenstoffdioxid aus als Benzinfahrzeuge. Diese positive CO2-Bilanz schwindet jedoch oft wieder mit der höheren Leistung von Dieselmotoren und dem Trend zu großen und schweren Autos. Die Deutsche Umwelthilfe hebt hervor, dass auch in der aufwendigeren Herstellung von Dieselfahrzeugen ein CO2-Nachteil entsteht. Hinzu kommt, dass der Stickoxidausstoß aufgrund der höheren Verbrennungstemperaturen im Dieselmotor wesentlich höher ist und entsprechende, mit hohen Kosten verbundene, Aufrüstungen nötig sind, um die Grenzwerte in den Städten einhalten zu können. Diese erhöhen wiederum den Verbrauch und damit den Kohlenstoffdioxidausstoß.

Risiko Fahrverbote

Sollte sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig für Dieselfahrverbote entscheiden, könnte die Fahrzeugkennzeichnung mit Hilfe der roten, gelben und grünen Plaketten um eine blaue erweitert werden. Kommunen müssten dann blaue Umweltzonen einrichten, in denen zu bestimmten Zeiten nur Fahrzeuge mit einer blauen Plakette einfahren dürfen. Erhalten würden diese nur Benzin-, Elektro- und Hybridfahrzeuge sowie Dieselfahrzeuge mit geringen Stickoxid-Emissionen, die die strenge Abgasnorm 6 erfüllen. Dazu gibt es noch keine gesetzliche Grundlage, aber einen Beschluss der Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern vom 7. April 2016.

Neue Dieselfahrzeuge werden mittlerweile darauf ausgelegt, die Stickoxid-Grenzwerte einzuhalten. Gebrauchte, ältere Fahrzeuge ohne entsprechende Zusatzsysteme könnten vom Fahrverbot betroffen sein.

Fazit: Diesel oder Benziner?

Grundsätzlich sollte die Entscheidung für ein Diesel- oder Benzinfahrzeug auf das Nutzungsverhalten angepasst werden. Wer viel Kilometer im Jahr zurücklegt und wenig im Stadtverkehr unterwegs ist, wird vermutlich eher vom Diesel, als vom Benziner profitieren. Bei der Wahl für einen Diesel sollten aber auch die Investitionen zur Verringerung der Luftbelastung bedacht werden.


Stichwort:
Zusatzsysteme beim Diesel
In Hinblick auf die Stickoxidbelastung (NOx) erfüllen Dieselfahrzeuge die Abgasnorm 6 nur, wenn sie nicht mehr als 80 Milligramm des Luftschadstoffes pro Kilometer ausstoßen. Das Gesetz schreibt dabei nicht vor, welche Technik eingesetzt werden muss. Bisher bewährten sich auf Dauer die sogenannten SCR-Katalysatoren. Dabei werden die Stickoxidmoleküle im Abgas mit Hilfe von AdBlue, einer ungiftigen Harnstofflösung, in ungefährlichen Stickstoff und Wasser umgewandelt.

Vereinzelt verbauen die Autohersteller in ihren Dieselfahrzeugen auch sogenannte NOx-Speicherkatalysatoren. Dabei werden die Stickoxide im Inneren des Katalysators gesammelt. Sobald der Speicher voll ist, beginnt ein automatischer Regenerationsprozess durch verschiedene chemische Reaktionen. Allerdings entweicht dabei neben Wasserdampf und Stickstoff auch der Klimaerwärmer Kohlenstoffdioxid.

MDR AKTUELL RADIO

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 15:26 Uhr