Eine Pflegerin hilft einem Mann beim Hinsetzen und Aufstehen aus dem Bett.
Im vergangenen Jahr hat sich jeder zweite Widerspruch gegen die Pflegegrad-Einstufung durch den MDK gelohnt. Bildrechte: IMAGO

Pflegebeauftragte für mehr Transparenz Widerspruch gegen Pflegegrad lohnt sich

Welchen Pflegebedarf jemand hat, stuft der Medizinische Dienst ein - doch die Fachleute liegen nicht immer richtig. So hat sich laut "Welt am Sonntag" allein 2017 jeder zweite Widerspruch gegen die Einstufung gelohnt - zum einen, weil Gutachter dem Widerspruch folgten und zum anderen, weil sich der Zustand der zu Pflegenden in der Zwischenzeit verschlechtert hatte.

Eine Pflegerin hilft einem Mann beim Hinsetzen und Aufstehen aus dem Bett.
Im vergangenen Jahr hat sich jeder zweite Widerspruch gegen die Pflegegrad-Einstufung durch den MDK gelohnt. Bildrechte: IMAGO

Jeder zweite Einspruch gegen die Pflegegrad-Einstufung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist erfolgreich. Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf den Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS). Danach empfahlen Gutachter bei rund 29 Prozent der Widersprüche einen anderen Pflegegrad. Bei 24 Prozent hatte sich den Angaben zufolge der Hilfebedarf inzwischen verändert. Dabei lag der Anteil der Widersprüche gegen die rund 1,61 Millionen Pflegebegutachtungen nach neuem Begutachtungsverfahren 2017 laut MDS bei rund 6,8 Prozent.

Pflegebevollmächtigte des Bundes für mehr Transparenz

Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach, kritisierte in der Zeitung, dass es dem Prüfprozess an Transparenz fehle. Valide und umfassende Daten darüber, wie oft Kranken- und Pflegekassen Anträge ablehnten oder erst nach einem Widerspruch genehmigten, stünden der Allgemeinheit bisher nicht zur Verfügung. So gibt der MDS Fischbach zufolge Widerspruchszahlen nur bei Nachfrage bekannt.

Für viele Patienten und Pflegebedürftigen sind die Entscheidungen der Kranken- und Pflegekassen nicht transparent genug, sie werden oft sogar manchmal als willkürlich wahrgenommen.

Ingrid Fischbach. Pflegebevollmächtigte des Bundes

Seit Januar 2017 gelten in Deutschland Pflegegrade statt Pflegestufen. Ziel war es unter anderem, den Hilfebedarf Dementer aufzufangen.  Der MDS koordiniert die Arbeit der bundesweit 15 MDKs. Sie prüfen unter anderem die Pflegebedürftigkeit bei gesetzlich Versicherten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Februar 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2018, 14:37 Uhr

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17 Kommentare

05.02.2018 16:18 Fragender Rentner 17

@ auch noch zu 13

Bei der Pflege von Patienten haben neun Männer und Frauen mit falschen Abrechnungen bundesweit Millionen Euro ergaunert. Nun wurden sie vom Landgericht Düsseldorf wegen Bandenbetruges beziehungsweise gewerbsmäßiger Geldwäsche zu bis zu sieben Jahren Haft verurteilt.

05.02.2018 16:07 Fragender Rentner 16

@wer hat und verraten, ... zu 13

Das ist halt so ein Ding mit dem Glauben. :-(

Es gibt und gab so viele Glaubensrichtungen auf der Welt und welche ist die Richtige?

Die Wahrheit ist, dass sie im großen Stil die Sozialsystem betrogen haben, also auch uns. :-(

05.02.2018 09:11 Sachse43 15

Es ist einfach schäbig von den Kassen bzw. dem MDK aufs Geradewohl zu urteilen nur um Kosten zu drücken. Wer bezahlt eigentlich die Kassenbeiträge der Neubürger?

05.02.2018 07:47 Pflegeberatung Berlin-Brandenburg 14

Ich empfehle Ihnen die Beauftragung eines privaten Pflegeberaters, dieser erstellt ein unabhängiges Wiederspruch Gutachten, damit kommt man meist auch mit Hilfe eines Anwalts weiter.

04.02.2018 19:57 wer hat und verraten, ... 13

@Fragender Rentner 10

ich glaube die hatten einfach falsch abgerechnet, entweder den falschen Pflegegrad oder die Personen gab es gar nicht.

Das hatte nichts mit der Anerkennung zu tun.

04.02.2018 19:52 Sabine Kiening 12

Ich habe hier sehr schlechte Erfahrungen mit dem MDK. Der Widerspruch hat gar nichts gebracht, es stand wieder im Gutachten genau das Gegenteil von dem dem, was ich über meine Mutter berichtet habe. Die Krankenkasse hat mir dann geraten, nicht weiter dagegen vorzugehen, da hier eine Krähe der Anderen kein Auge aussticht. Es ist unvorstellbar wie man hier um Hilfe für Angehörige betteln muss und wie unverschämt sich die Mitarbeiter des MDK verhalten.

04.02.2018 18:45 H. Reiche 11

Nach dem ersten Widerspruch ist in der neuen Erfassung im Textbeitrag dargelegt wie schlecht es der Patientin geht, das schon vieles nur mit nachbarschaftlicher Hilfe möglich ist.
In der Punkteerfassung wird das jedoch nicht berücksichtigt. Nochmal Widerspruch eingelegt, wegen der widersprechenden Feststellung. Mal gespannt was jetzt herauskommt.

04.02.2018 17:21 Fragender Rentner 10

@wer hat und verraten, ... zu 9

Und was waren das für Pflegedienste, die man letztens (2017) ausgehoben hatte?

War es nicht auch in Berlin und auch noch irgendwelche Aussiedler aus Rußland, die die Pflegedienste betrieben?

04.02.2018 16:23 wer hat und verraten, ... 9

@Fragender Rentner 8

die Pflegedienste haben damit nichts zu tun, das sind die Krankenkassen und Gutachter.

Ich kann auch nur jeden raten bei der Begutachtung anwesend zu sein, auch im Pflegeheim.

Ein bekanntes Mittel ist zum Beispiel immer wieder auf den Tisch zu klopfen bis der Patient aufmerksam auf das Klopfgeräusch wird und sich dann was vom Tisch nehmen soll.

Lasst euch das nicht gefallen, es steht nämlich niemand 24 Stunden neben dem Patienten und klopft auf den Tisch, wo das Getränk zum Beispiel steht.

04.02.2018 15:52 Fragender Rentner 8

Oder man muß nur mit solchen Pflegediensten zusammen arbeiten, die auch manchmal auffliegen. :-(

Ansonsten sind sie nur "grundehrlich", denken nur an "ihren Profit". :-(

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