Ausgedrückte Zigarette
Nichtraucherschutz wirkt, sagen die Ärzte. Die Zahl der Todesfälle durch Passivrauchen sei zurückgegangen. Bildrechte: colourbox.com

Zehn Jahre Rauchverbot Schutz von Nichtrauchern oder Raucherdiskriminierung?

Kaum ein Thema spaltet die Gemüter in Deutschland so sehr wie das Rauchen. Jeder hat eine Meinung dazu, denn fast jeder ist davon betroffen. Vor zehn Jahren trat das Gesetz zum Schutz von Nichtrauchern in Kraft.

Ausgedrückte Zigarette
Nichtraucherschutz wirkt, sagen die Ärzte. Die Zahl der Todesfälle durch Passivrauchen sei zurückgegangen. Bildrechte: colourbox.com

Im Juli 2007 hat die Bundesregierung ein Gesetz beschlossen, das das öffentliche Leben in Deutschland nachhaltig beeinflussen sollte: das Bundesnichtraucherschutzgesetz. Seit dem 1. September 2007 ist es in Kraft – also exakt zehn Jahre. Seitdem ist das Rauchen in den Einrichtungen des Bundes wie im öffentlichen Personenverkehr – in Bus, Bahn und Taxi sowie auf Bahnhöfen – verboten.

Tabakkaufen erst ab 18

Mit dem Gesetz wurde auch das Mindestalter für den Zigarettenkauf von 16 auf 18 Jahre heraufgesetzt. Zudem wurden die Bundesländer dazu angehalten, eigene Regeln für das Rauchen in Kneipen, Diskotheken und Kinos aufzustellen. Statt eines gibt es 16 Nichtraucherschutzgesetze und Deutschland ist in puncto Rauchverbot ein Flickenteppich.

Viele Länder setzten zunächst auf Freiwilligkeit, wie etwa Nordrhein-Westfalen. Als das nicht funktionierte, wurden die Vorgaben strenger. Seit 2013 gilt in NRW das absolute Rauchverbot in Kneipen – wie auch in Bayern und im Saarland.

16 verschiedene Gesetze

Die mitteldeutschen Länder haben ein mehr oder weniger striktes Rauchverbot in Kneipen durchgesetzt. In Sachsen und Sachsen-Anhalt darf in kleinen Eckkneipen geraucht werden, wenn der Betreiber seine Kneipe zur Raucherkneipe erklärt. Gaststätten müssen in allen drei Ländern extra Räume vorhalten, wollen sie ihren Gästen das Rauchen ermöglichen. Andernfalls müssen die Raucher vor die Tür.

Ein Mann trinkt Bier aus einem Glas und hält dabei eine Zigarette zwischen den Fingern.)
Rauchen und Trinken? In Bayern nur noch draußen möglich. Bildrechte: colourbox

In den Diskotheken Sachsen-Anhalts dürfen die Raucherräume keinen Anschluss an die Tanzfläche haben. In Sachsen und Thüringen ist das erlaubt. In den Schwimmbädern Sachsens und Thüringen gilt das absolute Rauchverbot. In Sachsen-Anhalt gelten Ausnahmen für abgetrennte Räume.

Die Auswirkungen des Rauchverbots sind nur schwer messbar. Doch gibt es Hinweise, dass die Zahl der Todesfälle durch Passivrauchen zurückgegangen ist. Es fehlen jedoch Vergleichszahlen. Nach der jüngsten Erhebung starben 2012 in Deutschland 47.000 Menschen an Lungenkrebs – 6.000 von ihnen waren Passivraucher.

Der Anteil der Raucher geht seit Jahren zurück. Aktuell raucht bei Männern unter 25 Jahren jeder Vierte. Bei jungen Frauen ist es jede Fünfte. 1982 lag der Anteil noch jeweils um die 40 Prozent.

Qualmfrei auch im Auto

Inzwischen wird auch über Rauchverbot in Privatautos diskutiert. Die Idee findet auch bei Rauchern selbst Anklang. Nach einer Studie der Uni Düsseldorf sind 67 Prozent der befragten Raucher dafür, das Qualmen im Auto zu verbieten – wenn Kinder im Fahrzeug sitzen.

Der Deutsche Zigarettenverband hält von Verboten nichts und sprich von Raucherdiskriminierung. Der Verband setzt auf Freiwilligkeit und wünscht sich eine Rückkehr zur Freiwilligkeit auch im Gaststättengewerbe. Es solle dem Wirt überlassen werden, ob er Rauchen erlauben wolle oder nicht.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 01.09.2017 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2017, 22:56 Uhr

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16 Kommentare

02.09.2017 15:04 sachser 16

Rauchst stirbst
Rauchst net stirbst ah
Also rauchst

01.09.2017 00:57 Jane 15

@brennabor:
ich finde es extremer, wenn Häuser, Müllberge oder Wälder brennen, da sind die ein paar Milliarden an Menschen, die selbst entscheiden, wie ihre kleinen Sünden aussehen, eher harmlos... sorry, aber das muss auch mal gesagt werden...

01.09.2017 18:46 Walter 14

Die bösen zum Beispiel
- Raucher
- Sekt trinkende
- Autofahrer

Einen Monat ohne diese Steuern und der Staat würde heulen. Doppelmoral!
Aber Cannabis erlauben wollen. Ja!!!

01.09.2017 17:23 Brennabor 13

an Muskel: Mir geht es leider genau so.
an Jane: Sobald jemand irgend wo raucht ist es
vorbei mit der frischen Luft !
Rauchen ist einfach ekelhaft.

01.09.2017 17:21 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 12

Ein Rauchverbot im eigenen Auto?? Wenn Kinder im Auto sitzen, käme ich nicht mal auf die Idee zu rauchen!

Ich rauche gern aktiv, will aber niemanden damit belästigen, weil mich 'Passiv-Rauchen' manchmal selbst belästigt. So geht man 'an die frische Luft', um diese 'zu verpesten' - selbst zu Hause: das ist nicht immer schön, aber härtet ab.

Es gibt ja doch durchaus 'Raucheroasen', die nicht nur ein 3x3-m-Glaskäfig-mit-Auspuff sind und in die sich eben auch keine 'militanten Nichtraucher' verirren.
Die Warnhinweise auf anders sprachlichen Packungen geben auch einen Zugang zu der Sprache:
"Smoking kills." ist so wunderbar eindeutig, aber mein Favorit ist "Fumar puede matar!".

01.09.2017 16:58 Frauke Garstig 11

Warum soll man als Nichtdrogenabhängiger auf rauchende Junkies Rücksicht nehmen, soweit kommt es noch! Mir reichen schon die widerwärtigen Eltern, die an Spielplätzen vor den Kindern rauchen und die Kippen im Spielsand entsorgen!

01.09.2017 15:28 sachser 10

Rauchst stirbst
Rauchst net stirbst ah
Also rauchst

01.09.2017 15:19 Torsten 9

Es gab mal eine Zeit da habe ich Rücksicht auf Nichtraucher genommen. Dann war nur noch die Frage ob ich deutlich sichtbare Zeichen tragen muss an welchen erkennbar ist ob ich Raucher bin. Den Rest der bekannten Zustände haben wir schon. Ok
Lager gibt es auch noch nicht. Noch nicht !!

01.09.2017 14:42 asraelvudogel 8

Ich finde, dass die Nichtraucherschutzgesetze noch nicht weit genug gehen. Für das Rauchen entscheidet sich jeder selbst. Keiner wird als Raucher geboren. Warum soll ich als Nichtraucher durch die persönliche Entscheidung eines anderen in Mitleidenschaft gezogen werden? Gerade in geschlossenen Räumen ist das eine Zumutung.
So lang die Gesetzeslage noch so ist, wie sie ist, vermeide ich eben Raucher-Lokalitäten. Es gibt zum Glück genügend Auswahl an Kneipen, Bars und Diskotheken mit generellem Rauchverbot. Zusätzlich spreche ich Raucher, die Verbote einfach ignorieren, sehr gerne auf ihr Fehlverhalten an. Die meisten machen die Kippe dann auch aus.

01.09.2017 13:23 Jane 7

Ich gebe ehrlich zu, dass ich wahrscheinlich eine der wenigen "vorbildlichen" Raucherinnen bin. Ich gehe prinzipiell an die frische Luft zum Rauchen - egal ob es regnet oder "saukalt" ist. Auch beim Autofahren bin ich der Meinung, dass das Rauchen während der Fahrt Risiken in sich birgt. Wenn ich unbedingt diesem Laster frönen möchte, halte ich auf einem Parkplatz an, steige aus und tue auch gleichzeitig mir selbst etwas Gutes, in dem ich dem Körper Bewegung verschaffe und gleichzeitig der Lunge zumindest etwas frische Luft verabreiche... Die Verbote stören mich daher weniger, solange mir nicht vorgeschrieben wird, auch noch an der frischen Luft das Rauchen einzustellen...