Canadian Brass spiegeln sich in der Trompete von Chris Coletti
Wann und wie lange darf in einer Mietwohnung musiziert werden? Das entscheidet heute der Bundesgerichtshof. Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Mietrecht Hausmusik: Was erlaubt ist und was nicht

Die Blockflöte ist noch in Ordnung, aber was wenn der Bewohner zur Trompete greift? Genau davon hatten sich Bewohner eines Reihenhauses in Augsburg gestört gefühlt. Ihr Nachbar, ein Berufsmusiker, übte zu Hause und gab Unterricht. Sie verlangten geeignete Maßnahmen, damit das Spielen der Musikinstrumente nicht gehört werden muss. Diesem Antrag der Kläger hat ein Amtsgericht zugestimmt. Der Trompeter ist deshalb in Berufung gegangen. Der Fall wird vor dem Bundesgerichtshof verhandelt.

von Thomas Matsche, MDR AKTUELL

Canadian Brass spiegeln sich in der Trompete von Chris Coletti
Wann und wie lange darf in einer Mietwohnung musiziert werden? Das entscheidet heute der Bundesgerichtshof. Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Wenn Susanne Voigt zur Geige greift, hält sie Fenster und Türen geschlossen. Natürlich nicht weil Felix Mendelssohn-Bartholdy so furchtbar klingt, sondern um den Geräuschpegel niedrig zu halten. Die Leipzigerin spielt im hiesigen Ärzteorchester und übt dafür zwei- bis dreimal die Woche, in der Regel eine Stunde.

Mit den Nachbarn reden, kann helfen

"Als ich hier eingezogen bin, habe ich mit meiner Nachbarin schon darüber gesprochen, dass ich ab und zu mal musiziere", sagt Susanne Voigt. Und auch ihre Tochter spiele Klavier - die Nachbarn sollten sich melden, wenn sich jemand gestört fühle. Beschwert hat sich bei ihr noch niemand, sagt Voigt. Was sicher auch am Umfeld liegt: In ihrem und im Nachbarhaus wird viel musiziert.

Bei einer Freundin hat sie aber auch schon rigorose Nachbarn erlebt. Dort gab es die Absprache, dass man nur bis 19 Uhr spielen dürfe. "Und dann hatten wir zusammen musiziert und Punkt 19 Uhr gab es dann das Klopfen mit dem Besenstil und wir mussten unsere Übung abbrechen, weil es da ja offenbar schon Beschwerden gab."

Absprachen und Kommunikation sind also immer sehr wichtig, sagt Anke Matejka, Vorsitzende des Mietervereins Leipzig. Damit daraus eben keine Konflikte entstehen.

Kein generalles Verbot für Hausmusik

Dem Musikanten das Musizieren generell zu verbieten, geht aber nicht. Hausordnungen oder Mietverträge dürfen das nicht festschreiben. Das hat der Bundesgerichtshof schon einmal entschieden, sagt Matejka.

Denn das Musizieren gehört zum sozial üblichen Verhalten. Also man kann es nicht komplett einschränken. Das bedeutet aber nicht, dass man zu jeder Tageszeit und je nach Dauer oder Lautstärke auch immer musizieren darf.

Anke Matejka | Leipziger Mieterverein

Vor allem sind die Ruhezeiten einzuhalten, sagt Anke Matejka. Also die Mittagsruhe und die Abend- und Nachtstunden. In der restlichen Tageszeit sind zwei bis drei Stunden Musizieren erlaubt, sagen die Gerichte. Das gilt zum Beispiel für das Klavier- oder Klarinettenspiel.

Ausnahme Schlagzeug

Beim Schlagzeug sei es ein bisschen anders. Das seien es unter Umständen auch nur eine dreiviertel Stunde bis anderthalb Stunden. Ja, und auch gemeinschaftliches Musizieren sei ja nun auch noch mal ein Grad stärker. Auch das könne unter Umständen dann nur für anderthalb Stunden am Tag für zulässig erklärt werden, so Matejka vom Leipziger Mieterverein.        

Musikunterricht zuhause muss Mieter anmelden

Es spielt aber keine Rolle, ob jemand professionell oder nur laienhaft musiziert. Auch ein Klimpern muss ertragen werden. Wer in seiner Wohnung Musikunterricht geben will, sollte das aber unbedingt beim Vermieter angeben, erläutert der Leipziger Rechtsanwalt Daniel Baumgärtner. "Weil ansonsten sogar eine unerlaubte gewerbliche Nutzung der Wohnung stattfinden würde - und das zur Kündigung führen könnte."

Nach einer Stunde kommt Susanne Voigt mit ihrem Geigenspiel zum Ende. Das macht sie nicht nur, weil sie sich an die Absprachen mit ihren Nachbarn hält. Sie muss auch das Mittagsessen für ihre Tochter zubereiten, die gleich aus der Schule kommt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. September 2018 | 06:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2018, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

26.10.2018 22:40 frisch&froh 2

Also erst einmal: üben ist üben und nicht dazu da andere zu erfreuen, und ständiges wiederholen von Stellen macht keinem Zuhörer Spaß .... das liegt in der Natur der Sache und zu wissen, wie gerade Leute die keine Ahnung haben, sich aber meist für sehr kompetent halten ... kann zusätzlich blockieren ... die Lehrer selbst beurteilen nach ganz anderen Kriterien ...
Manchmal kommt Verspielen auch nur aus Stress und mangelnder Erholung ... wer regelmäßig in den Urlaub fährt oder/und nicht viel leisten muss, versteht das logisch eher nicht. So mancher gestresste Mensch hat nicht einmal genügend Zeit zum Mittag essen, aber verurteilen und sich auf Kosten anderer aufwerten ohne Kenntnisse von Zusammenhängen, ist bekanntlich einfach.
Aber nun zum wichtigeren Ernst :
... was bitte macht ein Berufsmusiker?
Nicht jeder erhält eine Anstellung in einer Musikschule und nicht jeder besitzt ein Eigenheim ...

26.10.2018 15:23 lummox 1

also wenn in einem mietshaus jemand pausenlos für alle hörbar für "elise" übt ohne erkennbare fortschritte ist das genauso nervend wie ein nie erreichtes takthalten eines möchtegern-drummers :)