Bessere Betreuung Zwei Millionen Euro mehr für Pflege in Sachsen

Menschen zu pflegen, die nicht mehr für sich selbst sorgen können – das ist ein anspruchsvoller Vollzeitjob. Wie die Situation in Sachsen verbessert werden kann, analysiert seit zwei Jahren eine Enquete-Kommission des Landtags.

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Sachsen

Allein mit Geld ließen sich die Herausforderungen in der Pflege nicht lösen, sagt Oliver Wehner. In den vergangenen knapp drei Jahren hat der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion die Enquete-Kommission Pflege in Sachsen geleitet und in vielen Diskussionsrunden mit Pflegern, Dienstleistern und Angehörigen gesprochen.

Angehörige tragen Hauptlast der Pflege

Dass auf Bundesebene nun dafür gesorgt wird, dass die Berufsausbildung in der Kranken- und Altenpflege reformiert wird, sei ein wichtiger Schritt, sagt Wehner. Auf der anderen Seite müsse auch gefördert werden, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. "Wir müssen die Zuwanderung für den Freistaat Sachsen und die Bundesrepublik ganz konkret regeln."

Allein in Sachsen werden bis 2030 zwischen 2.500 und 5.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Die Hauptlast der Pflege tragen aber auch in Sachsen Angehörige, die sich um ihre Familienmitglieder kümmern. Rund 150.000 sind es derzeit, heißt es im aktuellen Pflegereport der Barmer.

11.000 Sächsinnen und Sachsen sind kurz davor, mit der Pflege aufzuhören, weil sie es physisch und psychisch nicht mehr leisten können. Das ist ein deutliches Alarmsignal.

Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer Sachsen

Pflegedienste können Senioren-WGs unterstützen

Erstmals wird ab dem kommenden Montag in Sachsen eine Woche der pflegenden Angehörigen stattfinden, wo unter anderem darüber informiert wird, welche Entlastungen der Staat schon anbietet. Die sollten künftig auch ausgebaut werden, kündigt Oliver Wehner an. So werde die Pflege-Kommission anregen, das Sächsische Betreuungs- und Wohnqualitätsgesetz zu ändern.

Als Beispiel nennt Wehner Rentner, die gerne in eine WG ziehen würden. Das wäre bislang kaum möglich, weil dort keine Betreuung durch Pflegekräfte möglich wäre. Die bisherige Regelung sei sehr streng und habe quasi verhindert, dass Pflegedienste helfen können, solche Senioren-Wohngemeinschaften zu organisieren.

Der Vorschlag sei nur ein Ansatzpunkt von vielen, die helfen sollen, die Pflege in Sachsen zu verbessern, sagt Wehner.

Konkrete Vorschläge der Enquete-Kommission erst im Januar

Und dann spricht er doch über Geld und über die Bezahlung der Pflegekräfte. Sie sei zwar in erster Linie Sache der Tarifpartner, aber:

Die Politik könnte als letzten Schritt einen allgemeinverbindlichen Lohn festlegen. Aber in erster Linie setze ich darauf, dass der Markt diese Funktion übernimmt.

Oliver Wehner, Leiter der Enquete-Kommission Pflege in Sachsen

So vorsichtig hat Wehner das schon früher formuliert. Was die Enquete-Kommission konkret vorschlägt, soll erst im Januar bekannt gegeben werden. Damit ihre Empfehlungen danach auch umgesetzt werden können, sind im Haushaltsentwurf der Regierungsfraktionen CDU und SPD für 2019/2020 insgesamt zwei Millionen Euro eingestellt worden. Der Sächsische Landtag wird im Dezember darüber entscheiden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. November 2018 | 08:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2018, 08:05 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

23.11.2018 13:19 Dorfbewohner 1

“Zwei Millionen Euro mehr für Pflege in Sachsen”

lautet die Überschrift und ich höre soeben bei ntv, dass in Deutschland ein Gutachten für schlappe
1,3 Millionen € in Auftrag gegeben wurde, um die Zweckmäßigkeit von Möbel in Kasernen zu beurteilen.

Ich bin mir nicht schlüssig, ob ich lachen oder 'gute Nacht’ sagen sollte.