Lage in Afghanistan Sieben Tote am Flughafen in Kabul

Im Gedränge vor dem Kabuler Flughafen sind sieben Menschen ums Leben gekommen. Wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte, versammelten sich erneut Tausende Menschen vor dem Flughafen in der afghanischen Hauptstadt, um das Land nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban zu verlassen.

Hunderte von Menschen versammeln sich vor dem internationalen Flughafen.
Seit Tagen herrscht Chaos am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul. Bildrechte: dpa

In Kabul sind im Gedränge rund um den Flughafen sieben Menschen ums Leben gekommen. Wie das britische Verteidigungsministerium mitteilte, handelt es sich bei den Toten um afghanische Zivilisten.

Zuvor hatte bereits der britische Sender Sky News von chaotischen Szenen vor den Toren des Flughafens berichtet, bei denen Menschen am Samstag "gequetscht" worden seien. Viele seien dehydriert und verzweifelt gewesen. Seinem Bericht zufolge konnten Sanitäter bei mehreren Menschen keine Lebenszeichen mehr feststellen, woraufhin diese in weiße Tücher gehüllt wurden. Auch am Sonntag harrten Tausende Menschen großer Hitze an den Eingängen des Airports aus - in der Hoffnung, per Flugzeug vor den islamistischen Taliban ins sichere Ausland fliehen zu können.

Deutsche Botschaft rät von Fahrt zum Flughafen ab

Die deutsche und die amerikanische Botschaft in Kabul rieten ihren Staatsbürgern inzwischen, zu Hause zu bleiben. Wegen der chaotischen Situation war die Evakuierung ins Stocken geraten und die Bundeswehr konnte nur wenige Menschen ausfliegen. Insgesamt dürfte die Bundeswehr nach eigenen Zahlen nun mehr als 2.300 Menschen aus Kabul evakuiert haben.

5.000 afghanische Flüchtlinge auf US-Stützpunkt in Ramstein

Weitere 5.000 Flüchtlinge sind bislang von der US-Armee aus Afghanistan nach Deutschland evakuiert worden. Sie wurden auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein untergebracht, wie eine Sprecherin in Ramstein bestätigt. Dort sei das derzeit größte Lager für Evakuierte aus Afghanistan in Deutschland errichtet worden. Die Flüchtlinge seien in Zelten und Hangars untergebracht.

Bleibe-Prämie für afghanische Entwicklungshelfer

Unterdessen hat das Entwicklungsministerium in Berlin mitgeteilt, dass afghanischen Mitarbeitern der Entwicklungshilfe, die im Land bleiben wollen, ein zusätzliches Jahresgehalt angeboten wurde. Ein Sprecher bestätigte einen Bericht des "Spiegel". Um das Jahresgehalt zu bekommen, müssten die Ortskräfte allerdings weiter für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeiten. Außerdem müssten sie schriftlich versichern, dass sie das Evakuierungsprogramm der Bundesregierung nicht in Anspruch nähmen.

Der Sprecher erklärte, das Geld solle den Ortskräften helfen, die schwierige Lage zu überbrücken. Wer evakuiert werden wolle, könne sich weiter dafür registrieren. Höchste Priorität habe die Sicherheit der Betroffenen. Zahlreiche Hilfsorganisationen haben inzwischen erklärt, dass sie ihre Arbeit in Afghanistan fortsetzen wollen.

Quelle: dpa/AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. August 2021 | 09:30 Uhr

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