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Die Staats- und Regierungschefs der G20 sind weiter uneins bei Klimaschutzzielen. Bildrechte: dpa

Gipfel in RomEnttäuschung über Klimapolitik der G20-Staaten

von MDR AKTUELL

Stand: 31. Oktober 2021, 21:29 Uhr

Vom G20-Gipfel ist nach Ansicht von Fachleuten kein starkes Signal für den Klimaschutz ausgegangen. Die führenden Wirtschafsnationen bekannten sich zwar zum 1,5-Grad-Ziel. Es fehlen aber konkrete Ziele und Maßnahmen.

Umweltverbände und Klimaschützer die Beschlüsse der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) zur Bekämpfung der Erderwärmung als unzureichend kritisiert. "Der G20-Gipfel hätte eine Steilvorlage für die UN-Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow werden müssen", sagte Klimaexperte Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam. "Das ist nicht gelungen."

Greenpeace: Ohne Ehrgeiz und Vision

Die Erklärung der G20 sei "schwach", es fehle ihr sowohl an "Ehrgeiz als auch an Vision", erklärte Greenpeace.  Die Kinderschutzorganisation World Vision attestierte den G20 "Aufschieberitis" beim Klimaschutz. Es sei ein Gipfel der verpassten Chancen gewesen.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich enttäuscht: "Ich verlasse Rom mit unerfüllten Hoffnungen – aber wenigstens sind sie nicht beerdigt", schrieb Guterres am Sonntag auf Twitter. Nun gehe es bei der Weltklimakonferenz darum, das "1,5-Grad-Ziel am Leben zu halten".

Kaum konkrete Vorhaben und Ziele

Die G20-Mitglieder hatten sich bei ihrem Gipfel in Rom darauf verständigt, das 1,5-Grad-Ziel "in Reichweite" zu halten. Bis zur "Mitte des Jahrhunderts" wollen sie CO2-neutral werden und ab dem kommenden Jahr keine "schmutzigen" Kohlekraftwerke mehr im Ausland finanzieren.

Der Einigung waren schwierige Verhandlungen vorausgegangen. Vor allem Schwellenländer und Staaten mit großer Produktion fossiler Energien hatten sich gegen den Vorschlag der italienischen G20-Präsidentschaft gewehrt, das Jahr 2050 konkret als Zielmarke für die Klimaneutralität festzuschreiben.

Draghi und Merkel zufrieden

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi zeigte sich vor diesem Hintergrund zufrieden mit den Vereinbarungen: "Wir sind stolz auf dieses Ergebnis, aber wir müssen bedenken, dass dies erst der Anfang ist."

Bundeskanzlerin Angela Merkel wertete die Klimabeschlüsse ebenfalls als Erfolg. Sie seien ein "gutes Signal" für die Weltklimakonferenz, sagte sie. Merkel hob hervor, dass sich die 19 führenden Wirtschaftsmächte und die EU erstmals seit 2016 wieder gemeinsam zum Pariser Klimaabkommen von 2015 bekannt hätten. Danach war US-Präsident Donald Trump mit dem Ausstieg aus dem Klimaabkommen ausgeschert.

G20 als Hauptverursacher von Treibhausgasen

Der Gruppe der Wirtschaftsmächte kommt eine wichtige Rolle zu, weil sie für rund 80 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich ist. Der zweitägige Gipfel der Staats- und Regierungschefs endet an diesem Sonntag in der italienische Hauptstadt, während in Schottland das zweiwöchige Klimatreffen (COP26) beginnt.

dpa/kkö/ala

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 30. Oktober 2021 | 17:30 Uhr