Gas-Proteste Russland-Allianz schickt "Friedenstruppen" nach Kasachstan

Massiv gestiegene Gaspreise haben Kasachstan in eine schwere Krise gestürzt. Landesweit kommt es zu gewaltsamen Protesten. Regierungsgebäude stehen in Flammen, Medien berichten von mindestens acht Toten und hunderten Verletzten. Laut Präsident Tokajew ist inzwischen auch das Militär im Einsatz. Zudem soll das Ausland helfen, die Lage zu stabilisieren. Eine von Russland geführte Militär-Allianz kündigte bereits die Entsendung von "Friedenstruppen" in das zentralasiatische Land an.

Bereitschaftspolizisten blockieren Demonstranten in der Innenstadt.
Bereitschaftspolizisten blockieren Demonstranten in der Innenstadt von Almaty. Bildrechte: dpa

Nach gewaltsamen Protesten in Kasachstan ist das Militär eingeschritten. Das erklärte Präsident Kassim-Schomart Tokajew in einer Fernsehansprache. Tokajew sagte, "terroristische Banden" hätten sich in der Großstadt Almaty einen Kampf mit Fallschirmjägern geliefert. Kasachische Medien erklärten, bei einer "Spezialoperation" sei der Flughafen der Stadt "befreit" worden.

Offenbar Militäreinsatz am Flughafen Almaty

Medienberichten zufolge hatte sich am Mittwoch auf dem Airport eine große Menschenmenge versammelt. Der Flughafen sei geräumt worden und die Mitarbeiter hätten das Gelände verlassen. Mehrere Fluggesellschaften strichen daraufhin Flüge nach Almaty.

Angriffe auf Regierungsgebäude

Zuvor hatten Demonstranten Regierungsgebäude in Almaty besetzt. Berichten zufolge standen sowohl das Büro des Bürgermeisters als auch die Präsidentenresidenz in Flammen. Auch im Stadtgebiet der Metropole soll die Armee gegen Demonstranten vorgegangen sein. Auf Telegram wurden Videos veröffentlicht, die dies belegen sollen. Auf den Aufnahmen sind Schussgeräusche zu hören sowie schreiende Menschen.

Von Russland geführte "Friedenstruppe" soll eingreifen

Angesichts der Unruhen hat ein von Russland geführtes Militärbündnis die Entsendung von "Friedenstruppen" nach Kasachstan angekündigt. Diese würden für eine begrenzte Zeit dort bleiben, um die Lage zu stabilisieren, erklärte auf Facebook der derzeitige Vorsitzende der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan. Kasachstans Präsident Tokajew hatte das Militärbündnis zuvor um Hilfe gebeten.

Regierung kündigt Rücktritt an

Als Konsequenz aus den Protesten hatte Tokajews bereits den Ausnahmezustand verhängt. Zudem habe Regierungschef Askar Mamin seinen Rücktritt eingereicht, teilte das Präsidialbüro mit. Das bedeute, dass die gesamte Regierung aus dem Amt scheide. Bis zur Bildung eines neuen Kabinetts blieben die Minister aber noch im Amt.

Proteste gegen gestiegene Gaspreise

Massiv gestiegene Gaspreise hatten am vergangenen Wochenende Unruhen in dem zentralasiatischen Land ausgelöst. Die Proteste weiteten sich rasch über das ganze Land aus. Am Dienstag hatte es gleich in mehreren Städten und Dörfern des autoritär regierten Landes Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmern gegeben.

Zahlreiche Festnahmen und verletzte Polizisten

Wie das Innenministerium in der Hauptstadt Nur-Sultan mitteilte, kam es dabei zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Mehr als 200 Menschen seien festgenommen worden. Mindestens acht Sicherheitskräfte seien getötet und 317 weitere verletzt worden.

Vor allem in der Wirtschaftsmetropole Almaty gab es Krawalle. Den Behörden zufolge flogen Steine und Molotow-Cocktails auf Sicherheitskräfte. Nach Berichten lokaler Medien setzte die Polizei Tränengas und Blendgranaten ein. In Videos waren Explosionsgeräusche zu hören. Bilder zeigten zahlreiche brennende Polizeiautos.

Gaspreise wieder gesenkt

Tokajew ordnete inzwischen an, die Preise für Flüssiggas wieder zu senken, um die "Stabilität des Landes" zu gewährleisten. Ein Direktor einer Gasverarbeitungsanlage wurde festgenommen. Es gab Berichte über Preisabsprachen. An den Tankstellen soll sich der Preis für Flüssiggas verdoppelt haben. Zum Jahresbeginn waren bisherige Subventionen ausgelaufen.

dpa/reuters (kkö, rnm, dkn)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Januar 2022 | 18:19 Uhr

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