Christi Himmelfahrt Himmelfahrt in Osteuropa: Kein Feiertag, keine Party?

Christi Himmelfahrt – vielen eher als Vater-, Männer- oder Herrentag bekannt – beschert den Deutschen jährlich einen gesetzlichen Feiertag an einem Donnerstag und bei guter Planung vier arbeitsfreie Tage hintereinander. Traditionell sind an diesem Tag zahlreiche Männer in Gruppen unterwegs, Bier fließt dabei in Strömen. In Osteuropa wird das Fest auch gefeiert, da geht es aber deutlich gesitteter zu.

Am 40. Tag nach Ostern feiern Christen den Aufstieg von Jesus in den Himmel. Dieser wichtige kirchliche Feiertag genießt in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert eine große gesellschaftliche Bedeutung als Männer-, Vater- oder Herrentag.

Vor allem im weltlich geprägten Ostdeutschland ist der Himmelfahrtstag oft nur unter diesen Namen bekannt. Jedes Jahr sind zahlreiche Männergruppen unterwegs und feiern ausgelassen - zu Fuß mit Handwagen, in der Kutsche oder auf dem Traktor. Wichtigste Bestandteile der Ausstattung sind dabei nicht etwa Spazierstöcke, sondern Bier und Hochprozentiges.

Diese Ausflüge lassen sich sowohl auf den germanischen Rechtsbrauch der Flurumgänge zurückführen, als auch aus der biblischen Geschichte von der Aussendung der Jünger Jesu ableiten.

In Deutschland ist Christi Himmelfahrt seit den 1930er-Jahren ein gesetzlicher Feiertag. Bis 1967 war er es auch in der DDR. Die sogenannten "Herrenpartien" überdauerten dennoch die DDR-Zeit. 1991 wurde Himmelfahrt im Zuge der Deutschen Einheit in den ostdeutschen Bundesländern wieder gesetzlicher Feiertag.

Ungarn und Polen: Himmelfahrt auf Sonntag verlegt

In den osteuropäischen Ländern ist Christi Himmelfahrt ein rein kirchliches Fest geblieben. Arbeitsfrei gibt es nicht, ebenso wenig weltliche Bräuche. Ungarn und Polen haben Himmelfahrt als gesetzlichen Feiertag inzwischen abgeschafft und zudem verlegt. Die Kirchen feiern das Hochfest nun am darauffolgenden Sonntag. Den katholischen Polen sind Fronleichnam am 60. Tag nach Ostern mit den zahlreichen Prozessionen und die Himmelfahrt der Jungfrau Maria am 15. August wichtiger. Wer in Polen Väter ehren und feiern möchte, kann dies jedes Jahr am 23. Juni machen. Deutlich populärer ist in Polen jedoch der Muttertag, der dort immer am 26. Mai begangen wird.

Russland: In der Kirche zelebriert

In Russland gehen nach der Auflösung der Sowjetunion zwar wieder mehr Menschen in die Kirche. Christi Himmelfahrt hat es aber bis jetzt nicht in den Rang eines gesetzlichen Feiertags geschafft. Zelebriert wird Christi Himmelfahrt natürlich auch in der russisch-orthodoxen Kirche mit entsprechender Liturgie. Im slawischen Volksglauben wurde an dem Tag einst auch Abschied vom Frühling genommen und der Sommer begrüßt.

Litauen: Herrenpartien? Unmöglich!

Die Litauer sind zum größten Teil katholisch. Der Himmelfahrtstag hat aber höchstens für sehr gläubige Menschen eine Bedeutung und wird nur im Rahmen von Gottesdiensten begangen. Ausflüge mit alkoholischen Getränken sind in dem baltischen Land ohnehin unvorstellbar, denn außer in Kneipen, Bars und Restaurants darf in der Öffentlichkeit kein Alkohol getrunken werden.

Einen Männertag gibt es in Litauen dennoch, ganz offiziell, am ersten Sonntag im Juni. Wie in Polen ist der Ehrentag für Väter jedoch bei weitem nicht so verbreitet wie der Muttertag im Mai.

Alkoholverbotsschild in Vilnius, Litauen
Alkoholgenuss unter freiem Himmel ist in Litauen verboten Bildrechte: IMAGO

Tschechien: Ein Gottesdienst extra

Tschechien ist sehr atheistisch geprägt und für die meisten Tschechen ist der Himmelfahrtstag ein ganz normaler Wochen- und Arbeitstag. Christi Himmelfahrt findet nur in den Kirchen statt. So bietet zum Beispiel der Dom St. Veit in Prag am Himmelfahrtstag einen extra Gottesdienst am frühen Abend an.

Vatertag ist in Tschechien immer am dritten Sonntag im Juni. Aber auch hier hat er bis heute keine große gesellschaftliche Bedeutung erlangt.

Kirchenschiff des St. Veits Doms in Prag
Das Kirchenschiff im Prager Dom St. Veit Bildrechte: IMAGO

Rumänien: Geister vertreiben mit Liebstöckel

Anders sieht es in Rumänien aus. Der Himmelfahrtstag ist zwar auch dort kein gesetzlicher Feiertag, aber vor allem auf dem Land haben sich die Rumänen Traditionen rund um Christi Himmelfahrt bewahrt. Sie ranken sich um den Glauben, dass sich am 40. Tag nach Ostern die Geister der Toten erheben und zum Himmel steigen. Dadurch fühlen sich die Menschen in den zehn Tagen bis Pfingsten schutzlos. Abhilfe sollen eine Reihe von Gebräuchen schaffen. Am Abend vor Himmelfahrt schneiden die Menschen Liebstöckel. Sie verteilen das Gewürz- und Heilkraut im und am Haus. Es soll die bösen Geister abhalten. Außerdem werden die Kühe mit Liebstöckel geschlagen und eingerieben.

rumänischer Kuchen Cozonac Kozunak
Kein kirchliches Fest ohne Cozonac. Den rumänischen Kuchen gibt es in unzähligen Variationen. Bildrechte: IMAGO

Am Himmelfahrtstag selbst wird mit Holunder eine weitere heilkräftige Pflanze ins Haus geholt. In die Kirche geht es dann mit Nussblättern, die auch Jesus der Legende nach getragen haben soll. Vom Kampf gegen die bösen Geister stärkt sich der rumänische Landbewohner mit einer Art Totenschmaus aus süßer Milch, Cozonac-Kuchen und rotgefärbten Eiern. Letztere werden auch gerne verschenkt.

In der Woche vor Pfingsten sind dann die sogenannten "Calusarii" sehr gefragt. In traditionelle Trachten gekleidet und mit einem Stock gerüstet, gehen diese Männergruppen von Haus zu Haus. Ihre schnellen rhythmischen Tänze, teils mit akrobatischen Einlagen, sollen ebenfalls böse Geister vertreiben. Zur Bekräftigung brüllen die Tänzer dabei wie Krieger. Der "Dansul Calusului" gehört seit 2005 zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.

Männer in Trachten tanzen auf einem Fest.
Die "Calusarii" vor Haus und Hof tanzen zu lassen, soll sehr gesund sein. Bildrechte: Viorel Chirea / Centrul cultural Municipal Caracal

Litauen: Kampf gegen Alkoholmissbrauch

Nirgends wird mehr getrunken als in Litauen, so die WHO. Im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch sind die Gesetze nun verschärft worden. Einzelheiten von Ostbloggerin Vytene Stasaityte.

Kunde und Kassiererin in Dorfladen
Litauen hat ein Alkoholproblem. Deswegen hat die Regeirung die Alkohol-Gesetze verschärft. Schon jetzt ist es verboten, in öffentlichen Parks und auf der Straße Alkohol zu trinken. Was nun auf die Litauer zukommt, berichtet unsere Ostbloggerin Vytene Stasaityte. Bildrechte: MDR/Vytenė Stašaitytė
Kunde und Kassiererin in Dorfladen
Litauen hat ein Alkoholproblem. Deswegen hat die Regeirung die Alkohol-Gesetze verschärft. Schon jetzt ist es verboten, in öffentlichen Parks und auf der Straße Alkohol zu trinken. Was nun auf die Litauer zukommt, berichtet unsere Ostbloggerin Vytene Stasaityte. Bildrechte: MDR/Vytenė Stašaitytė
Schild _ Alkohol ab 18
In Litauen dürfen Jugendliche ab 2018 erst Alkohol kaufen, wenn sie 20 Jahre alt sind. Noch darf Alkohol auch an 18-Jährige abgegeben werden. Damit müssten auch Hinweisschilder - wie dieses - in den Supermärkten umgeschrieben werden: "Jugendliche, die Milchabteilung ist auf der anderen Seite. Alkohol wird an Jugendliche unter 18 Jahren nicht verkauft." Bildrechte: MDR/Vytenė Stašaitytė
Dorfladen
Auch der Vorstoß, Alkohol nur noch in speziellen Läden zu verkaufen, kam nicht durch. Bildrechte: MDR/Vytenė Stašaitytė
Bierflaschen in Dorfladenregal
Den Alkoholkonsum will man auch durch kürzere Verkaufszeiten verringern: Statt zwischen 8 und 22 Uhr, darf ab 2018 Alkohol werktags nur noch zwischen 10 und 20 Uhr und sonntags nur bis 15 Uhr verkauft werden. Den illegalen Verkauf von selbstgebranntem Schnaps wird das allerdings nicht verhindern. Bildrechte: MDR/Vytenė Stašaitytė
Dorfladen
Ursprüglich sollten Alkohol-Läden auch dazu verpflichtet werden, Überwachungskameras zu installieren und die Aufnahmen ein halbes Jahr lang zu speichern. Dieser Vorschlag fand jedoch keine parlamentarische Mehrheit. Bildrechte: MDR/Vytenė Stašaitytė
Biergarten
Auch die Idee, Bars im Umkreis von 200 Metern von Bildungseinrichtungen zu verbieten, fand keine Mehrheit. Davon wären in der Altstadt etliche Bars und Restaurants betroffen gewesen. Allerdings darf Alkohol ab 2020 nur noch im Umkreis von 40 Metern von Restaurants, Cafés und Bars verkauft werden. Bei Sportevents ist der Ausschank von Alkohl künftig verboten. Bildrechte: MDR/Vytenė Stašaitytė
Protest Bio-Birkensaft
Der Protest gegen die geplanten Änderungen war groß. Selbst Hersteller von nicht-alkoholischen Getränken stellten sich hinter Bars und Restaurants: die Solidarität eines Produzenten von Bio-Birkensaft ging so weit, dass er sein Getränk mit kleinen Kärtchen und dem folgenden Hinweis versah: "Wir unterstützen die litauische Barkultur, die Cafés draußen und die Festivals." Auch musikalisch schlug sich der Unmut vieler Litauer nieder. So gab es in einigen Großstädten Protestkonzerte gegen die Beschränkung von Alkohol auf Kulturveranstaltungen, Stadtfesten und Festivals.
(Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im TV | 05.05.2017, 17:45 Uhr)
Bildrechte: MDR/Vytenė Stašaitytė
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 12. Mai 2021 | 18:50 Uhr

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