Tschechien Europäische Arzneimittelagentur lehnt Antiwurmmittel zur Behandlung von Covid-19 ab

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA spricht sich gegen den Einsatz des Antiwurmmittels Ivermectin bei Covid-19-Patienten aus. In Tschechien und der Slowakei werden Corona-Kranke seit einigen Wochen mit dem Wirkstoff behandelt.

Ein Mann mit Mundschutz zeigt eine Dose mit Ivermectin-Kapseln, als er aus der Apotheke kommt.
Nicht nur in Tschechien und in der Slowakei hoffen viele Menschen, dass Ivermectin Covid-19 heilen kann, sondern auch in Lateinamerika, wie hier in Bolivien. Bildrechte: dpa

In einer aktuellen Veröffentlichung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA heißt es, der Einsatz von Ivermectin zur Vorbeugung oder Behandlung von Covid-19 könne derzeit außerhalb kontrollierter klinischer Studien nicht empfohlen werden. Es seien weitere randomisierte Studien nötig, um zu zeigen, dass das Medikament effektiv und sicher ist.

Toxizität bei hohen Dosen nicht auszuschließen

Die EMA hatte zuvor die aktuellsten Studien und Meta-Analysen zu Ivermectin geprüft. Daraus gehe zwar hervor, dass der Wirkstoff die Vermehrung des SARS-CoV-2-Erregers blockieren kann, allerdings nur bei deutlich höheren Konzentrationen, heißt es. Und weiter: "Die Ergebnisse der klinischen Studien waren unterschiedlich. Einige Studien zeigten keinen Nutzen, andere berichteten über einen möglichen Nutzen. Die meisten von der EMA untersuchten Studien waren klein und wiesen zusätzliche Einschränkungen auf, darunter unterschiedliche Dosierungsschemata und die Verwendung von Begleitmedikamenten. […]" Obwohl Ivermectin in den für andere Indikationen zugelassenen Dosen im Allgemeinen gut verträglich sei, könnten die Nebenwirkungen bei den viel höheren Dosen, die erforderlich wären, um gegen das Virus wirksame Konzentrationen von Ivermectin in der Lunge zu erreichen, zunehmen. Eine Toxizität bei Anwendung von Ivermectin in höheren als den zugelassenen Dosen könne daher nicht ausgeschlossen werden.

In Tschechien als Wundermittel gehypt

Ivermectin ist vor allem in Tschechien seit Wochen in aller Munde. Sein Ruf als Wundermittel wurde durch verschiedene Internetberichte über geheilte Covid-19-Patienten angeheizt. Anfang März hatte der tschechische Premier Andrej Babiš auf einer Pressekonferenz verkündet, man werde nicht auf klinische Studien warten, sondern versuchen, es anzuwenden. Das Gesundheitsministerium in Prag hatte daraufhin eine zeitlich begrenzte Zulassung für ein Medikament erteilt, das auf Ivermectin basiert. Trotz der Einschätzung der EMA hat die Behörde ihre Haltung zu Ivermectin nicht geändert.

Gesundheitsminister Jan Blatný bekräftigte, dass es in Tschechien weiterhin unter strengen Bedingungen zulässig sei. "Es handelt sich um eine Arznei, die für die experimentelle Therapie zugelassen ist in der Tschechischen Republik, und als solche strengen Auflagen und Bestimmungen unterliegt. Es ist kein Medikament, das sich Patienten eigenmächtig besorgen sollten. Es ist nicht für jeden geeignet. Es ist kein Allheilmittel." Dafür lägen auch der Staatlichen Arzneimittelaufsicht Tschechiens bislang zu wenig Daten vor.

Seit dem 12. März dürfen Ärzte in Tschechien Ivermectin bei Patienten anwenden. Voraussetzung ist unter anderem eine entsprechende ärztliche Aufklärung und das Einverständnis der Behandelten.

Ivermectin ist für Menschen und Tiere zur Behandlung verschiedener parasitärer Erkrankungen zugelassen. Mit dem Wirkstoff lassen sich beispielsweise Fadenwürmer, aber auch Läuse und Milben bekämpfen. Präparate mit mit Ivermectin werden deshalb auch Patienten verschrieben, die an Krätze und Rosacae leiden.

(voq)

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Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell Radio | 13. März 2021 | 07:15 Uhr

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