5. Jahreszeit Fasching: Närrisches Treiben in Polen, Ungarn und Kroatien

Räubertanz, Pferdeschlittenrennen und Holzmasken: Nicht nur in Deutschland wird Karneval gefeiert, ausgefallene Karnevalsfeste gibt es auch in Osteuropa.

Ein maskierter Karnevalist mit bunten Tüchern bei einem Straßenumzug.
Gestalten mit furchteinflößenden Masken aus Holz und bunten Bändern belagern beim Fasching in Polen die Straßen und fordern Wegezoll von durchfahrenden Autos. Bildrechte: Wojciech Kubina

Polen: Mit Schmalzgebäck zu den "Bergleuten"

Das bekannteste Karnevalsfest Polens ist der "Góralen-Karneval" in der Tatra-Gemeinde Bukowina Tatrzańska im Südosten des Landes. Dort wird jedes Jahr vier Tage lang der traditionelle Karneval gefeiert. Wichtigster Bestandteil: Tanz- und Theatervorstellungen. Ein Höhepunkt in der polnischen Karnevalshochburg ist der traditionelle Festumzug, bei dem Narren mit bunten Kostümen durch die Straßen ziehen und Sternensinger und Folklore-Tanzgruppen ihre Kunst zum Besten geben. Dabei belagern Gestalten mit furchteinflößenden Masken aus Holz und bunten Bändern die Straßen und fordern Wegezoll von durchfahrenden Autos.

Karneval Polen
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Festivitäten ist der Schneewettlauf. Beim Pferdeschlittenrennen oder Kumoterki-Wettlauf fahren Goralenpaare in zweisitzigen Schlitten um die Wette oder lassen sich auf Ski von Pferden ziehen. Bildrechte: MDR/Wojciech Kubina

Bei den Polen geht der Karneval durch den Magen: Die Weiberfastnacht heißt "Tłusty Czwartek", also Dicker Donnerstag. An diesem Tag gibt es für alle "pączki". Das kultige Schmalzgebäck ist die polnische Version von Berlinern, Krapfen oder Pfannkuchen. Das gemeinsame Essen und Backen gehört zu den wichtigsten Karnevalstraditionen. "Faworki" - hierzulande als Raderkuchen bekannt - haben in diesen Tagen Hochkonjunktur. Zu Karneval gibt es keine Familie, die das Schmalzgebäck nicht auf dem Tisch hat.

Ungarn: In Mohács wird der Frühling eingeläutet

Das Faschingsfest in Mohács, die Busójárás, ist das größte und berühmteste Ungarns. Tausende Schaulustige reisen alljährlich in die Stadt an der Donau, um den Umzug der Busó mit ihren furchterregenden Masken zu erleben. Die Kostüme der Busó haben sich im Laufe der Jahrhunderte nicht verändert. Zum Kostüm gehören ein Schafpelz und eine Maske. Die Masken werden aus Weidenholz geschnitzt. Etwa ein Dutzend Holzschnitzer gibt es in Mohács. Für eine Maske benötigen sie gut zwei Arbeitstage. Die Hörner stammen meist vom örtlichen Metzger.

Mohacs
Die Busó haben große Hörner oder Ratschen dabei, mit denen sie ständig gehörig Krach machen, um die Osmanen und den Winter derart zu erschrecken, dass beide Reißaus nehmen. Bildrechte: IMAGO

Die Busó treffen sich am ersten Faschingstag auf einer kleinen sumpfigen Insel in der Donau. Dann setzen sie mit kleinen Booten aufs Festland in Mohács über. Der Legende nach haben sich die Einwohner von Mohács 1526 auf diese Inseln nach der Niederlage gegen die Osmanen gerettet. Gut 150 Jahre später, 1687, sind die Busó aufs Festland übergesetzt und haben die Osmanen in der Schlacht von Mohács vertrieben - angeblich, weil ihre Masken so furchterregend waren.

Mittlerweile ist es Tradition, dass die Einwohner von Mohács Karnevalsfreunde aus anderen Städten Ungarns oder gar aus dem Ausland einladen. Der Hintergedanke: Je mehr Busó beim Umzug dabei sind, desto leichter lassen sich Osmanen und Winter vertreiben.

Kroatien: Rijeka wird vom Urlaubsort zur Narrenhochburg

Rijeka an der Adria ist in diesem Jahr Europäische Kulturhauptstadt. Das Küstenstädtchen an der Adria beweist, dass es auch im Winter seine Reize hat. In der Karnevalssaison verwandeln Feierlustige den Urlaubsort in eine Narrenhochburg. Wie in Köln oder Mainz nimmt die ganze Stadt am Karneval teil. Ohne Kostüm wagt sich an den Tagen vor Aschermittwoch kaum jemand auf die Straße. Höhepunkt ist der Karnevalssonntag: Rund Zehntausend Narren aus allen Teilen des Landes kommen zum größten Maskenumzug Kroatiens.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. November 2019 | 15:15 Uhr

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